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Habeck wirbt für Bio-Produkte

Interview Habeck wirbt für Bio-Produkte

Der niedrige Milchpreis setzt den Bauern in Schleswig-Holstein zu. Wenn sich die Absatzsituation nicht ändert, werden kleinere, aber auch moderne Höfe aufgeben müssen, die gerade investiert haben. Für Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) steht weiterhin die Nachhaltigkeit der Milchproduktion im Vordergrund.

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Im Kuhstall: Landwirtschaftsminister Habeck.

Quelle: Patrick Nawe

Kiel. Wäre eine Drosselung der Milchproduktion sinnvoll, um den Milchpreis wieder zu stabilisieren?

Die Entwicklung des Milchpreises treibt mich seit langem um. Schon vor dem Wegfall der Quote konnte man die vielen Neubauten in Schleswig-Holstein sehen. Seit ein paar Jahren haben wir 10000 Kühe pro Jahr mehr im Land. Ich habe das Thema schon vor Jahren mit den Verbänden diskutiert, vor der Entwicklung gewarnt und mit meinen Amtskollegen der grün mitregierten Länder Vorschläge gemacht. Aber der Bauernverband und viele Milchviehbetriebe haben auf Expansion gesetzt. Der Markt sollte es richten – jetzt richtet er. Sicherlich wäre eine Marktentlastung aktuell sinnvoll, aber staatliche Instrumente zur Mengenbegrenzung haben wir ja gerade aufgegeben. Und die Molkereien haben mit Blick auf das Quotenende keine eigene Mengenbegrenzung oder -steuerung etabliert. Kurzfristig ist die Einführung neuer staatlicher Mengensteuerungsinstrumente für den Krisenfall politisch nicht durchsetzbar, deshalb sollten sich Maßnahmen vorrangig auf die Sicherung der Liquidität der Milchviehbetriebe konzentrieren, damit sie die Krise auf dem Milchmarkt ohne Strukturbrüche überstehen.

Was raten Sie Milchbauern?

Offensichtlich gibt es derzeit zu viel Milch auf dem Markt und die Betriebe sind sehr leistungsstarke Milchproduzenten. Weniger Milch würde jetzt natürlich helfen, den Markt zu entlasten, nicht nur in Schleswig-Holstein. Alternative Vermarktungswege wie Direktvermarktung sind aus meiner Sicht geeignete Alternativen, um sich von der Tretmühle des konventionellen Milchmarktes abzukoppeln.

Was kann die Politik gegen den Preisdruck der Discounter unternehmen?

Milch darf kein Ramschprodukt sein. Appelle an den Lebensmitteleinzelhandel alleine reichen aber nicht: Die Milcherzeuger müssen ihre Verhandlungspositionen in Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften gegenüber dem Handel verbessern, zudem müssen die Kartellbehörden weitere wettbewerbsschädliche Konzentrationen im Lebensmitteleinzelhandel möglichst verhindern.

Wäre es nicht sinnvoll, verstärkt auf die Produktion von Bio-Milch zu setzen, die aufgrund starker Nachfrage sogar importiert werden muss?

Der Bio-Milchmarkt trotzt den schwachen Tendenzen am Milchmarkt. Für Bio-Milch gibt es eine riesige Nachfrage und stabile Preise, die deutlich über dem liegen, was man für konventionelle Milch ausgezahlt bekommt – bis zum Doppelten des konventionellen Preises. Wenn man überlegt, umzustellen, dann jetzt! Wir fördern das ja auch.

Der Bauernverband kritisiert die Belastung der Milchbauern mit regulativen Maßnahmen und Vorschriften, die zum Teil kostspielige Investitionen nach sich ziehen. Zu Recht?

Das ist ein Dauervorwurf, der doch aber überhaupt nicht hilft. Die Bauern sollen gut von der Milch leben können. Wichtig ist aber auch, dass wir nachhaltig Milch erzeugen, im Einklang mit der Umwelt und dem Tier. Das erfordert nun mal Regeln. Der permanenten Erhöhung der Milchmenge sind auch aus Umweltgründen und wegen des Tierwohls Grenzen gesetzt. Hier sind Politik und die Akteure in der Milchwirtschaft gefordert, gemeinsam Lösungen zu finden und genau zu schauen, wie die berechtigen gesellschaftlichen Ziele und die einzelbetrieblichen Erfordernisse austariert werden können.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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