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Auf der Suche nach der gelungenen Koexistenz

Israelischer Gesandter zu Besuch in Kiel Auf der Suche nach der gelungenen Koexistenz

Avraham Nir-Feldklein, Gesandter des israelischen Botschafters, besucht Kiel, um Brücken zu bauen. Auf dem Programm stehen Landtag, Rathaus sowie Uni Kiel. Israel will abseits von Berlin seine Kontakte in die Bundesländer intensivieren.

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Der Gesandte des israelischer Botschafters Avraham Nir-Feldklein im Gespräch mit Redakteur Christian Hiersemenzel.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. In Israel duzt man sogar den Präsidenten. Das liege an den zionistisch-sozialistischen Anfängen seines Landes und der offenen Gesellschaft, erklärt Avraham Nir-Feldklein, der Gesandte des israelischen Botschafters aus Berlin. „Bitte nenne mich Avi.“ Dienstagmorgen: Gerade war der 53-Jährige bei Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) und befindet sich auf dem Sprung zur Kieler Uni. Am Montag hatte er Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und zuvor Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) getroffen, der vergangene Woche als stellvertretender Vorsitzender seinen Antrittsbesuch bei der Jerusalem Foundation Deutschland in Israel gemacht hatte.

Besuche in zwei Schulen und einem Kindergarten im West- und Ostteil der Stadt standen dort unter anderem auf dem Programm – Gelegenheiten, um hautnah mitzuerleben, wie ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern, von Juden, Christen und Moslems funktionieren kann. „Würden wir nicht mehr an den Frieden glauben, wäre das das Ende aller Hoffnung“, soder Gesandte. „Die gelungene Koexistenz ist unser größter Traum.“

Aber Frieden könne nicht erzwungen werden, sondern nur aus Vertrauen und Verständnis füreinander entstehen. Insofern sei das Konzept, Lehrer und Erzieher aus Israel und Palästina zur selben Zeit in denselben Gruppen einzusetzen, gemeinsam alle religiösen Feste zu feiern und die Politik draußen zu lassen, ganz hervorragend. „Es ist sehr schwer, jemanden zu radikalisieren, wenn er den anderen als Menschen kennen und schätzen gelernt hat.“ Genau diese Radikalisierung aber ist in Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen noch immer Alltag. Im vergangenen Jahr hatte Staatspräsident Reuven Rivlin Kiel besucht – hier werden U-Boote für die israelische Marine gebaut.

„Um den Frieden zu erhalten, muss man sich verteidigen können und stark sein“, sagt Nir-Feldklein. Im Nahen Osten liege alles so dicht beieinander. „Und wir wollen nicht in die Hände der Hamas, der Hisbollah und des Islamischen Staates fallen. Es geht darum, das Risiko gut zu kalkulieren.“ Insofern seien die U-Boote von der Kieler Werft German Naval Yards (ThyssenKrupp) für sein Land wichtig.

Israel will abseits von Berlin seine Kontakte in die Bundesländer intensivieren. Ein erster Schritt nach Schleswig-Holstein ist im Juni eine Beteiligung an der großen Skulpturenausstellung NordArt in Büdelsdorf. Die Kooperation mit der Kieler Uni soll ausgebaut werden. Israel sei aber auch ein Land der Start-up-Unternehmen. „Deshalb sollten wir unser Augenmerk auch auf industrielle Innovationen lenken.“ Praktika von Fachleuten seien dafür das A und O.

Avraham Nir-Feldklein, verheiratet und Vater zweier Kinder, versteht Deutsch. „Leider ist es auf dem Stand eines Neunjährigen geblieben.“ Seine Großeltern waren 1934 aus Magdeburg in die Nähe von Tel Aviv ausgewandert, gerade noch rechtzeitig, und bis zuletzt hatte die Großmutter mit dem kleinen Avi in ihrer Muttersprache gesprochen. Die israelisch-deutsche Beziehung: ein Wunder? „Dann könnte man es nicht erklären“, sagt er. „Vielmehr sind es Menschen, die nach der Shoah wieder Brücken zueinander bauen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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