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G20-Gegner machen mit Konferenz mobil

Hamburg G20-Gegner machen mit Konferenz mobil

Die Vorbereitungen der Gegner des G20-Gipfels in Hamburg laufen auf Hochtouren. Am Wochenende treffen sich hunderte Aktivisten im St. Pauli-Stadion zur zweiten Aktionskonferenz. Neben der Theorie geht es auch um ganz praktische Dinge - wie ein Blockadetraining.

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 Am Sonnabend ist in Hamburg eine Demonstration der G20-Gegner vom St. Pauli-Stadion zu den Messehallen geplant.

Quelle: Bodo Marks/dpa

Hamburg. Drei Monate vor dem G20-Gipfel in Hamburg starten Gegner des Treffens am Wochenende ihre zweite große Aktionskonferenz. Bei dem am Sonnabend (10.30 Uhr) beginnenden, zweitägigen Treffen im Ballsaal des Millerntorstadions wollen die erwarteten rund 600 Teilnehmer aus dem In- und Ausland ihre Planungen aus der ersten Konferenz vom Dezember fortsetzen und sich weiter vernetzen.

Am Sonnabend ist zudem eine Demonstration vom St. Pauli-Stadion zu den Messehallen geplant. Der Sonntagvormittag ist nach Angaben der Veranstalter vor allem praktischen Dingen gewidmet. Unter anderem werde bei einem Aktions- und Blockadetraining geübt, „wie sich Räumungen widersetzt werden kann und wie wir erfolgreich und elegant Polizeiketten durchfließen“.

G20-Gipfel in Hamburg

Bei dem Treffen von 19 Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern der Europäischen Union am 7. und 8. Juli werden in der Hansestadt mehr als 100 000 Gegendemonstranten erwartet, darunter mehrere tausend gewaltbereite Linksextremisten. Der Gipfel, zu dem auch US-Präsident Donald Trump, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der russische Präsident Wladimir Putin kommen wollen, wird von mehr als 15 000 Polizisten beschützt.

Die Aktionskonferenz unter dem Motto „Zeit zu handeln - gemeinsam und vielfältig“, die simultan ins Englische und Französische übersetzt werde, befasst sich mit unterschiedlichsten Themen, angefangen von der Vernetzung der Anwohner der Messehallen als Austragungsort des G20-Gipfels über die Organisation von Zeltlagern für mehrere tausend Demonstranten bis hin zur Einbindung von Migranten in die Proteste. Am Wochenende sind mehrere Workshops angesetzt, unter anderem zu:

  • BLOCKG20 - COLOUR THE RED ZONE! Dabei haben sich Aktivisten das Ziel gesetzt, am 7. Juli die beim G20-Gipfel gesperrte und durch die Polizei besonders geschützte rote Zone zu entern. „Wir werden aus allen Richtungen auf die Orte des Gipfeltreffens zuströmen, auf die Messehallen, auf das Rathaus und die Elbphilharmonie, kurz: auf die sogenannte Rote Zone der Mächtigen.“ Sollte die Polizei sie daran hindern, führten andere Wege zum Ziel. „Wir suchen die politische Auseinandersetzung, aber nicht den körperlichen Angriff.“
  • SHOUT DOWN THE HARBOUR! und UNPLUG G20 STOP CLIMATE CHANGE! Beide Workshops befassen sich mit der Störung und Blockade des Hamburger Hafens, den sie als Symbol für die Logistik des Kapitals und der Umwelt- und Klimazerstörung sehen. Denn nach Ansicht der Aktivisten vollzieht sich dort „in räumlich besonders konzentrierter Weise die alltägliche Zerstörung von Lebensgrundlagen durch scheinbar „normale“ Abläufe“. Sie zählen dazu etwa den Umschlag von klimaschädlicher Kohle, von Uran und Waffen oder den Export industrieller Billig-Agrar-Produkte nach Afrika, die dort die Märkte fluteten und vor allem Kleinbauern die Lebensgrundlage raubten.
  • WELCOME TO HELL! „Der G20 erzeugt einen temporären Ausnahmezustand in Hamburg und seine inhaltliche Ausrichtung bildet eine Klammer all dessen, was wir politisch angreifen“, sind die der linksautonomen Szene zuzurechnenden Organisatoren der Demonstration am 6. Juli überzeugt. Es gehöre zu den großen Lügen und Illusionen der Herrschenden, dass Gipfel wie der G20 und Institutionen wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds IWF oder die Welthandelsorganisation WTO Instrumente der Friedens-, Menschenrechts- oder Klimapolitik wären. Entsprechend machen sie auch gar nicht erst den Versuch, Ideen für Veränderungen zu entwickeln. „Im Gegensatz zur bürgerlichen Opposition werden wir den Herrschenden keine Alternativen vorschlagen, um das kapitalistische System am Leben zu erhalten.“ Bereits jetzt rechnet die Polizei bei dem geplanten Aufzug am Vorabend des Gipfels mit etwa 7500 Teilnehmern, darunter mindestens 4000 gewaltbereite Linksextremisten.
  • AKTIONS- UND BLOCKADETRAINING und ANTIREPRESSION: WAS TUN WENN'S BRENNT . In beiden Fällen beschäftigen sich die Teilnehmer mit Zielen und Verhaltensregeln während der Demonstrationen. Zum einen geht es um das Einüben der Kernelemente einer erfolgreichen Blockade. „Das Aktionstraining berücksichtigt die speziellen Gegebenheiten in der Stadt und speist sich aus den Erfahrungen vergangener Aktionen zivilen Ungehorsams.“ Zum anderen dreht es sich um Tipps und Tricks im Umgang mit Polizei und Justiz: „angefangen von der Vorbereitung auf eine Demo, über das Verhalten bei Übergriffen, Hausdurchsuchungen und bei Festnahmen bis hin zu den Nachwehen wie Strafbefehlen, Gerichtsverfahren und DNA-Entnahmen.“

Ebenfalls Thema der Konferenz dürfte die Großdemonstration „Genzenlose Solidarität statt G20“ und der damit verbundene Streit über die Abschlusskundgebung am 8. Juli. Die Organisatoren des Aufmarschs wollen die mehr als 100 000 erwarteten Teilnehmer auf dem Heiligengeistfeld im Stadtteil St. Pauli versammeln, was die zuständige Wirtschaftsbehörde zuletzt jedoch in einem Schreiben wegen Sanierungsmaßnahmen abgelehnt hat. Die Organisatoren bewerten dies jedoch als einen verwaltungstechnischen Trick, „da die Fläche schon zwei Tage später für den Schlagermove genutzt wird“.

von dpa

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