17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ankunft in der neuen Heimat

Flüchtlinge Ankunft in der neuen Heimat

Überraschung in Schleswig-Holstein: Statt der erwarteten 250 Flüchtlinge sind am Montagmorgen rund 400 Menschen nach einer langen Odyssee über Ungarn, Österreich und München per Sonderzug in Neumünster angekommen. Schon am Dienstag werden weitere Flüchtlinge erwartet.

Voriger Artikel
Sonderzug in die Sicherheit
Nächster Artikel
Ein Politiker, wie er im Buche steht

Er hieß die Flüchtlinge in Neumünster willkommen: DRK-Helfer Gerrit Köhler verteilte Stofftiere an Kinder.

Quelle: Frank Behling

Neumünster/Berlin. Die Behörden prüfen nach Informationen dieser Zeitung weitere Notunterkünfte in Bundeswehrliegenschaften, Polizeikasernen oder Sportanlagen.

Auch bundesweit schnellen die Zahlen immer weiter in die Höhe: Nach der Grenzöffnung in Ungarn am Freitagabend sind am Wochenende nach neuen Behördenangaben 22000 Flüchtlinge in Bayern angekommen, am Montag kamen mehrere Tausend dazu.

Für ihre Versorgung und die der zahlreichen anderen vor Not und Krieg geflohenen Menschen will die Bundesregierung jetzt mehr Geld bereitstellen. Die Koalition einigte sich darauf, dass der Bund die Mittel für Flüchtlinge im Haushalt 2016 um drei Milliarden Euro erhöht. Bundesländer und Kommunen sollen weitere drei Milliarden Euro erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält Gesamtkosten von zehn Milliarden Euro zur Bewältigung der Flüchtlingskrise im nächsten Jahr für denkbar. Steuererhöhungen für die Flüchtlinge schloss Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) aus. Vereinbart wurde auch, dass der Bund Länder und Kommunen beim Ausbau von etwa 150000 winterfesten Plätzen in menschenwürdigen Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge „verstärkt unterstützen“ wird. Die Koalition will zudem den Kreis der sogenannten sicheren Herkunftsstaaten um Kosovo, Albanien und Montenegro erweitern.

Die Aufnahmeentscheidung vom Wochenende zur Aufnahme von Tausenden Flüchtlingen aus Ungarn vom Wochenende solle eine Ausnahme bleiben, heißt es in dem Papier der Koalitionäre. Merkel forderte eine „Kraftanstrengung“ der Europäischen Union. „Die Zeit drängt für eine gemeinsame Lösung.“ Notwendig sei eine solidarische Verteilung der Flüchtlinge.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nannte das Maßnahmepaket ein deutliches und wichtiges Signal für Länder und Kommunen. Er machte aber auch deutlich, dass die zugesagten Mititel nicht reichen werden, um die Zahl der Flüchtlinge zu bewältigen. „Wenn schon ein kleines Bundesland wie Schleswig-Holstein 300 Millionen Euro stemmen muss, stimmen ganz einfach die Relationen nicht“, sagte Albig. „Das ewige Gefeilsche um die finanziellen Mittel für Asylsuchende ist einfach nur ärgerlich.“ Als positiv bewertete Albig, dass der Bund die Länder bei der Einrichtung von Erstaufnahmeeinrichtungen entlasten will. So sollen alle verfügbaren Plätze in Bundesliegenschaften auf Anforderungen sofort und mietzinsfrei zur Verfügung gestellt und die Kosten für die Herrichtung übernommen werden. „Ich freue mich, dass nun auch der Bund tatkräftig anpackt.“

In den Erstaufnahmestellen des Landes wird es aktuell immer enger. In Kiel (ursprünglich 500 Plätze) sind 650 Flüchtlinge untergebracht. Auch Boostedt (500 Plätze) ist mit etwa 620 Flüchtlingen überbelegt, weitere rund 130 sollen noch folgen. In Bad Bramstedt werden in diesen Tagen bis zu 150 Asylbewerber in einer Turnhalle der Bundespolizei einquartiert.

In Neumünster begrüßte Innenminister Stefan Studt (SPD) die Flüchtlinge am Morgen persönlich. Helfer verteilten Getränke, Lebensmittel, aber auch Kleidung, Decken und Kuscheltiere.

Von Frank Behling und Ulf B. Christen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

Mehr zum Artikel
400 Flüchtlinge
Foto: Erschöpft und erleichtert, kamen die Flüchtlinge in Neumünster an: Der Zug mit 400 Passagieren erreichte die Stadt um 6.30 Uhr.

Erschöpft und übernächtigt, aber glücklich waren die 400 Menschen, die am Montagmorgen nach einer tagelangen Odyssee auf dem Bahnsteig 3 in Neumünster erstmals schleswig-holsteinischen Boden betraten. Bevor das aber so weit war, mussten Helfer wie Flüchtlinge sich in Geduld üben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3