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Journalist nimmt Petry in die Mangel

Interview bei "Conflict Zone" Journalist nimmt Petry in die Mangel

Ganz so hartnäckig hat sich die AfD-Chefin ein Interview mit der Deutschen Welle in der Sendung "Conflict Zone" vielleicht nicht vorgestellt. Der Journalist und Interviewer Tim Sebastian ließ sich von ihren ausweichenden Antworten nicht irritieren und blieb unbeeindruckt.

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Journalist Tim Sebastian und AfD-Chefin Frauke Petry bei "Conflict Zone".

Quelle: Screenshot/ Youtube

Leipzig. Einmal in der Woche strahlt die Deutsche Welle die Sendung "Conflict Zone" aus. Der britische Journalist Tim Sebastian führt ein etwa halbstündiges politisches Interview. In der vergangenen Woche saß er der AfD-Chefin Frauke Petry gegenüber. Die Themen Flüchtlinge, Pegida und die AfD standen im Mittelpunkt des Gesprächs. Geführt wurde das Interview auf Englisch. Frauke Petry wird diese halbe Stunde so schnell wohl nicht wieder vergessen, denn Sebastian nahm die eigentlich sonst so schlagfertige AfD-Chefin richtig in die Mangel.

"Sie haben nicht gefordert in die Luft zu schießen"

Gleich zu Beginn greift der Journalist Petrys Äußerung zum Gebrauch von Schusswaffen an der Grenzen auf und fragt, ob sie stolz darauf sei. Petry streitet ab, versucht zu relativieren, bezieht sich auf das deutsche Grundgesetz. "Es gibt einen Unterschied zwischen dem Einsatz von Waffen und dem Einsatz von Waffen gegen Menschen". Etwas erstaunt schaut Sebastian sie an. "Aber sie haben nicht gesagt, 'schießen sie in die Luft'? Oder?"

Sehen Sie hier das ganze Interview auf Youtube:

Langsam wird auch Frauke Petry klar, dass dies keine entspannte halbe Stunde für sie wird. Ihr Gesicht wird immer ernster. Vor einer konkreten Antwort, versucht sie sich trotzdem zu drücken. Das entgeht dem Journalisten nicht. Die Ausweichmanöver Petrys kommentiert er sofort: "Sie wollen keine konkreten Antworten geben." Petry umschifft die Antworten weiter und versucht dem Journalisten zu sagen, was er falsch macht. "Wenn Ihr Ziel ist zu verstehen, was die AfD ist, sollten wir uns nicht nur auf diesen einen Punkt konzentrieren". Etwas resigniert aber auch sichtlich amüsiert stellt Sebastian fest: "Ich habe versucht, eine direkte Antwort aus Ihnen herauszubekommen, aber ich habe es nicht geschafft."

"Wir reden hier nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen"

Durchatmen kann Petry danach allerdings nicht. Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde. Sebastian konfrontiert sie mit der Äußerung des Partei-Vize Alexander Gauland, der sagte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Danach stellt er ihr die Frage: "Ist Ihre Kultur so verletzlich und so empfindlich, dass sie durch ankommende Menschen zerstört werden wird, die eine andere Religion haben oder sich anders kleiden oder eine andere Religion ausüben?" Die gebürtige Dresdnerin rechtfertigt sich daraufhin mit einem holprigen Vergleich und sagt." Wenn ich nach Frankreich fahre, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie da ist und ich akzeptiere sie – sei es in Form von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder in Form von Gesetzen." Fast schon etwas fassungslos antwortet dann der Journalist. "Wir sprechen nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen, wir sprechen darüber, eine Kultur zu unterdrücken, um die andere zu stärken." Wieder ein Punkt für den Briten. 

"Das ist es, was eine freie Presse macht"

Dann wählt Sebastian Pegida als nächstes Thema. Nach einem Zitat des Innenministers von Nordrhein-Westfalen, der die Köpfe der Bewegung einmal als "Neonazis in Nadelstreifen" bezeichnete, fragt er Petry: "Sind Sie glücklich damit, glücklich, dem zugehörig zu sein?" Keine Antwort. Schließlich versucht die AfD-Chefin das Gespräch wieder auf die Themen zu lenken, über die sie sprechen möchte. Sie merkt an, dass der Journalist sie besser dazu befragen solle, wie die AfD deutsche und europäische Politik verändern will. Sebastian sieht sich genötigt, ihr die Aufgabe eines Journalisten zu erklären. "Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut." Der Satz hat gesessen. 

Ein Abgang ohne Verabschiedung

Am Ende des Interviews beschwert sich Petry. Es würden in fast allen Interviews immer nur die Kleinigkeiten angesprochen. Der Journalist stellt daraufhin fest: "Sie fühlen sich hart angegangen, oder?" Und setzt nach. "Sie haben eine sehr gute Beschreibung abgegeben, was ihre Partei ist" und bedankt sich schließlich für das Gespräch.Frauke Petry, die im Schnellschritt den Raum verlässt, schüttelt nicht einmal die Hand zum Abschied. Die Anspannung ist ihr ins Gesicht geschrieben und passt zum Rest des Interviews. So könnten politische Interviews auch gerne wieder im deutschen Fernsehen sein. 

Reaktionen auf das Interview im Netz

Hier finden Sie einige Reaktionen auf Twitter zu dem Petry-Interview.


 





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