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„Plastikmüll im Meer bekämpfen“

Foschungsministerin Wanka „Plastikmüll im Meer bekämpfen“

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) eröffnet am Donnerstag den 5. Norddeutschen Wirtschaftstag in Lübeck. Unsere Zeitung sprach vorher mit ihr darüber, was gegen die Überfischung und gegen Müll in den Meeren getan werden muss.

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Will den Fischbestand in der See sichern: Johanna Wanka.

Quelle: Soeren Stache

Die Weltmeere werden zurzeit überfischt. Was kann die deutsche Meeresforschung beitragen, dass sich an diesem schlimmen Szenario etwas ändert?

Überfischung ist ein ernstzunehmendes globales Problem, das wir lösen müssen. Sonst wird die biologische Vielfalt geschädigt und die Produktivität der Meere sinkt. In der Folge wären die weltweite Ernährungssicherheit und die Widerstandsfähigkeit der Ozeane gefährdet. Wir brauchen also eine verantwortliche Bewirtschaftung und eine Forschung, die uns zeigt, wie wir die natürliche Fischpopulation und ihr Ökosystem erhalten. Mein Ministerium ist hier im Ostseeraum und international aktiv. Beispielsweise widmen wir uns im europäischen Projekt Bonus der Sicherung des Fischbestandes in der Ostsee.

Haben die Forscher ein Rezept gegen den Plastikmüll, Milliarden von Plastikbeuteln etwa, die im Meer schwimmen und eine Gefahr für Fische und Schifffahrt darstellen?

Die Belastung der Meere mit Plastikmüll ist ein drängendes globales Problem. Bei der G7-Wissenschaftsministerkonferenz werde ich mich im Oktober dafür einsetzen, dass wir einen Beschluss zur wirksamen Bekämpfung der Plastikeinträge in die Meere fassen. Eine Lösung wird uns nur mit neuen Impulsen aus der Forschung gelingen. Wir müssen klären, woher der Plastikmüll genau stammt und an welchen Stellen er aus dem Wirtschaftskreislauf in die Gewässer gelangt. Dann können wir auch an den entscheidenden Stellen ansetzen. Die Wissenschaftler müssen dringend herausfinden, wie groß heute schon die Schäden durch Plastik in unseren Gewässern sind. Es gibt beispielsweise beunruhigende Vermutungen, dass Mikroplastikansammlungen zu Entzündungen im Gewebe von Muscheln führen können. Wir wollen aber auch den gesamten Plastikkreislauf in den Blick nehmen. Die ersten Schritte hierzu sind getan. Gemeinsam mit neun anderen europäischen Ländern haben wir Untersuchungen zu standardisierten Messmethoden und zur Toxikologie von Mikroplastikpartikeln im Meer angestoßen.

Mit der Klimaerwärmung wird der Meeresspiegel ansteigen. Mit welchen Forschungsprojekten beteiligt sich die deutsche Wissenschaft an der Erforschung dieses Problems?

Die Anpassung an den Klimawandel beschäftigt uns schon seit Jahren. Hierbei geht es auch um den Küstenschutz in Nord- und Ostsee. Im Rahmen des Förderprogramms „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“ (KLIMZUG) fördern wir Projekte, die sich in Lübeck mit der Hafenentwicklung beschäftigen oder wie der Hochwasserschutz nicht nur durch höhere Deiche sondern auch mit neuen Poldersystemen gewährleistet werden kann. Wir sind aber auch global tätig, beispielsweise mit unserer modernen Forschungsflotte. Erst im letzten Jahr konnten wir das neue Hochseeforschungsschiff Sonne an die Wissenschaft übergeben. Es liefert genauere Daten, die auch der Klimaforschung Auftrieb geben werden.

Sehen Sie weitere Potenziale für die Energiegewinnung auf dem Meer, in Küstenbereichen etwa, die erforscht werden müssen und auf die sich die maritime Wirtschaft einstellen muss?

Die Energiegewinnung ist an der Küste ein aussichtsreiches Feld. Zum einen ist es die Offshore-Windenergie, die hohe Windgeschwindigkeiten nutzen kann. Damit dies effizient geschieht, müssen wir beispielsweise dringend das Gewicht der Anlagen verringern. Mein Ministerium fördert daher aktuell gezielt grundlagenorientierte Projekte zur Materialforschung. Weiteres Potenzial bieten die Meeresenergie und die Wasserkraft. Hier geht es um die Nutzung der Gezeiten, der Strömung, der Wellen, sowie des Unterschiedes im Salzgehalt oder gar der Temperatur. Im Gegensatz zur konventionellen Wasserkraftnutzung auf dem Festland befindet sich die Nutzung der Meeresenergie weltweit noch in einem Demonstrationsstadium. Dieses Potenzial wollen wir heben. Hier ergeben sich zudem neue Exportchancen für die deutsche Industrie.

Interview: Reinhard Zweigler

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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