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70 Prozent der Flüchtlinge ohne Berufsausbildung

Integration 70 Prozent der Flüchtlinge ohne Berufsausbildung

Die weitaus meisten Flüchtlinge in Schleswig-Holstein sind nur schwach qualifiziert: Gut 70 Prozent der Zuwanderer aus den Kriegs- und Krisenländern haben keine abgeschlossene Berufsausbildung nach deutschem Standard. Lediglich acht Prozent sind Akademiker, und nur weitere acht Prozent haben einen berufsqualifizierenden Abschluss.

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Die Sprache ist bei der Ausbildung von Zuwanderern oft das größte Hemmnis.

Quelle: Patrick Pleul

Kiel. Zu diesem Ergebnis kommen Stichproben und Teilerhebungen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das gesamte Bundesgebiet zusammengefasst hat, die nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur aber auf Schleswig-Holstein übertragbar sind. Das Jobcenter Kiel berichtet für die Landeshauptstadt sogar von bis zu 80 Prozent Zuwanderern ohne anerkannte Berufsausbildung.

 Von einer „im Durchschnitt schwachen“ Qualifikation der Migranten spricht auch Matthias Lücke, Flüchtlingsexperte beim Kieler Institut für Weltwirtschaft: „Zuwanderer aus Krisenstaaten wie Syrien, Irak oder Afghanistan können weniger zur Lösung unseres Fachkräfteproblems beitragen, als mancher erwartet haben mag.“ Die Nachfrage nach Arbeitsplätzen mit geringer Qualifikationsanforderung werde sich absehbar deutlich erhöhen. Vor diesem Hintergrund warnt Lücke vor einer Erhöhung des Mindestlohnes: „Das passt nicht zu dem Ziel, möglichst viele Menschen mit geringem Bildungsniveau in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

 Obwohl als Folge des EU-Abkommens mit der Türkei zuletzt deutlich weniger Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen sind, ist die Ausländerarbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. So waren landesweit Ende April rund 2800 Syrer arbeitslos, dreimal so viele wie im gleichen Monat des Vorjahres.

 Arbeitsmarktexperten warnen jedoch vor Pauschalurteilen: „Auch wenn rund 70 Prozent der Flüchtlinge keine berufliche Qualifikation nach unseren Standards haben, kann man nicht pauschal von ‚Ungelernten‘ sprechen“, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord in Kiel. Entscheidend sei, die Erfahrungen der Zuwanderer gemeinsam mit den Betrieben in praktischen Erprobungen herauszufinden: „Hier müssen wir neue Wege gehen, indem wir diese Kenntnisse und Fähigkeiten auch über ein Zertifikat formal bestätigen.“ Genaue Zahlen zum Bildungsniveau der Zuwanderer in Schleswig-Holstein sollen im Juli vorliegen. Für Hamburg gibt es sie bereits. Danach haben von 12900 akzeptierten Asylbewerbern in der Kartei der Jobcenter 11400 keine abgeschlossene Berufsausbildung – eine Quote von 88 Prozent.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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