25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
„Wir haben nichts zu verbergen“

Innenminister Stefan Studt „Wir haben nichts zu verbergen“

Die Sexualstraftaten gegen junge Frauen im Kieler Stadtteil Wik beschäftigen jetzt die Landespolitik. Auch Innenminister Stefan Studt (SPD) äußerte sich am Dienstag erstmals zu den Vorfällen, die er „sehr ernst“ nehme. Studt versprach, dass die Polizei umfassend und transparent über die Ermittlungen informieren werde.

Voriger Artikel
Land will Kitesurfen eindämmen
Nächster Artikel
Nord-CDU steht hinter Merkel, aber...

Ein nachdenklicher Innenminister: Stefan Studt warnte davor, Zuwanderer unter Generalverdacht zu stellen. Straftaten müssten aber mit aller Entschiedenheit verfolgt werden, „egal aus welchem Umfeld die Täter stammen“.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Fallkonstellationen müssten aber zunächst im Einzelnen geprüft werden, sagte der Innenminister. „Meine klare Botschaft ist: Wir haben nichts zu verbergen.“ Die Führung der Landespolizei habe die Direktionen angewiesen, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. „Egal aus welchem Umfeld die Täter stammen, werden wir dem mit aller Entschiedenheit begegnen.“ In Schleswig-Holstein solle sich jeder Mensch sicher fühlen. „Die Polizei tut ihr Bestes“, sagte Studt.

Auf Transparenz drängt auch Karl-Hermann Rehr, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei: „Es gibt gute Gründe, nicht über einen Ermittlungsstand öffentlich zu spekulieren. Aber es gibt auch Gründe, dass man öffentlich darüber berichtet.“ Polizei sei kein Selbstzweck, „sondern für die Menschen da“.

Parallelen erst auf Nachfrage eingeräumt

Wie berichtet, prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft mögliche Parallelen von drei schweren Sexualstraftaten. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung waren diese bestätigt worden. Im September 2015 soll eine junge Studentin von drei Männern überfallen und missbraucht worden sein. Am vorvergangenen Sonntag konnte eine 20-Jährige durch massive Gegenwehr eine Attacke abwehren. In beiden Fällen sollen die Angreifer „Südländer“ gewesen sein. Die Strafanzeigen von zwei möglichen weiteren Opfern, die von einem Täter-Trio im Dezember im Kieler Stadtgebiet und im Januar in der Wik überfallen worden sein sollen, liegen der Polizei bislang nicht vor.

„Die Vorfälle wie zum Beispiel in der Kieler Wik sind ein neues Phänomen, das ich vorher so auch noch nicht kannte“, sagt Joachim Gutt, stellvertretender Landespolizeidirektor. Glücklicherweise sei die Hemmschwelle in der Bevölkerung zuletzt deutlich gesunken, derartige Vorfälle zu melden. „Die Sensibilität der Bürgerinnen und Bürger ist seit Silvester grundsätzlich deutlich gestiegen.“ Das zeige auch eine Vielzahl von Hinweisen in den vergangenen Tagen.

CDU kritisiert den Innenminister

CDU-Innenpolitiker Axel Bernstein reichten die Erklärungen des Ministers nicht aus. Er fordert, landesweit „Bündnisse für Sicherheit“ einzurichten. „Polizei und Bürger müssen gemeinsam Konzepte zur Sicherheit vor Ort entwickeln“, so der Unions-Politiker. Politik und Polizei müssten die Bürger einbinden, „bevor diese aus Furcht die Dinge selbst in die Hand nehmen“. Gleich ob es sich um Wohnungseinbrüche oder um schwere Sexualstraftaten handele – „die Menschen in diesem Land erwarten, dass die Ordnungsbehörden auf geänderte Sicherheitslagen unverzüglich reagieren“, sagte Bernstein. Entsprechend werde auch niemand Verständnis dafür aufbringen, dass es vier Monate gedauert habe, bis die DNA-Analyse der Spuren aus der Vergewaltigung der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kiel vorgelegen hätten.

Studt warnte, Zuwanderer nicht unter Generalverdacht zu stellen. Für den Januar rechnet das Ministerium mit 2680 neuen Flüchtlingen im Norden. Im Dezember waren es 5129.

Von Bastian Modrow und Christian Hiersemenzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Sexualverbrechen in Kiel
Foto: Birgit Heß, Oberstaatsanwältin in Kiel: „Mit Hilfe des Opfers der Vergewaltigung wurde ein Phantombild erstellt, das demnächst veröffentlicht wird.“

Nach der Reihe schwerer Sexualstraftaten gegen junge Frauen im Kieler Stadtteil Wik sprechen Staatsanwaltschaft, Polizei und Opferschutz von einem neuen Phänomen. Oberstaatsanwältin Birgit Heß bestätigte am Montag, zwei Opfer hätten in Vernehmungen bei der Polizei ausgesagt, von drei Tätern angegriffen worden zu sein.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3