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Nord-AfD liefert sich Schlammschlacht

Landesparteitag Nord-AfD liefert sich Schlammschlacht

Die AfD in Schleswig-Holstein zieht nach einer heftigen verbalen Schlammschlacht mit einer Doppelspitze in den Wahlkampf. Die neuen Landesvorsitzenden Jörg Nobis, 40, und Bruno Hollnagel, 68, sagten, dass sie im Mai 2017 ein zweistelliges Ergebnis erwarten.

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Wollen eine Alternative zur Politik im Land sein: Die neuen Landesvorsitzenden der AfD Schleswig-Holstein, Jörg Nobis (links) und Bruno Hollnagel.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Henstedt-Ulzburg. „Frau Merkel und Herr Stegner treiben uns die Wähler mit der Peitsche zu“, meinte Nobis. Hauptwahlkampfthema werde die Innere Sicherheit sein. Die Kieler Nachrichten und Lübecker Nachrichten veröffentlichten am Sonnabend eine von ihnen in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. Danach käme die AfD, die bisher nicht im Landtag vertreten ist, auf neun Prozent.

Vor dem Bürgerhaus in Henstedt-Ulzburg demonstrierten rund 150 SPD-Anhänger friedlich. Im Saal flogen über Stunden die Fetzen. Landeschef Thomas Thomsen, im Dauerclinch mit der Mehrheit seines Vorstandes, versuchte mit mehreren Dutzenden lautstarken Mitstreitern, die Landesmitgliederkonferenz wegen einer angeblich weder ordnungsgemäßen noch fristgerechten Einladung abzublasen. Die Mehrheit der 220 AfDler sprach sich allerdings für eine Neuwahl des Vorstandes aus. Thomsen beklagte einerseits „Dreck, Schmutz und Denunziation“, bezeichnete die Nord-AfD aber andererseits als „Sammelbecken von Psychopathen, Chaoten, Unzufriedenen und Abgehängten“.

"Das ist eine Schande für Deutschland"

Zum Eklat kam es, als die giftige Aussprache um den Rechenschaftsbericht des altes Vorstandes per Beschluss abgebrochen wurde. „Das ist eine Schande für Deutschland und keine Alternative für Deutschland“, schimpfte der AfD-Chef im Kreis Herzogtum Lauenburg, Nico Gallandt, ein Anhänger Thomsens. Mehrere AfDler ließen ihrem Frust über Gallandt freien Lauf, einer wandte sich an Journalisten: „So was kann man nur mit Rattengift begegnen. Da ist jede Kugel zu schade.“ Thomsen, Gallandt und rund 40 Gefolgsleute zogen nach gut vier Stunden aus dem Saal aus.

Danach lief der vom Vize-Bundesvorsitzenden Albrecht Glasen (früher CDU) geleitete Parteitag in geordneteren Bahnen. Bei der Wahl zur Doppelspitze setzen sich der frühere Unternehmer und Publizist Hollnagel (162 von 180 Stimmen) ohne Gegenkandidaten, dann Kapitän Nobis (148 von 188) gegen zwei Mitbewerber durch. Nobis, der bereits dem alten Vorstand angehörte, warb für ein Landtagswahlprogramm, für direkte Demokratie und lehnte ein „Zurück in die Atomenergie“ ab. Ansonsten zeigten die AfDler kein landespolitisches Profil.

Ist der Streit schon ausgestanden?

Die Mitglieder, viele Senioren, wenig Frauen, keine Glatzen oder Stiefel, beklatschten ihre neue Führung. „Ich war lange in der CDU, bin ein Konservativer und ein wenig national“, berichtete Claus Mende, 74, aus Schashagen (Ostholstein). „Ich möchte nicht, dass Brüssel über mein Dorf bestimmt.“ Andere AfDler buchten den Zoff-Parteitag als „Geburtswehe“ ab. Offen ist, ob der Streit ausgestanden ist. Gallandt hatte angekündigt, den Parteitag vor dem Bundesschiedsgericht und möglicherweise auch vor zivilen Gerichten anzufechten.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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