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Vier Tage lang UN-Diplomat sein

Model United Nations Vier Tage lang UN-Diplomat sein

Eritrea, Marokko oder Togo: Viele wüssten wahrscheinlich nicht einmal, wo diese Länder liegen. Die 430 jungen Teilnehmer der „Model United Nations“-Simulation hingegen wissen nicht nur, wo diese Länder liegen, sondern auch, welche politischen Ziele sie verfolgen.

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Zum elften Mal ist die UN-Simulation Gast im Landeshaus. 430 Schüler und Studenten stellen eine Konferenz der Vereinten Nationen nach.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Seit Donnerstag bevölkern die politikinteressierten Schüler und Studenten das Landeshaus in Kiel, um zum elften Mal eine Konferenz der Vereinten Nationen nachzustellen. Sie legen ihre Identität ab und werden zu Vertretern eines Landes, der Presse oder einer Nichtregierungsorganisation. In Konferenzen, Debatten oder Arbeitskreisen vertreten sie konsequent die Meinung „ihres“ Staates und erleben, wie internationale Politik funktioniert. „Wir sind gut im Zeitplan“, sagt Maren Neumann (17), die Frankreich in der Generalversammlung vertritt, „wir haben bereits ausführlich über unser Thema ,Jugend lebt mit Zukunft – mit Wissen die Welt gestalten’ diskutiert und ein Arbeitspapier erstellt, aus dem später eine Resolution werden soll.“

 Ihre Diplomatenkollegin Hannah Kristen (20), die Eritrea vertritt, nimmt das Thema „Wissen“ besonders wörtlich. Die angehende Englisch- und Wipo-Lehrerin hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Ich will meinen Schülern die UN später gut erklären können. Es ist nämlich unglaublich kompliziert, und ich glaube nicht, dass es an der Schule verständlich genug vermittelt wird.“ Trumps Sieg bei der US-Wahl und die rechtspopulistischen Strömungen in Europa treiben erste Sorgenfalten auf die Stirn der Studentin. Gerade deshalb, so die 20-Jährige, müsse man etwas dagegen setzen: „Ich lebe in einem Land, in dem ich selbstbestimmt ausziehen und studieren kann. Das ist ein großes Privileg, das nicht jede Frau hat.“ Kristen will sich dafür einsetzen, dass das weiterhin so bleibt und sich auch in anderen Ländern durchsetzt. Sie kann nur schwer nachvollziehen, dass sich viele Gleichaltrige kaum für Politik interessieren: „Schließlich bestimmt sie uns bis in unser kleinstes Lebensfeld.“ Das Planspiel sieht sie als gute Chance, um andere neugierig zu machen: „Natürlich sind hier nur Schüler vertreten, die ein großes Interesse an Politik haben, aber wenn sie von der Konferenz berichten, stecken sie andere Mitschüler womöglich mit ihrer Begeisterung an.“

 Denn bei den Nachwuchsdiplomaten gibt es von Politikverdrossenheit keine Spur. Im Gegenteil. „Gerade bei der derzeitigen weltpolitischen Lage ist es wichtig, zusammenzuarbeiten“, sagt Niels Hansen (18) von der Ricarda-Huch-Schule. Dabei ist dem Kieler bewusst, dass die Arbeit in der internationalen Organisation alles andere als leicht ist: „Die UN sind ein gutes Beispiel dafür, wann Demokratie schwierig wird. Je mehr unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, desto größer ist die Herausforderung, alle unter einen Hut zu bekommen.“ In der Konferenz vertritt der 18-Jährige Marokko: „Es ist eines dieser Mittelländer zwischen Afrika und Europa, das den Kontrast zwischen beiden Kontinenten besonders deutlich macht.“

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