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Habeck verschärft Atommüll-Regeln

Zwischenlagerung Habeck verschärft Atommüll-Regeln

Als Konsequenz aus dem Fund verrosteter Atommüllfässer in Brunsbüttel will Schleswig-Holstein die Regeln für die Zwischenlagerung von schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen verschärfen. Energieminister Robert Habeck (Grüne) kündigte am Mittwoch mehr Kontrollen und strengere Vorgaben für die Betreiber der Atomanlagen an.

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Mit mehr Kontrollen und strengeren Vorgaben für die Betreiber will Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) die Sicherheit bei der Zwischenlagerung von schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen erhöhen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Die Überwachung durch die Atomaufsicht setze künftig bereits beim Befüllen der Behälter ein, sagte Habeck bei der Vorstellung des Berichts zu den Rostschäden an Atommüllfässern in den Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel.

Konkret sollen die Behälter mit Atommüll künftig in allen Lagerstätten jährlich visuell inspiziert werden. Alle vier Jahre sollen zudem eine Kontrolle auch von unten erfolgen. Zudem will Habeck den Betreibern engere Vorgaben machen. Wie viel Zeit zwischen dem Abfüllen des Mülls in Behälter und der endlagergerechten Konditionierung des Mülls vergeht, soll nicht mehr in ihrem Ermessen stehen. Stattdessen soll gemeinsam mit der Atomaufsicht festgelegt werden, wie lange der Atommüll und wo er lagert. „Strenger geht es dann nicht“, sagte der Leiter der Atomaufsicht Jan Backmann.

Laut dem 140-seitigen Bericht der Experten trat Rost bereits früh als Alterserscheinung bei der Zwischenlagerung von Atommüll auf - erstmals 1979 in Brunsbüttel. Aber auch an anderen Standorten im Land gab es Fässer mit Korrosionsschäden. Die Kavernen in Brunsbüttel waren demnach nicht geeignet für eine langfristige Lagerung. „Das war ein Zusammenspiel von verschiedenen Umständen, die sich rückwärtsbetrachtet spannend lesen wie ein Krimi“, sagte Habeck. Im Falle der Brunsbütteler Rostfässer habe es aber kein individuelles, sondern ein strukturelles Versagen gegeben. „Eine zentrale Ursache der Probleme war: Keiner hat die Zwischenlagerung der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle als eine langfristige Aufgabe wahrgenommen, weder die Betreiber noch der Staat.“ Zudem habe es Mängel in der Sicherheitskultur der AKW-Betreiber gegeben.

Ab September will Betreiber Vattenfall die 632 teils verrosteten Fässer mit schwach- bis mittelradioaktivem Abfall mit aufwendiger Spezialtechnik bergen. Von 573 mit einer Spezialkamera untersuchten Behältern waren dort bei 145 Fässern schwere Beschädigungen festgestellt worden. Bei mindestens neun weiteren Fässern, die erst im Zuge der Bergung untersucht werden können, wird dies ebenso vermutet. Der Atommüll soll zur Endlagerung in 58 Containern verpackt werden. Dies wird etwa drei Jahre dauern.

Nach bisheriger Planung soll das vorgesehene Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen zwar ab 2022 schwach- bis mittelradioaktive Abfälle aufnehmen. „Wir müssen uns aber der Wirklichkeit stellen“, sagte Habeck. Die Einlagerung werde ab diesem Zeitpunkt bis zu drei Jahrzehnte dauern. „Denn der Stau ist so groß.“ Durch den Rückbau von Atomkraftwerken kommt zudem weiterer Abfall hinzu.

Rostschäden lassen sich nach Einschätzung der Experten zwar nie ganz verhindern. „Wir müssen aber dafür Sorgen tragen, dass solche erschreckenden Schäden wie in den Kavernen in Brunsbüttel nicht noch mal auftreten“, sagte Habeck. Bei dem Abfall in Brunsbüttel handelt es sich um Filterharze und Verdampferkonzentrate, die während des Kraftwerksbetriebs (bis 2007) angefallen waren. Die Rostfässer liegen zum Teil seit mehr als 30 Jahren in den Kavernen. Ursprünglich sollten sie bereits im Endlager Schacht Konrad sein.

Kritik an Habecks Plänen kam von der Opposition. Der CDU-Energiepolitiker Jens-Christian Magnussen sprach von einem „Besinnungsaufsatz“, der jedoch keines der Probleme löse. Auch der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky bemängelte: „Habecks Pflegetipps für Atomfässer bringen die Endlagerung kein Stück voran.“ Das Datum der Inbetriebnahme des Schacht Konrad werde „aktuell nicht zuletzt mit Hilfe der Grünen immer wieder hinausgezögert“.

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