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Anwalt der Soldaten

Interview mit Hans-Peter Bartels Anwalt der Soldaten

Der Kieler SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels (54) hat gestern von Hellmut Königshaus (FDP) das Amt des Wehrbeauftragten übernommen; heute wird er im Bundestag vereidigt. Seit 1998 vertrat Bartels den Wahlkreis Kiel, nun endet seine Abgeordnetenzeit. Zuletzt war er Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Wie steht es um die Bundeswehr? Fragen an den neuen Anwalt der Soldaten.

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Nur wenige Tage nach seinem 54. Geburtstag legt Hans-Peter Bartels sein Bundestagsmandat nieder und kümmert sich um die Belange der Soldaten. Der gebürtige Düsseldorfer machte sein Abitur in Kiel, studierte nach dem Wehrdienst Politik, Soziologie und Völkerkunde, er war Redenschreiber für Ministerpräsident Björn Engholm und Sektenbeauftragter der schleswig-holsteinischen Landesregierung. 1998 zog Bartels das erste Mal für die SPD in den Bundestag ein.

Quelle: dpa

Berlin/Kiel. Herr Bartels, Sie haben sich als Abgeordneter 15 Jahre lang intensiv mit der Bundeswehr beschäftigt. In welchem Zustand befindet sich die Truppe heute?

Für die Bundeswehr brachte die Zeit nach dem Kalten Krieg völlig neue Einsatzszenarien. Sie bekämpft in EU- oder Nato-Missionen Terrorgefahren weit weg von zu Hause oder interveniert in Bürgerkriegsgebieten wie auf dem Balkan, um Stabilität zu schaffen. Die Bundeswehr hat diesen Wandel mit allen Schmerzen bewältigt, aber nach den vielen Reduzierungs- und Umbauwellen eine gewisse Reformmüdigkeit erreicht. Jetzt steckt sie mitten in der Modernisierung ihres Geräts, die noch lange nicht zum Abschluss gekommen ist.

Ob Drohnen, Transportflugzeuge, Gewehre oder Helme – man hat den Eindruck, bei der Bundeswehr funktioniert so gut wie nichts. Ist die Lage wirklich schlimm?

Verglichen mit den Sorgen vieler unserer Partner in Europa sind das lösbare Probleme. Es hat sich mit der neuen Regierungskoalition auch etwas verändert: Die Probleme werden nicht mehr unter den Teppich gekehrt, sie kommen auf den Tisch.

Wie lange hält die museumsreife Transall noch durch, wenn sich die Auslieferung des A400M nach dem Absturz einer dieser Transportmaschinen in Spanien noch weiter verzögert? Und was bedeutet das für den Transall-Standort Hohn?

Meine Prognose: Hohn wird noch zehn Jahre als Standort für den Restflugbetrieb der Transall gebraucht. Der A400M ist jetzt schon deutlich verspätet. Der Absturz in Sevilla wird vermutlich die Auslieferung weiter verzögern.

Als Wehrbeauftragter müssen Sie sich künftig zu allgemeinpolitischen Themen zurückhalten. Fällt das schwer?

Nach 17 Jahren als direkt gewählter Abgeordneter ist selbstverständlich Wehmut dabei, wenn man von einer politischen Aufgabe Abschied nimmt, die mit vielen Wirkungsmöglichkeiten in allen Bereichen verbunden ist. Aber zugleich freue ich mich darauf, das sehr besondere Amt des Wehrbeauftragten zu übernehmen. Es ist eine Institution der parlamentarischen Kontrolle der Streitkräfte, die es so bei keinem anderen Bündnispartner gibt.

Bedeutet das neue Amt auch das Ende ihrer Verbundenheit mit Schleswig-Holstein, einen Schlussstrich nach den Turbulenzen um den Rücktritt ihrer Frau als Oberbürgermeisterin von Kiel, die ja auch an Ihnen nicht vorübergegangen sind?

Für mich ist es kein Schlussstrich. Ich bin Schleswig-Holsteiner und Sozialdemokrat aus Kiel, jetzt in Berlin lebend.

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