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Glaubenskampf um Religionsunterricht

Kirchen kontra Dänen-Ampel Glaubenskampf um Religionsunterricht

Der Glaubenskampf um den Religionsunterricht geht in eine neue Runde. Laut Koalitionsvertrag soll das Schulfach Religion vom Bekenntnis gelöst und konfessionsübergreifend gestaltet werden. Für die christlichen Kirchen ein Schock.

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In der Kirche regt sich Widerstand gegen die Pläne der Dänen-Ampel zum Religionsunterricht an Schulen.

Quelle: dpa (Archiv)

Kiel. Schon nach dem ersten Vorstoß der Grünen im April hatten sie sich empört. Jetzt werden verfassungsrechtliche Bedenken laut. Denn das Grundgesetz garantiert „Religion“ als ordentliches Schulfach, auch wenn etwa in Bremen oder Berlin heute statt „Religion“ neutral „Bibelgeschichte“ oder Ähnliches gelehrt wird. Bischofsbevollmächtigter Gothart Magaard von der Nordkirche sieht das als Ausnahme: Das Grundgesetz lasse gemeinsamen Religionsunterricht nur dort zu, wo vor 1949 eine andere Regelung als die im Grundgesetz formulierte galt. Für Schleswig-Holstein greife das nicht.

 In der Nordkirche und dem Erzbistum Hamburg drängt man auf konfessionell gebundenen Unterricht. „Der Lehrer muss von dem, was er weitergibt, überzeugt sein“, sagt Magaard, und auch Beate Bäumer (Katholisches Büro Kiel) findet, Glaubensbildung brauche „das Fundament eines Glaubens“. Sie fordert für katholische Kinder in der schleswig-holsteinischen Diaspora „Minderheitenschutz“.

 „In Schleswig-Holstein gibt es nur evangelischen und katholischen Religionsunterricht“, sagt Thomas Schunck, Sprecher im Bildungsministerium, der Islam-Unterricht einiger Schulen gelte nicht als ordentliches Schulfach. Mehr als 12400 Oberstufenschüler besuchten im Schuljahr 2010/11 evangelischen, etwa 660 Schüler katholischen Religionsunterricht, Tendenz, so Schunck, „steigend“ – denn die Alternative „Philosophie“ kann hartes Brot sein.

 „Viele, die heute gegen konfessionell gebundenen Unterricht sind, haben Religionsunterricht ihrer Kindheit vor Augen“, vermutet Magaard, doch mit Religionsstunden alter Prägung hat moderne Religionspädagogik wenig zu schaffen. „Reli“ auf dem Stundenplan enthält längst mehr als Absingen frommer Lieder, Katechismuspauken und Gebetslitaneien, Lehrer setzen auf Interreligiosität statt auf eiserne Mission. Andreas Griebel etwa, Schulreferent im Bistum, unterrichtet Religion am Rendsburger Gymnasium Herderschule. In seine Stunden kommt auch gerne mal der evangelische Kollege oder ein Imam – und umgekehrt.

 Die Dänenampel will Religionsunterricht „nur in Kooperation mit den Religionsgemeinschaften“ verändern. Bildungspolitiker wie Martin Habersaat (SPD) und Anke Erdmann (Grüne) setzen auf das „Hamburger Modell“: Der Religionsunterricht liegt dort formal in kirchlicher Verantwortung, trägt aber einen deutlich interreligiösen Charakter mit christlichem Schwerpunkt und wird nur von Lehrern mit evangelischer Konfession erteilt. Darauf könnte sich auch die Nordkirche einlassen.

 Da sind Habersaat und Erdmann fast auf einer Linie mit Magaard. In Schleswig-Holstein könne er sich noch nicht vorstellen, dass ein Muslim evangelische Religion unterrichtet – später vielleicht schon, vorausgesetzt, Ausbildung und Lehrbefähigung seien akzeptabel. Habersaat glaubt nicht an gemeinsamen Religionsunterricht in dieser Legislatur, Erdmann ist da optimistischer. Doch sollte das Land den Kirchen die Federführung entziehen, würden sie das rechtlich klären lassen, sagt Magaard. Das hieße: Klage.

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