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Altes bewahren, Neues gestalten

Geld für die Uni Kiel Altes bewahren, Neues gestalten

Was in den Bibliotheken der Hochschulen in Regalen lagert, sind zum Teil kostbare Schätze. Um dieses historische, vom Zerfall bedrohte Schriftgut zu erhalten, übergab Staatssekretär Rolf Fischer (SPD) an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) am Donnerstag Förderbescheide.

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Elke Wischermann (links) und Anja Pistor-Hatam zeigen Rolf Fischer einen historischen Schatz: den Bibelkommentar „Nicol De Lyra“ von 1481.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Land wolle gemeinsam mit den Hochschulen nicht nur „Altes bewahren, sondern auch Neues gestalten“. Er kündigte an, die Open-Access-Strategie (offener Zugang) angesichts der zunehmenden Digitalisierung von Forschung und Lehre ebenfalls voranzutreiben.

Gerade in wissenschaftlichen Bibliotheken scheint die Zukunft des gedruckten Wissens ungewiss. Doch der Bewilligungsbescheid über 96 000 Euro, den Rolf Fischer in der Unibibliothek an Direktorin Dr. Else Wischermann und CAU-Vizepräsidentin Prof. Anja Pistor-Hatam überreichte, löste große Freude aus. „Ohne das Original sehen zu können, geht nichts“, hob Historikerin Pistor-Hatam hervor.

Zum fünften Mal hintereinander gibt das Wissenschaftsministerium Geld, vor allem um Bücher zu entsäuern. Ohne diese Förderung könne die Uni die Sondersammlung Skandinavien, die national und international genutzt werde, nicht schnell genug sichern, ist Wischermann überzeugt. 20 000 Bände wurden bereits entsäuert, bis 2018 sollen alle rund 36 800 Bände aus den Jahren 1850 bis 1970 behandelt worden sein. Die Entsäuerung ist notwendig, da seit der industriellen Revolution vermehrt auf qualitativ schlechtem Papier gedruckt wurde, das heute von Zerfall bedroht ist. Bedroht sind aber auch Handschriften aus dem 18. Jahrhundert, die kleine Geschichten, etwa über Hochzeiten, Jubiläen oder Todesfälle, festhielten. Bücher, die Fischer, der eine Bibliotheksausbildung durchlaufen hat, als „Familienschmuck“ bezeichnet, mit großer Bedeutung auch für die Identität des Landes.

Andere vom Land geförderte Projekte befassen sich mit der Digitalisierung von mehr als 2000 alten Kieler Dissertationen oder mit der Restaurierung wertvoller Emblembücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. 17 000 Euro gehen an die Kieler Fachhochschule, um die ebenfalls von Säure bedrohten Monographien aus den Jahren 1850 bis 1945 der Sammlung Schiff- und Maschinenbau zu retten.

Wissen auf Papier bleibt zwar gefragt. Aber „die digitale Welt mit virtuellem Campus oder E-Learning hat die Hochschulen erreicht. Darauf müssen wir reagieren, wenn wir nicht bundesweit zurückfallen wollen“, sagte Fischer und verwies auf die im November 2014 vorgestellte Open-Access-Initiative. Durch den freien Zugang zu Studien hofft das Wissenschaftsministerium, den Turbo bei der Forschung einschalten zu können. Das Ziel: Forschungsergebnisse aus den heimischen Hochschulen schneller publik zu machen, indem die Wissenschaftler ihre Entdeckungen zeitnah im Internet veröffentlichen und nicht erst Jahre später in Fachzeitschriften. Auch hier gibt es Unterstützung. Um ein Internetportal aufzubauen, will das Ministerium ebenfalls fast 100 000 Euro noch in diesem Jahr zur Verfügung stellen. 2016 sollen die ersten Publikationen online stehen. Mehrere Arbeitsgruppen, denen auch der stellvertretende Unibibliotheksleiter Rainer Horrelt angehört, sind bereits dabei, unter anderem rechtliche Fragen zu klären, einen Publikationsfonds und einen Dokumentenserver wie in Sachsen einzurichten. „Wir sind weit vorn“, findet Horrelt.

Unibibliothek wurde 1665 gegründet

Die Kieler Unibibliothek verfügt derzeit über einen Gesamtbestand von 4,64 Millionen Bänden. Sie hält rund 6100 Zeitschriften in gedruckter Form vor. Darüber hinaus besteht Zugang zu rund 33 700 elektronischen Zeitschriften und 21 000 E-Book-Titeln. Die Bibliothek wurde 1665 gleichzeitig mit der Universität eingerichtet. Als Gründungsbestand erhielt sie durch Verfügung des Gottorfer Herzogs Christian Albrecht die Handschriften und Drucke des um 1566 aufgelösten Augustinerchorherren-Stiftes in Bordesholm, die noch heute den ältesten Bestand ausmachen. Mit rund 40 000 Bänden zählte sie Ende des 18. Jahrhunderts bereits zu den bedeutenderen Bibliotheken Deutschlands.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Schleswig-Holstein gehört als Wissenschaftsstandort mit seiner 0pen-Access-Initiative bundesweit zu den Vorreitern. Ähnliche Vorstöße für freien Zugang zu Daten, Studien und Forschungsentdeckungen gibt es bisher nur in Sachsen und in Baden-Württemberg.

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