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Noch herrscht Gelassenheit

Grenze zu Dänemark Noch herrscht Gelassenheit

Der erste Eindruck: Hier am Übergang Krusau herrscht Gelassenheit. Keine Staus, keine Hektik, kein Stress. Und doch ist an diesem eiskalten Montag etwas anders am deutsch-dänischen Grenzalltag, aus dem die routinemäßigen Passkontrollen vor 14 Jahren doch eigentlich verschwunden waren.

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Auch in den Linienbussen an der deutsch-dänischen Grenze in Krusau werden die Insassen kontrolliert.

Quelle: Sven Janssen

Krusau/Flensburg. Dort, wo Tausende von Fahrzeugen bis vor wenigen Stunden unbehelligt von Flensburg ins dänische Krusau fahren konnten, ist die Bundesstraße 200 auf eine Fahrspur verengt. Eine Handvoll dänische Polizisten in grellgelben Warnwesten beobachtet den Verkehr, der – von einer Bodenschwelle auf Schrittgeschwindigkeit gebremst – Richtung Dänemark rollt. Ein freundliches Durchwinken, das ist die Regel, doch sobald ein Fahrzeug aussieht, als könnte es Flüchtlinge transportieren, wird es an die Seite gewunken.

Das sind die Bilder von den Grenzkontrollen.

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Mathias und Birgit Otte sitzen in so einem Fahrzeug, einem VW-Transporter mit Schleswiger Kennzeichen. Doch der dänische Kontrolleur lässt sich nur kurz die Ausweise zeigen und winkt zur Weiterfahrt, ohne sich die Tür zum Laderaum öffnen zu lassen. Dahinter gefunden hätte er auch keine Flüchtlinge, sondern Ersatzteile, mit denen das Ehepaar aus Harrislee bei Flensburg regelmäßig Autohäuser in Dänemark beliefert. Die Ottes gehören damit zu den Tausenden Pendlern, die täglich über die A7, die B200 oder den Ochsenweg die Grenze passieren. Von Verärgerung über die Kontrollen ist bei beiden dennoch nichts zu spüren: „Mir war es schon immer irgendwie unheimlich, dass jedermann kreuz und quer durch Europa fahren kann, ohne auch nur einmal einen Ausweis vorzeigen zu müssen“, sagt Mathias Otte.

Torsten Albig macht sich bereits Sorgen

Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Dänemark – fast hatte man vergessen, dass es so etwas überhaupt einmal gab. Vorerst sollen es nur zehn Tage sein, doch wer weiß? Die Kontrollhäuschen für die Grenzbeamten gibt es schon lange nicht mehr, aber mit einem am Montag in Krusau aufgestellten beheizbaren Container einschließlich Toilette ließe sich auch ein länger währender Rückfall in alte Zeiten überbrücken – zumindest technisch. Die politischen und wirtschaftlichen Kollateralschäden der dänischen Entscheidung als Reaktion auf die schwedischen Kontrollen lassen sich derzeit aber kaum überblicken. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sorgt sich bereits um das Zusammenleben in der Grenzregion.

Doch an diesem Tag bremsen die Kontrollen den Verkehrsfluss kaum. „Es gibt keine Probleme, weder in Krusau, noch an den anderen Übergängen“, sagt Helle Lundberg, Sprecherin der Polizei Südjytland. Vielleicht jedes 20. Fahrzeug wird herausgewunken, auch ein Transporter mit rumänischem Kennzeichen ist dabei, und ein Linienbus aus Flensburg, den zwei Polizisten kurz von innen in Augenschein nehmen. „Das ist doch völlig in Ordnung – angesichts der Flüchtlingslage“, sagt der Busfahrer.

Lage im Bahnhof Flensburg ist kritischer

Nicht dramatisch, aber durchaus angespannt ist die Lage am späten Nachmittag im Bahnhof Flensburg. Etwa 30 Flüchtlinge warten in der Halle auf den Zug Richtung Kopenhagen. „Wir klären über die Kontrollen auf, aber viele versuchen es trotzdem – auch wenn sie keine Reisedokumente haben“, sagt Pia Knies von der Flensburger Willkommensinitiative. Die Zahl der Transitflüchtlinge, die über den Flensburger Bahnhof gen Schweden weiterreisen wollen, ist seit dem Herbst deutlich zurückgegangen. Reisten zu Spitzenzeiten mehr als 1000 Menschen über diesen Weg nach Skandinavien, sind es am Montag rund 100. Die Tickets werden vor dem Einstieg am Gleis 1 kontrolliert, die Pässe aber noch nicht. Das geschieht in Padborg auf dänischer Seite. Dort, spätestens jedoch in Kopenhagen, werden Passagiere ohne gültigen Ausweis nach Deutschland zurückgeschickt – es sei denn, sie stellen in Dänemark Asylantrag.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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