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Ein Museum für die Hanse

Lübeck Ein Museum für die Hanse

Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet am Mittwoch in Lübeck das neue Europäische Hansemuseum. Das Haus bildet eine Verbindung vom historischen Hafen an der Untertrave zum ehemaligen Burgkloster in der nördlichen Altstadt und zeigt eine nachgebaute Verkaufshalle in Brügge, einen Umschlagplatz für Stockfisch in Bergen und den Lübecker Münzschatz.

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So sahen sie aus, die Kaufleute der Hanse: Eine Installation zeigt historische Kaufmannskostüme.

Quelle: dpa

Lübeck. Die Hanse sei damals für Europa das gewesen, was die Europäische Union heute ist, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).

Die Türen öffnen sich automatisch, eine Brücke gibt den Blick frei auf das, was darunter liegt. Mehrere Jahrhunderte Lübecker Geschichte, von Archäologen gefunden im Burghügel. Ein Granitsteinring, eine Klostermauer aus dem 14. Jahrhundert – per Fahrstuhl geht es hinunter in die einzelnen Schichten der Hansestadt. Moderne Projektionen zeigen, was aus welchem Jahrhundert stammt. Weiter geht es an die Newa, die nachgebaute Szenerie aus dem Jahr 1193 steht in starkem Kontrast zur leicht psychedelischen Musik und zu den interaktiven Tafeln. Das Museum wolle die Besucher einerseits „unterhaltsam belehren“, sagte Museumsdirektorin Lisa Kosok, die im April vom Hamburg Museum nach Lübeck kam. Andererseits würde das anspruchsvolle Publikum hier originale Objekte wie in herkömmlichen Museen finden. Erwartet werden rund 130000 Besucher pro Jahr.

Die Gäste sind eingeladen, sich mit Hilfe neuer Medien einen Rundgang aktiv selbst zusammenzustellen. Dazu können sie auch die Geschichte ihrer eigenen Stadt und deren Beziehung zur Hanse erkunden. Ein „Hanse-Labor“ soll der Forschung dienen. Das Museum verstehe sich nicht als Ergebnis, sondern als Anstoß für die Auseinandersetzung mit der Hanse, sagte Architekt Andreas Heller. Und gerade das mache den Reiz des Museums aus: „Dass wir die Besucher auf radikal unterschiedliche Weise ansprechen – intellektuell und emotional.“

Emotional, so zeigte sich auch Bürgermeister Bernd Saxe gestern vor rund 60 Pressevertretern: „Sie sehen einen zufriedenen, glücklichen und überaus dankbaren Bürgermeister.“ Schließlich passiere es nicht alle Tage, dass eine Stadt ein solches Geschenk bekomme. Ein 50-Millionen-Euro-Geschenk übrigens, denn wie Renate Menken, Chefin der Possehl-Stiftung, sagte, haben sich die Kosten fürs Hansemuseum von ursprünglich 25 Millionen Euro fast verdoppelt. Was zum einen an dem schwierigen Baugrund, zum anderen an konzeptionellen Änderungen gelegen habe. Zudem seien, so Heller, durch „die unglaubliche Begeisterungsfähigkeit der Possehl-Stiftung“ immer weitere Schritte gegangen worden. „Ende gut, alles gut“, freute sich auch Helmuth Pfeifer, ehemaliger Chef der Possehl-Stiftung, über den Höhepunkt einer Geschichte, die 2004 begann.

Glücklich war gestern übrigens nicht nur der Bürgermeister. Lisa Kosok hatte in ihren ersten fünf Arbeitstagen stattliche 54 Bewerbungsgespräche geführt. Alles ist neu, das Team ist frisch, „es gibt keine eingefahrenen Wege“ – ein Vorteil, wie sie findet. „Mit einem solchen Team kann man als Museumsdirektorin nur glücklich sein. Das ist wie ein Sechser im Lotto.“ Das Europäische Hansemuseum sei, so Kosok, in der Lage, sich „mit seinen neuen Formaten zu einem Ort zu entwickeln, der Austausch ermöglicht“.

Allein im Vorfeld gab es einen regen Austausch – 30 Fachwissenschaftler haben zum Entstehen des Hansemuseums beigetragen, mit Lübecker und europäischen Museen war man ebenfalls im Gespräch. Dass heute die Bundeskanzlerin um 14 Uhr das Europäische Hansemuseum eröffnet, führt Bürgermeister Saxe auf zwei Faktoren zurück: Der freiwillige Zusammenschluss von Kaufleuten im Mittelalter sei europäische Geschichte und damit auch ein Stück EU-Geschichte. Seiner Meinung nach kommt die Kanzlerin auch, weil sich in der Schenkung der Stiftung an die Stadt auch „hanseatischer Bürgergeist“ zeige.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)