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Heimaufsicht räumt Fehler ein

Friesenhof-Untersuchungsausschuss Heimaufsicht räumt Fehler ein

Ein Sachbearbeiter der Kieler Heimaufsicht hat am Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur geschlossenen Dithmarscher Mädchenheimeinrichtung Friesenhof Versäumnisse eingeräumt.

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Wolfgang Dudda, Obmann der Piratenfraktion: „Ich muss an dieser Stelle ganz bewusst von verbeamteter Verantwortungsscheue sprechen.“

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ab August 2014, nachdem seine Behörde von betroffenen Mädchen auf Missstände aufmerksam gemacht worden war, hätte „man engmaschiger dranbleiben müssen“, sagte der 39-jährige Sozialpädagoge. Allerdings habe die Heimaufsicht im Kieler Sozialministerium damals nur über vier Mitarbeiter verfügt. Inzwischen wurde die Heimaufsicht auf zwölf Mitarbeiter aufgestockt.

Nach der Vernehmung von Mitarbeitern und ehemaligen Bewohnerinnen der 2015 geschlossenen Einrichtung hatte der PUA jetzt erstmals Mitarbeiter der Heimaufsicht vorgeladen und drang damit zum Kern seiner Untersuchungen vor: Haben Sozialministerin Kristin Alheit und ihre Staatssekretärin Anette Langner (beide SPD) von den Bootcamp-Vorgängen frühzeitig gewusst und fahrlässig das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet? Zumindest der befragte Mitarbeiter konnte diese Frage nicht beantworten. „Wir vertrauen darauf, dass bestimmte Informationen auch nach oben gehen, und es besteht ein gewisses Grundvertrauen, dass die Hierarchie funktioniert“, sagte er auf Nachfrage der FDP-Obfrau Anita Klahn. Er habe keinen Anlass gesehen, sich persönlich an die Hausspitze zu wenden und über den Friesenhof zu berichten. Im Juni vergangenen Jahres hatten sechs Mitarbeiter einen kritischen Vermerk verfasst, dass die Behörde zu stark juristisch agiere und zu wenig auf sozialpädagogisch-erzieherische Notwendigkeiten eingehe. Da war der Friesenhof allerdings bereits geschlossen.

Immer wieder Erinnerungslücken

Am Montagvormittag hatte der PUA darauf bestanden, einen seit fünf Jahre pensionierten Mitarbeiter der Heimaufsicht zu befragen. Der heute 70-Jährige hatte der Betreiberin des Friesenhofs seinerzeit die Betriebserlaubnis erteilt und berief sich immer wieder auf Erinnerungslücken. Verletzung der Menschenwürde oder Kindeswohlgefährdung? Er könne sich nicht entsinnen, Zweifel an der Einhaltung der üblichen baulichen oder pädagogischen Standards gehabt zu haben. Er wisse zwar noch, dass die Personalfluktuation in den Heimen groß gewesen sei. Aber die Trägerin habe sich stets gesprächsbereit und kooperativ erwiesen, wenn es um Kritikpunkte ging. Als der PUA den Pensionär mit Unterlagen von 2009 konfrontierte, in denen er selbst abgeschraubte Fenstergriffe moniert hatte, räumte er diesen Missstand ein. Nach Angaben der betroffenen Mädchen hatte das Heim diese Praktik noch weitere Jahre angewandt.

Später ging Obmann Wolfgang Dudda (Piraten) mit dem Mitarbeiter hart ins Gericht. Er versuche, sich „mit juristischer Raffinesse und selektiven Erinnerungslücken“ aus jeder Verantwortung zu winden. „Diesen Arbeitseifer hätten sich gewiss viele drangsalierte und gequälte Heimkinder während seiner Amtszeit von ihm gewünscht.“ Beiden Mitarbeitern hatte das Sozialministerium den renommierten Kieler Strafverteidiger Michael Gubitz zur Seite gestellt. Und dem platzte der Kragen, als Obmann Dudda seinem 39-jährigen Mandanten am Nachmittag die Frage stellte, ob er und seine Kollegen im Ministerium gemeinschaftlich geschult worden seien und Aussagen eingeübt hätten. Nach einer Sitzungsunterbrechung verneinte der Mitarbeiter diesen Vorwurf. Eine gemeinsame Vorbereitung habe nicht stattgefunden.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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