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Schleswig-Holsteins brisante Beziehungen zu Israel

Historie Schleswig-Holsteins brisante Beziehungen zu Israel

Dass Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) diese Woche Israel besuchte, hat auch eine pikante historische Komponente. Schon vor der offiziellen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel ab 1965 spielte Schleswig-Holstein für die militärische Aufrüstung Israels eine zentrale Rolle.

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Auch diese Gal-U-Boote des Typs "Dolphin" waren im israelischen Militär traditionell begehrt. Dieses befand sich 1999 auf dem Weg von HDW nach Israel.

Quelle: Frank Behling (Archivbild)

Kiel/Jerusalem. Niels Hansen, 1981 bis 1985 deutscher Botschafter in Israel, erinnert sich in seinem Buch „Aus dem Schatten der Katastrophe“, diese bundesrepublikanische Rüstungshilfe für Israels Armee sei schon seit 1959 mehrfach bekannt geworden. So schrieb der „Spiegel“ 1963: „14 Offiziere und Unteroffiziere der israelischen Armee haben auf der Fla-Waffenschule der Bundesluftwaffe an der Schleswiger Straße in Rendsburg einen etwa sechsmonatigen Lehrgang absolviert.“

Diese Offiziere hätten vor Staatsbesuchen der Vereinigten Arabischen Republik (VAR) sogar versteckt werden müssen. Denn Ägypten und Syrien standen damals Stirn an Stirn mit Israel, das von der BRD noch nicht de jure anerkannt war. Darauf hätte die VAR im Gegenzug mit einer Anerkennung der DDR reagieren können. Das wäre der BRD zutiefst zuwider gewesen.

Gemeinsames Interesse

„Beide Seiten wollten diplomatische Beziehungen am Anfang daher noch nicht“, analysiert Friedensforscher Otfried Nassauer, „vielmehr waren die Bundesrepublik und Israel zwei Staaten, die schnell eine funktionierende Armee aufbauen wollten und entdeckten, dass sie füreinander nützlich sein konnten – am besten, wenn die Zusammenarbeit informell funktionierte und lange geheim blieb.“

Erst als militärische Deals öffentlich bekannt wurden, wurde der Botschafteraustausch ein gangbarer Weg. Der Blick in die Zukunft war schließlich wichtiger als die Vergangenheit: „Das baute nicht nur auf deutschen Schuldgefühlen auf“, so Nassauer.

Frühe U-Boot-Kontakte

Auch weitere militärische Kontakte liefen über Schleswig-Holstein: Ulrich Gabler, schon während des Zweiten Weltkrieges U-Boot-Bauer, wurde 1958 in Lübeck mit der Neuentwicklung deutscher Unterseeboote beauftragt. Schnell entstanden die Klassen 201 bis 206. Erste Bauwerft: HDW in Kiel.

Diese Boote waren begehrt. Der damalige israelische Außenminister Schimon Peres sprach laut Hansen bereits im Juli 1957 vom Erwerb zweier deutscher U-Boote, unterstützt wurde das von Bundes-Verteidigungsminister Franz-Josef-Strauß. Doch Streit um die Bezahlung und Geheimhaltung sorgten dafür, dass HDW nicht für Israel bauen durfte. Stattdessen wollte die BRD zwei U-Boot-Bauten für Israel in England bauen lassen.

Letztendlich passierte das erst Anfang der 1970er, als die sogenannten Gal-U-Boote nach Plänen der deutschen Klasse 206 bei Vickers in Nordengland entstanden. Die Pointe: 2008, am Ende ihrer israelischen Dienstzeit, gingen diese als Anschubfinanzierung für einen neuerlichen U-Boot-Handel aus Israel an HDW in Kiel.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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