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Häckel setzt auf Realpolitik

Neuer Bürgermeister der Gemeinde Sylt Häckel setzt auf Realpolitik

Nun zieht Männerpower in der Gemeinde Sylt ein, hieß es nach dem Wahlsieg von Nikolas Häckel. Er ließ die einstige CSU-Rebellin Gabriele Pauli hinter sich. Jetzt steht nüchterner politischer Alltag an - und eine für neue Amtsträger typische Handlung.

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Nikolas Häckel ist seit Donnerstag im Amt.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Sylt. Welche Wünsche er hat, als neuer Bürgermeister der Gemeinde Sylt? „Wünsche kann ich mir nicht leisten“, sagt Nikolas Häckel nüchtern, und das passt dazu, wie der bundesweit diskutierte Wahlkampf um das Amt auf der Promiinsel im Januar geendet hat. Keine Glamourlösung mit Ex-CSU-Rebellin Gabriele Pauli, sondern den von Sylt stammenden Bauamtsleiter aus Kronshagen bei Kiel wollten die Wähler. Am Donnerstagabend wurde der 41-Jährige in einer Sitzung der Gemeindevertretung Sylt vereidigt. Nun warten viele Themen auf ihn. Der Wohnraummangel, die Unterbringung von Asylbewerbern, die Haushaltssituation — die Probleme sind vielfältig und die Situation weniger rosig, als man es von der „Insel der Reichen und Schönen“ erwartet.

„Die Rücklagen sind weitestgehend aufgebraucht“, stellt Häckel kurz vor seiner Vereidigung fest. „Wie kriegen wir als Insel geschlossen den Haushalt 2016 auf den Weg?“ Darum müsse es gehen, wolle man die Rücklagenreste nicht „verfrühstücken“, sagt der 41-Jährige. „Ich verbiete mir jede Träumerei.“ Seit geraumer Zeit arbeitet er sich in die Themen ein, im engen Kontakt mit der amtierenden Bürgermeisterin Petra Reiber, bei der er einst als Auszubildender das Verwaltungshandwerk lernte. Ein Nachhausekommen sei das, findet Häckel, der im Wahlkampf als „Sylter für Sylt“ für sich warb.

Das Thema Asyl sieht er bereits gut angegangen, das Personal sei aufgestockt worden, ein Workshop für ehrenamtliches Engagement geplant. Dennoch findet Häckel auch Worte der Kritik: Die Sammelunterkünfte leiteten der Gemeinde die Asylbewerber immer schneller zu. „Ich vermisse ganz deutlich die Unterstützung des Landes.“ Die Gemeinden müssten mit dem Problem der Unterbringung umgehen, seien aber nicht mehr so finanzstark. „Wir brauchen Entlastung.“ Dabei ist Häckel eines auf der ohnehin unter Wohnraummangel leidenden Insel wichtig: „Es darf kein Konkurrenzdenken geben.“ Es handele sich um zwei verschiedene Komplexe. Die der Gemeinde zugeteilten Flüchtlinge müssten untergebracht werden, ohne mit der Frage nach Dauerwohnraum für Insulaner „in Konkurrenz zu treten“.

Ein weiteres Thema, das Häckel beschäftigt, ist die Erreichbarkeit der Insel mit dem Autozug. Nachdem das Kölner Unternehmen RDC Deutschland bei der Vergabe langfristiger Fahrkapazitäten den Betreiber des Sylt-Shuttles, die Deutsche Bahn, ausgestochen hatte, herrscht Unsicherheit über die künftige Anbindung. Zum Beginn des Weihnachtstourismus Ende 2015 stehe die Insel vor einer unsicheren Lösung, beklagt Häckel.

Dazu kommt der Ausbau der A7. „Wir können unseren Gästen nichts sagen, das macht uns ängstlich“, gibt der 41-Jährige zu. Wer als Gast den Urlaub plane und dann höre, es sei unklar, wo es Fahrkarten gibt, wo der Zug zu erreichen ist, der sei verunsichert. Eine klare Situation zu den bekannten Konditionen und zum bekannten Rhythmus - das wünscht Häckel sich. Zum Fahrplanwechsel werde man aber eine „erträgliche Situation“ haben, glaubt er.

Und was wird er selbst mitnehmen beim Bürowechsel von Kronshagen nach Sylt? Zwei Ölbilder einer Kronshagener Künstlerin, verrät der neue Bürgermeister. Eines zeige ein Rapsfeld, das andere die stürmische See — Ruhe, aber auch raue Winde, genau das erwartet Häckel von den nächsten Jahren.

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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