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Regierung plant 500 weitere Stellen für Inklusion

Landtag Regierung plant 500 weitere Stellen für Inklusion

Die Regierung folgt dem Experten: Noch einmal 500 Stellen sollen im Norden her, um die Inklusion an den Schulen besser zu bewältigen. Die Umsetzung wird nicht nur wegen der Mehrkosten ein Problem - Sonderpädagogen sind rar.

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Noch einmal 500 Stellen sollen im Norden her, um die Inklusion an den Schulen besser zu bewältigen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)

Kiel. Bei der Inklusion ist Schleswig-Holstein in Deutschland ein Vorreiter, aber aus Expertensicht reicht das Personal nicht. Für den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung braucht das Land nach Berechnungen des Erziehungswissenschaftlers Prof. Klaus Klemm knapp 500 zusätzliche Stellen. Dem will die Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW auch folgen.

Der Bedarf solle in der nächsten Wahlperiode gedeckt werden, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Montag in Kiel. In diesem Ziel sei sich die Landesregierung einig. Dafür werden über 20 Millionen Euro benötigt. Je Lehrer werden 50 000 Euro veranschlagt. Es gehe aber nicht nur um Sonderpädagogen, sondern auch um Erzieher und Schulassistenten, sagte Ernst.

Derzeit besetzen Klemm zufolge im Hinblick auf Schüler mit Förderbedarf Lehrer 82 Prozent von knapp 2900 Vollzeitstellen an allgemeinen Schulen (12 000 Schüler mit Förderbedarf) und Förderzentren (5000 Schüler). Diese Relation zum weiteren Fachpersonal hält Klemm für angemessener als den nur 40-Prozent-Anteil von Lehrern in Hamburg. Auf eine anzustrebende künftige Quotenverteilung in Schleswig-Holstein zwischen Lehrern und weiterem Personal wollten sich Ernst und Klemm nicht festlegen.

Die höchste Inklusionsrate

Ein gravierendes Problem besteht darin, dass nicht ausreichend Sonderpädagogen verfügbar sind. Mit neuen Kursen will die Regierung gegensteuern. Die Ministerin lässt auch prüfen, ob in die Sonderpädagogik auch Absolventen von Fachhochschulen einbezogen werden können. Die Studienplätze in Flensburg wurden schon aufgestockt. Zu Finanzierung des Stellenmehrbedarfs in den nächsten Jahren verwies Ernst auf 60 Millionen Euro, die in der mittelfristigen Finanzplanung für eine Bildungsoffensive vorgesehen und noch nicht konkretisiert seien. In den Haushaltsplänen für das Schuljahr 2017/2018 sind bereits 50 zusätzliche Stellen für Sonderpädagogen veranschlagt.

Zwei Drittel aller Schüler mit Förderbedarf lernen in Schleswig-Holstein gemeinsam mit Mädchen und Jungen ohne Behinderung. Das ist die höchste Inklusionsquote aller deutschen Flächenländer. Der Norden hatte bereits vor 25 Jahren begonnen, Regelschulen für Schüler mit Behinderungen zu öffnen.

Aus Sicht der Lehrergewerkschaf GEW sieht es mit der Ausstattung für die sonderpädagogische Förderung in den Schulen im Norden mau aus. Gemessen an Klemms Berechnungen würden mehr Sonderschullehrer benötigt. Schulassistentinnen seien keine Sonderschullehrer, sagte GEW-Landeschefin Astrid Henke. Stellen für Schulassistentinnen seien in den Grundschulen als Unterstützung für alle Kinder geschaffen worden und nicht als Ersatz für Sonderschullehrer.

Kritik von der Opposition

Kritik kam auch aus der CDU. „Die notwendigen Personalbedarfe alleine mithilfe von Erziehern, Schulassistenten und einer Zusatzausbildung in Sonderpädagogik zu decken ­ so wie es die Landesregierung vorhat ­ wird den Anforderungen der Inklusion nicht gerecht“, sagte die Bildungspolitikerin Heike Franzen.

Die Inklusion in den Schulen brauche mehr Ressourcen und speziell mehr Förderlehrer, sagte die Grüne Anke Erdmann. Das Nachsteuern werde aber nur Schritt für Schritt gehen, weil es kaum noch unbeschäftigte Förderlehrer gebe.

Der Personalbedarf sei nicht überraschend, meinte die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. „Eigentlich ist es beschämend, dass diese Landesregierung stolze zwei Jahre benötigt hat, um zu erkennen, dass ihre Verpflichtung zur Inklusion auch mehr Personal benötigt.“

dpa

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