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Kiel blickt gebannt nach Schweden

Flüchtlingspolitik Kiel blickt gebannt nach Schweden

Schweden verschärft die Aufnahmebedingungen für Asylbewerber, lässt seine Grenzen aber vorerst offen: In Kiel und Lübeck hat man am Freitag auf die Einigung von Regierung und breiten Teilen der Opposition in Stockholm erleichtert reagiert.

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Die schwedische Regierung unter Ministerpräsident Stefan Löfven (Sozialdemokraten) hat einen Asylkompromiss mit der Opposition ausgehandelt.

Quelle: dpa-Archiv/Maurizio Gambarini

Stockholm/Kiel. Täglich reisen von Schleswig-Holstein aus etwa 1000 Transitflüchtlinge per Schiff oder Bahn Richtung Skandinavien. In Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Fährhäfen in Rostock und Sassnitz sind es weitere 450.

Nach Informationen unserer Zeitung hat die Fährlinie Stena der Kieler Landesregierung angekündigt, im Fall einer Grenzschließung an Flüchtlinge keine Tickets mehr zu verkaufen. Längst beginnt die Stimmung in Schweden zu kippen. Binnen einer Woche brannten vier Flüchtlingsheime in einem Land, das auf seine Toleranz immer große Stücke gehalten hat. Am Mittwoch räumte der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven erstmals ein: „Wir sind am Limit.“

Schweden erwartet 190 000 Asylbewerber 2015

In diesem Jahr rechnet das 9,5 Millionen Einwohner zählende Königreich mit bis zu 190000 Flüchtlingen.

Unterdessen bleibt die Lage auch in Schleswig-Holstein angespannt. Nach Regierungsangaben strömen täglich bis zu 450 Männer, Frauen und Kinder ins Land. Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler kündigte am Freitag an, dass die künftige Erstaufnahmeeinrichtung in Eggebek 1000 statt 500 Flüchtlinge aufnehmen soll. Für dieses Jahr stellt sich die Landesregierung auf 60000 Asylbewerber ein. Sollte Schweden seine Grenze schließen, kämen täglich 1000 dazu.

„Schon jetzt ist es keine leichte Aufgabe, den Transitflüchtlingen ein Übernachtungsquartier anzubieten“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). „Würde Schweden seine Grenze schließen, hätten wir eine noch wesentlich schwierigere Situation.“ Vergangenes Wochenende hatte Kiel nach einem Ansturm von mehr als 600 Transitflüchtlingen das alte C&A-Kaufhaus beschlagnahmt. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) vermutet allerdings, dass das Problem der Unterbringung nicht lange anhalten dürfte. Die Flüchtlinge seien gut vernetzt. „Wir denken, dass sie nicht mehr in großen Strömen zu uns kommen würden, wenn sie nicht weiterkommen.“

Von Christian Hiersemenzel, Martina Drexler und Bastian Modrow

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Das Ganze ist nicht viel mehr als eine Atempause. Schweden hat sich in der Flüchtlingsfrage am Freitag für einen Kompromiss entschieden und lässt die Menschen weiterhin ungehindert einreisen. Aber wie lange noch? Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis die rot-grüne Regierung um Ministerpräsident Löfven dem immer stärkeren innenpolitischen Druck nachgibt und die Reißleine zieht.

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