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Habeck fordert Umdenken bei Landwirten

Landwirtschaft Habeck fordert Umdenken bei Landwirten

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck hat die Bauern aufgefordert, sich für ein erweitertes Berufsbild zu öffnen. Der Grüne Politiker begründet das mit den Weltmarktmechanismen, die zum Preisverfall für Agrarprodukte wie Milch und zu weiterem Höfesterben führten.

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Robert Habeck fordert ein Umdenken bei den Landwirten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. „Unsere Landwirte machen nach den Spielregeln, die ihnen auferlegt wurden, alles richtig“, sagte Habeck. „Sie sind top ausgebildet, haben investiert — und machen trotzdem Verlust mit jedem Liter Milch den sie melken und mit jedem Ferkel, das gemästet wird.“

Diese Ausgangslage macht aus Habecks Sicht ein Umdenken erforderlich, weg von reiner Kalorienproduktion nach dem Motto: Immer mehr und immer intensiver. „Ich bin nicht der Meinung, dass eine reine Exportstrategie und die Auffassung, vor allem über Wachstum mit niedrigen Preisen konkurrieren zu wollen, die richtigen Antworten sind. Das blinde Vertrauen, dass ein unregulierter Markt alles schon irgendwie regelt, hilft oft genug nicht“, sagte Habeck.

Die permanente Intensivierung der Produktion heize den Preisverfall doch gerade an und drohe die hiesigen Landwirte zu ruinieren. „Die Preise bilden sich an den Agrarbörsen und hängen ab von Faktoren, die mit den hiesigen Landwirten nichts zu tun haben.“ In den vergangenen Jahren mussten im Norden jeweils im Durchschnitt knapp 1,7 Prozent der Agrarbetriebe aufgeben. „Ich befürchte, dass sich diese Zahl 2016 deutlich erhöhen wird, zumindest bei den Milchbauern“, sagte der Minister.

Aus seiner Sicht könnten sich für Landwirte neue Perspektiven auftun, wenn es auch einen Paradigmenwechsel gibt, der Landwirte zunehmend als Tier- und Gewässerschützer, Pfleger der Kulturlandschaft oder Dienstleister für Infrastrukturen im ländlichen Raum und das Aufrechterhalten dörflichen Lebens begreift und entlohnt. „Sie bleiben dabei natürlich unverzichtbare Lebensmittelproduzenten“, sagte Habeck.

Erste Schritte, um Bauern für zusätzliche Leistungen für Umwelt und Tierwohl zu bezahlen, habe Schleswig-Holstein mit der Neuaufstellung der EU-Förderprogramme 2015 gemacht. „Wir fördern Maßnahmen, die sich allein am Markt nicht rechnen“, sagte Habeck. „Wir vergüten Weidegang von Kühen, wir zahlen Investitionszuschüsse wenn Rinder und Schweine mehr Platz in den Ställen haben.“ Zudem fördere das Land den Anbau heimischer Eiweißpflanzen, um Importe von Soja aus Südamerika zu verringern. „Die Landwirte, die sich darauf einlassen, können damit ihre Bilanzen ein Stück weit stabilisieren.“

Das könne aber erst ein Anfang sein, sagte Habeck. Perspektivisch gehe es darum, die europäische Förderpolitik viel stärker entsprechend auszurichten. „Wir sollten schrittweise davon wegkommen, Bodenbesitzer vor allem für das Vorhalten von Fläche zu bezahlen. Das geht aber nur, wenn in der Landwirtschaft ein Umdenken einsetzt.“

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Wachse oder weiche. So lautet die Maxime in der Landwirtschaft. Viele Hofbesitzer in Schleswig-Holstein haben diese Strategie mitgemacht – sie haben in den Ausbau ihrer Stallanlagen investiert, weil sie eben nicht weichen wollen. Weil Landwirtschaft ihre Lebensgrundlage ist – und, wenn eben möglich, auch die ihrer Kinder sein soll.

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