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Habeck gegen Aufnahme ins Jagdrecht

Angst vor Wölfen Habeck gegen Aufnahme ins Jagdrecht

Nach dem Vorfall mit 25 getöteten Schafen auf einer Weide bei Blumenthal ist eine neue Debatte um den Umgang mit Wölfen im Land entbrannt. Der Landesjagdverband (LJV) fordert eine Aufnahme ins Jagdrecht, Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist strikt dagegen. Auf der betroffenen Weidefläche wurden die Sicherungsmaßnahmen verschärft.

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Landwirt Jan Siebels (rechts) begutachtet mit Hauke Göttsch die Kehlbisse an seinen Mutterschafen

Quelle: Sorka Eixmann

Kiel. „Ich sehe nicht, was die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht bringen soll“, sagte Habeck. Auch danach würden die Tiere aufgrund ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit zwangsläufig einer ganzjährigen Schonzeit unterliegen. Zudem drohe mehr Bürokratie: In Ausnahmesituationen und bei konkreter Gefahr für den Menschen müssten Jäger den Abschuss eines Wolfes dann bei der obersten Naturschutz- und der unteren Jagdschutzbehörde beantragen. LJV-Chef Andreas Schober forderte dagegen, sich an der geltenden Regelung in Sachsen zu orientieren und den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. „Die ganzjährige Schonzeit schützt das Tier weiterhin in besonderem Maße wie den Fischotter oder den Seeadler“, betonte Schober. „Der Wolf bleibt eine streng geschützte Art.“

Habeck drückte am Donnerstag erneut sein Mitgefühl für den Blumenthaler Landwirt Jan Siebels aus, auf dessen Schierenseer Weide am Dienstag 25 Schafe gerissen worden waren. „Wir wissen noch nicht sicher, ob ein Wolf oder ein Hund angegriffen hat, aber es ist eine große Belastung für den Schäfer und seine Familie. Das ist mir voll und ganz bewusst.“ Der Wolf sei willkommen in Schleswig-Holstein, doch Schafe wie Schweine in geschlossene Ställe zu sperren, sei „keine Option“. Habeck kündigte an, „das bislang sehr gute Wolfsmanagement“ zu überprüfen und die Strukturen zu verstärken: „Wie das konkret aussehen soll, wird derzeit erarbeitet.“

Der Vorsitzende des Umwelt- und Agrarausschusses im Landtag, Hauke Göttsch (CDU), forderte Nachbesserungen. So dürfe das Betretungsrecht für Wälder, Wiesen und Äcker nicht wie von Habeck geplant mit dem neuen Naturschutzgesetz ausgeweitet werden. „Das erhöht die Gefahr für Mensch und Tier“, sagte Göttsch. Oberste Maßgabe sei jetzt, sich bei Wanderungen durch die Natur an die ausgewiesenen Wege zu halten. Zudem brauche man einen umfassenden und unbürokratischen Entschädigungsmechanismus für betroffene Viehhalter. Im Falle von Schäfer Siebels hat das Umweltministerium inzwischen angeboten, auch Kosten für die getöteten Lämmer zu erstatten. Habeck: „Wir finden eine gute Lösung, die seine Verluste angemessen ausgleicht.“ Siebels selbst ließ am Donnerstag seine Weideflächen mit einem Stromzaun sichern.

Von Patrick Tiede und Sorka Eixmann

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Blumenthal
Foto: Landwirt Jan Siebels (rechts) begutachtet mit Hauke Göttsch die Kehlbisse an seinen Mutterschafen. Für ihn steht fest: "Es war ein Wolf."

Der Anblick ist erschreckend: 19 tote Mutterschafe liegen neben dem Stall von Jan Siebels in Blumenthal, daneben die Kadaver von sechs Lämmern. Er ist müde, die halbe Nacht hat er gemeinsam mit Ehefrau und Söhnen gerissene und verletzte Schafe von einer Koppel am Gestüt Heidberg geborgen. Für ihn steht fest: „Es war ein Wolf.“

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