12 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Milliardenstreit um neue Marine-Korvetten

Zu teuer? Milliardenstreit um neue Marine-Korvetten

Um den Bau von fünf neuen Korvetten ist ein heftiger Streit zwischen den Werften und dem Verteidigungsministerium entbrannt. Ob die fünf Schiffe wie geplant noch vor der Bundestagswahl bestellt werden und ab 2019 in Fahrt gehen können, steht in den Sternen.

Voriger Artikel
Torsten Albig will wieder heiraten
Nächster Artikel
Richter zweifeln Zulässigkeit an

Die Korvette „Braunschweig“ vom Typ K130.

Quelle: Frank Behling

Kiel/Berlin. Auslöser ist die jetzt bekannt gewordene Preisforderung der zur Abgabe des Angebots aufgeforderten Werften TKMS (Kiel) und Lürssen (Bremen).

Sie wollen die fünf Schiffe des Typs K130 zum Preis von 2,9 Milliarden Euro bauen. Das geht laut „Handelsblatt“ aus dem Angebot hervor, das zum 31. März fristgerecht abgegeben wurde. Die verantwortliche Verteidigungs-Staatssekretärin Katrin Suder soll das Angebot nach kurzer Prüfung erbost abgelehnt haben. Von Selbstbedienungsmentalität der deutschen Werftindustrie sei die Rede gewesen, ist aus dem Umfeld der Ministeriums zu hören. „1,5 Milliarden Euro sind für die Lieferung von fünf Korvetten in den Haushalt eingestellt“, bestätigt ein Ministeriumssprecher. Die ersten fünf 2002 bis 2009 gebauten Korvetten des Typs K130 hatten rund 1,1 Milliarden Euro gekostet. Etwa 400 Millionen Euro waren als Preissteigerung in die Kalkulation eingepreist – jedoch keine 1,8 Milliarden.

TKMS und Lürssen sollen jetzt noch einmal neu kalkulieren und dabei trotzdem die Qualität sicherstellen. Zu Details des Verfahrens machte das Ministerium am Donnerstag auf Nachfrage keine Angaben. Auch die betroffenen Konzerne gingen in Deckung. Vor dem Hintergrund eines laufenden Verfahrens könne man leider dazu keine Fragen beantworten, hieß es nahezu gleichlautend aus beiden Konzernzentralen.

Inzwischen gibt es auch Streit unter den Schiffbauern. Der Grund dafür ist der Plan, die fünf Neubauten auf die Werftstandorte von Lürssen und TKMS in Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern aufzuteilen. Die Kieler German Naval Yards (Nobiskrug-Holding) hatte zwar ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen, wurde aber abgelehnt. „Wir könnten die Korvetten schneller, preisgünstiger und in einer besseren Qualität bauen. Das haben wir unter Beweis gestellt“, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Kieler Werft auf Nachfrage. Aktuell hat die Werft vier vergleichbare Korvetten für die israelische Marine im Auftragsbestand. Die knapp 90 Meter langen Korvetten kosten pro Stück knapp über 100 Millionen Euro – allerdings ohne Bewaffnung. Bei der Auftragsvergabe durch das Ministerium sollte die Kieler Werft bislang außen vor bleiben, da German Naval Yards beim Bau der ersten fünf Korvetten nicht zur Arbeitsgemeinschaft gehörte. Die Werft wurde erst 2009 gegründet.

Am Freitag erwartet die Kieler Marine Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu einem Kurzbesuch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

Als die Werften Lürssen und TKMS kürzlich ihr Angebot beim Verteidigungsministerium einreichten, stand da eine Summe von 2,9 Milliarden Euro drunter. Nein, nicht für fünf große Fregatten oder U-Boote. Es handelt sich um ein Angebot zum Bau von fünf kleinen Korvetten, jeweils nicht mal 90 Meter lang.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3