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Gutachten gibt Schülern Rückenwind

Handy-Nutzung: Gutachten gibt Schülern Rückenwind

Die Diskussion über die Handynutzung an Schulen gewinnt neue Dynamik. Die Piratenfraktion hatte vom Wissenschaftlichen Dienst des Landtags prüfen lassen, inwiefern es Schülern untersagt werden darf, Mobiltelefone und andere elektronische Medien ins Klassenzimmer mitzubringen Die Antwort der Juristen fiel deutlich aus: Ein Nutzungsverbot per Schulordnung sei zulässig.

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Sven Krumbeck von den Piraten.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ein generelles Verbot dagegen, das eigene Handy oder Tablet dabei zu haben, sei rechtlich nicht statthaft.

 „Während der Unterrichtseinheiten versteht sich ein Verbot der nicht zu Unterrichtszwecken verwendeten Handynutzung von selbst“, heißt es im Gutachten. Während Klausuren und Abschlussarbeiten werde das Mobiltelefon zum elektronischen Spickzettel. Auch in den Pausen könne seine Nutzung auf Ausnahmefälle beschränkt werden. Während der Freistunden jedoch und außerhalb des Schulgeländes erscheint den Landtagsjuristen ein Verbot nur schwer begründbar. Kontaktaufnahme in Notfällen, Erreichbarkeit auf Schulwegen und Information an die Eltern über Änderungen im Tagesablauf würden im Jahr 2015 nun einmal mobil erledigt.

 Im Schulministerium fühlt man sich vom Gutachten bestätigt. „Der Regelfall ist, dass die Handynutzung im Unterricht und teils in den Pausen eingeschränkt ist“, sagte die Sprecherin Beate Hinse. Die Piraten wollen im November bei der Landtagssitzung von den Schulen Medienentwicklungspläne einfordern und einen Parlamentsbeschluss gegen Handy-Verbote durchsetzen. Bildungspolitiker Sven Krumbeck verwies auf Einrichtungen wie die Grundschule Silberberg in Geesthacht, die in ihrer Schulordnung das Verbot von Handys in einem Atemzug mit Messern, Reizgas und Knallkörpern nennt. „Solche Schulen haben die Wirklichkeit, in der Schüler längst angekommen sind, nicht verstanden. Nachsitzen für Medienverbieter!“

 Nach Angaben des Landesschülersprechers für Gymnasien, Simon Becker (17), lässt sich der elektronische Geist nicht mehr in die Flasche zurückdrücken. „Die Schulen sollten mit dem Thema pädagogisch umgehen, statt Handys einfach zu verbieten.“ An seinem Gymnasium Altenholz sei die Nutzung verboten, auch wenn es für die Oberstufe Räume gebe, in denen diese Regelung gelockert ist. Wer erwischt wird, müsse am Freitag nachsitzen. „Gut findet das von uns keiner, und viele widersetzen sich.“ Was die Eltern dazu sagen? „Die unterstützen das Handyverbot.“

 Wie es anders geht, macht die Freiherr-vom-Stein-Gemeinschaftsschule Neumünster vor. „Unser Ziel ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Medienkompetenz“, heißt es. Internetfähige Geräte dürfen im Lernprozess genutzt werden – und in den Pausen zu Kommunikationszwecken.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Christian Hiersemenzel zum Handyverbot

Da mögen manche Pädagogen und Eltern noch so sehr die Stirn runzeln: Das Handy gehört heute für Kinder und Jugendliche genauso selbstverständlich zum Alltag wie die Zahnbürste, die Jeans und das Fahrrad. Eine Leben ohne Mobiltelefon ist möglich, aber sinnlos – weil das Smartphone von heute eben so viel mehr fantastische Möglichkeiten bietet, als bloß damit zu telefonieren.

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