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Wegen dänischer Polizei: Transithilfe eingestellt

Flüchtlinge in Flensburg Wegen dänischer Polizei: Transithilfe eingestellt

Massive Vorwürfe gegen die dänische Polizei: Lange konnten Flüchtlinge nahezu unbehelligt von Deutschland über Dänemark nach Schweden reisen. Jetzt wurden ein Bus und ein Zug gestoppt und alle Flüchtlinge „zwangsregistriert“. Flensburger Helfer sind empört.

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Im September hatte Dänemark vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt, weshalb viele Flüchtlinge am Bahnhof Flensburg strandeten.

Quelle: dpa/Christian Charisius

Flensburg. Das „Refugees Welcome“-Team am Flensburger Bahnhof hat wegen des jüngsten Verhaltens der dänischen Polizei seine Transithilfe für Flüchtlinge eingestellt. „Nachdem innerhalb von 24 Stunden zwei öffentliche Personentransporte (Bahn und Schienenersatzverkehr) kurz hinter der Grenze in Dänemark angehalten und alle darin befindlichen Flüchtlinge zwangsregistriert worden sind, sehen sich die Helferinnen und Helfer am Flensburger Bahnhof außer Lage, weitere Transithilfe zu leisten“, hieß es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag.

"Mit dem Schicksal von Menschen gespielt"

Bisher seien Flüchtlinge, die aus Deutschland kamen und Dänemark mit Fahrkarten nur zum Transit nach Schweden passieren wollten, weitgehend ungehindert durchgelassen worden, hieß es. „Bei den stichprobenartigen Kontrollen handelte es sich der Form nach um typische Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung.“ Die jetzigen Kontrollen könnten nur als Abschreckungsmaßnahmen gedeutet werden. „Damit wird mit dem Schicksal von Menschen gespielt.“

Vom Flensburger Bahnhof fahren laut „Refugees Welcome“ regelmäßig Busse der dänischen Bahn und Züge mit Flüchtlingen nach Dänemark mit dem Ziel Schweden. Am Mittwoch seien in Flensburg drei Busse gestartet – an Bord Flüchtlinge, die alle ein Ticket nach Schweden gehabt hätten. Bei Padborg sei ein Bus mit etwa 50 Menschen gestoppt worden, am Donnerstag ein Zug ebenfalls kurz hinter der Grenze. Auch die 40 Flüchtlinge des Zuges hätten nach Schweden gewollt und dafür Fahrkarten gehabt.

Flensburg wird vorerst Endpunkt

„Wir helfen mit Fahrkarten, damit die Menschen nicht auf Schleuser angewiesen sind“, sagte ein Helfer. Jetzt habe man diese Transithilfe erstmal gestoppt, um die Menschen über das geänderte Verhalten der dänischen Polizei zu informieren. Es bestehe nun die Gefahr, dass Flüchtlinge erstmal in Flensburg bleiben „und die Stadt überläuft“, hieß es. Am Donnerstagabend befanden sich laut „Refugees Welcome“ rund 400 Flüchtlinge im Bahnhofsbereich.

Die dänische Polizei betonte, nichts an ihrer bisherigen Praxis geändert zu haben. Der Bus sei auf der Autobahn gestoppt und dann gefragt worden, ob Asylsuchende unter den Fahrgästen seien – „so, wie wir das täglich in Zügen machen“, teilte Helle Lundberg von der südjütländischen Polizei der Deutschen Presse-Agentur mit. Insgesamt 38 Busgäste hätten Asyl in Dänemark beantragen wollen und 14 nicht. Diese seien nach Deutschland zurückgebracht worden. „Menschen, die nicht Asylsuchende sind oder illegal Reisende, holen wir aus dem Bus oder Zug und bearbeiten diese Fälle – wie jeden Tag.“

Das seien seit langem übliche Routinekontrollen, sagte Lundberg. „Wir machen das, was wir immer schon gemacht haben.“ Die dänische Polizei halte sich an die dänischen Gesetze und die Regeln innerhalb des Schengen-Raumes. „Wir üben auf niemanden Druck aus, in Dänemark Asyl zu beantragen.“ Wer dies nicht wolle, werde nach Deutschland zurückgebracht, unterstrich Lundberg.

Verhalten der dänischen Polizei kritisiert

Seit sieben Wochen leisten die Freiwilligen am Flensburger Bahnhof humanitäre Hilfe und arbeiten dabei nach eigenen Angaben „kooperativ und transparent mit allen beteiligten Behörden auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze zusammen“. Alle Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Kindern, wurden bisher zur Weiterreise beraten und aus Spendenmitteln versorgt.

„Das Verhalten der dänischen Polizei kündigt das bisherige Vertrauensverhältnis auf. Unter diesen Bedingungen können wir die Transithilfe nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren. Die Menschen kommen in ihrer Not zu uns. Wir können sie nicht ins Ungewisse schicken“, kritisierte Nicolas Jähring vom „Refugees Welcome“-Team die dänischen Behörden. Die Hilfe am Bahnhof könne sich aus Sicht des Teams derzeit nur auf die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung beschränken.

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