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Die Spur führt zu Wolfgang Kubicki

Insa-Umfrage Die Spur führt zu Wolfgang Kubicki

Alles eine große Intrige? Der frühere Spitzenkandidat und Parteichef der CDU, Ingbert Liebing, wundert sich über die Umstände, unter denen jüngst seine miserablen Umfrageergebnisse veröffentlicht wurden.

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Informierte Wolfgang Kubicki (FDP) das Nachrichtenmagazin „Focus“ über die schlechten Umfrageergebnisse von CDU-Chef Ingbert Liebing? Der zurückgetretene Spitzenkandidat der Union wittert eine Intrige.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Spur führt zu Wolfgang Kubicki, dem Fraktionschef der FDP. Aber der Reihe nach. Wie erst in dieser Woche herauskam, hatte sich die FDP-Landespartei vom 6. bis zum 14. Oktober an einer repräsentativen Umfrage des Insa-Instituts beteiligt: mit drei Fragen zu jeweils 900 Euro. Die Partei wollte zu wahlinternen Zwecken den Bekanntheitsgrad von Schleswig-Holsteins Politikern wissen, welche Kompetenz man den Personen jeweils zuschreibt – und wer Ministerpräsident werden soll. Während Liebing in allen drei Punkten schlecht abschnitt, landete Kubicki sowohl bei Kompetenz (68 Prozent) als auch Bekanntheit (93 Prozent) auf Platz eins und kam in der zentralen MP-Frage noch auf 21 Prozent. Für Amtsinhaber Torsten Albig (SPD) hatten sich 38 Prozent ausgesprochen, für CDU-Herausforderer Liebing gerade mal neun.

 „Diese Geschichte rundet mein Bild ab“, sagt Liebing jetzt. „Sie wirft auf Kubicki kein gutes Licht.“ Am 2. November hatte das „Hamburger Abendblatt“ eine Insa-Projektmanagerin zitiert, die zwar einräumte, dass an der Umfrage zwei Auftraggeber beteiligt gewesen seien. Die Frage nach den Persönlichkeitswerten der Spitzenkandidaten sei aber vom Nachrichtenmagazin „Focus“ gestellt und bezahlt worden. Liebing: „Es ist nachvollziehbar, dass sich Kubicki über seine Werte freut und darüber redet. Aber warum stellt er nicht richtig, dass nicht der ,Focus’, sondern die FDP der Auftraggeber war?“

Focus legte mit Daten nach

 Am 19. Oktober hatte zunächst die „ Bild“ ihren Teil der Umfrage veröffentlicht. Darin war es um die Parteien gegangen und darum, dass im Land keine Wechselstimmung herrscht. Dann aber legte „ Focus-Online“ am Dienstag, 25. Oktober, kurz vor 17 Uhr mit den FDP-Ergebnissen nach. Woher hatte die Münchner Redaktion diese Daten? Im Kieler Landeshaus erzählt man sich diese Variante: Kubicki selbst soll das brisante Ergebnis dem „Focus“ zur Verfügung gestellt haben. Fakt ist, dass das „Flensburger Tageblatt“ am Mittwochmorgen mit der Schlagzeile „ Umfrage-Desaster für CDU-Spitzenkandidat Liebing“ aufmachte. Die für diesen Morgen von Liebing geplante Pressekonferenz zur Energiepolitik geriet zum Flop.

 Liebing bestreitet, dass die Umfrage direkten Einfluss auf seine einsame Entscheidung zwei Tage später hatte. „Ich wiederhole: Ich bin nicht wegen der Umfrage zurückgetreten, sondern deshalb, weil ich zur Erkenntnis kam, dass ich mit meiner Arbeit nicht die Wirkung erzielt habe, die meinen Ansprüchen gerecht wird und der CDU zu einer optimalen Ausgangslage bei der Landtagswahl gereicht.“ Allerdings habe er aus seiner Partei danach auch nicht das nötige Maß an Unterstützung bekommen.

FDP: Absurde Legendenbildung

 Bei der FDP spricht man von „absurder Legendenbildung“ – vor allem innerhalb der CDU. Ja, man habe sich über Kubickis positive Werte und den „Focus“-Bericht „sehr gefreut“. Das Onlineportal hatte ganz im Sinne der Liberalen getitelt: „Bürger finden Kubicki kompetenter als Albig“. FDP-Sprecher Klaus Weber wies jedoch jegliche Einflussnahme zurück. Die Idee, politische Mitbewerber könnten über das Spitzenpersonal der CDU mitbestimmen, sei bereits überraschend. Aber: „Mehr als überraschend war für uns die Ahnungslosigkeit der CDU-Spitze in dieser Frage.“ Im Kieler Landeshaus ist es ein offenes Geheimnis, dass Kubicki seit Jahren gute Kontakte in die Union hat. CDU-Fraktionschef und Liebing-Nachfolger Daniel Günther bleibt dabei: „Ich kannte die Umfrage nicht und war davon überrascht.“ Dann zuckt er die Achseln. „Wie die FDP ihre Umfragen veröffentlicht, tangiert mich überhaupt nicht.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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