27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Darf die Urne mit? Suche nach Konsens

Gesetz zu Bestattungen Darf die Urne mit? Suche nach Konsens

Selten war es im Plenarsaal so still: Auf Antrag der Piratenfraktion diskutierten die Abgeordneten am Mittwoch darüber, ob Schleswig-Holstein ein liberalisiertes Bestattungsgesetz benötigt. Das fordern zumindest die Piraten.

Voriger Artikel
Der Schweine-Antrag ist vom Tisch
Nächster Artikel
Einbrecher sollen schneller hinter Gitter

Möglicherweise darf die Urne mit nach Hause, so fordern es zumindest die Piraten.

Quelle: imago

Kiel. Die Piraten wollen drei Dinge verändern: Urnen dürfen nach vorheriger schriftlicher Einwilligung des Verstorbenen bis zu zwei Jahre mit nach Hause genommen werden. Die Asche des Verstorbenen darf nach Bremer Vorbild auf Privatgrundstücken verstreut werden. Und eine Bestattung wäre nicht erst nach Ablauf von 48 Stunden möglich, sondern bereits am selben Tag. Damit käme man den Riten des Judentums und des Islams entgegen.

Die Kirchen hatten unter anderem kritisiert, dass mancher Trauernde bei privater Aufbewahrung der Urne und Ausbringung von Asche im privaten Rosenbeet keinen ungehinderten Zugang zum Grab mehr hätte. Pirat Uli König: „Bei anonymen Beerdigungen und Seebestattungen ist das schon heute nicht möglich.“

Die CDU, die zuletzt noch vehement Kritik geäußert hatte, schlug merklich leisere Töne an. „Ich persönlich brauche keinen bestimmten Ort, um zu trauern oder der Verstorbenen zu gedenken“, sagte Petra Nicolaisen. Auch seien inzwischen 70 Prozent Urnenbestattungen. Die Union verschließe sich also keiner weiteren Diskussion, aber: „Die menschliche Würde endet für uns nicht mit dem Tod. Und deshalb ist es für uns ein sensibles Thema.“

Das betonten auch alle anderen Fraktionen. Wolfgang Baasch (SPD) stellte fest, dass es nach zehn Jahren sinnvoll sei, das Gesetz den geänderten Bedürfnissen anzupassen. Detlef Matthiessen (Grüne) wies darauf hin, dass viele Bürger den Staat als „bestimmerisch und einmischig“ empfänden. Man werde aber diskutieren müssen, ob die Art, wie die Totenwürde gewahrt wird, Privatangelegenheit sein kann. Überspitzt formuliert: „Opas Asche in die Restmülltonne?“ Anita Klahn (FDP) wies auf Nachbarländer hin: „Warum nicht etwas einführen, was im Ausland längst funktioniert?“ Das Thema wurde zur Beratung in die Fachausschüsse überwiesen. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sagte: „Die Erörterung fordert die Einbeziehung breiter Teile der Gesellschaft.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3