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Kinderschutzbund fordert mehr Hilfe für junge Flüchtlinge

Norden Kinderschutzbund fordert mehr Hilfe für junge Flüchtlinge

Der Amoklauf eines 17-jährigen Afghanen in Würzburg hat das Problem der unbegleiteten Flüchtlingskinder und -jugendlichen in den Fokus gerückt. Auch in Schleswig-Holstein ist die Betreuung der mehr als 2000 Minderjährigen eine Herausforderung. Irene Johns prangert das Fehlen von Angeboten an.

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Irene Johns kritisiert das Fehlen von Angeboten für die Kinder.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Es fehlen neben dem Zugang zu fremdsprachiger Therapie besonders Angebote zur kurzfristigen Beratung, Entlastung und Stabilisierung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen“, sagt Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes.

 Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen warnt seit Monaten, dass vor allem jugendliche Flüchtlinge, die allein nach Deutschland gekommen seien, „eine leichte Beute für Islamisten sein könnten“. Ein Problem, das nach Ansicht von Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP, von Bund und Land bisher unterschätzt worden ist. „Insofern offenbart nicht erst das Attentat von Würzburg, dass entwichene minderjährige Flüchtlinge auch ein Sicherheitsrisiko darstellen“, so Kubicki. Die Landesregierung müsse Sorge dafür tragen, minderjährige Flüchtlinge besser vor Radikalisierung zu schützen. „Noch dringender ist aber, dass die Sicherheitsbehörden wieder die Kontrolle darüber erlangen, wo sich diese zumindest potenziell gefährdeten minderjährigen Flüchtlinge im Land aufhalten“, so Kubicki.

 Laut Sozialministerium leben zurzeit 2068 junge Flüchtlinge im Norden. Beim Landeskriminalamt sind 371 minderjährige Zuwanderer als vermisst gemeldet. „In den meisten Fällen gehen wir davon aus, dass die Kinder und Jugendlichen weitergereist sind“, sagt Uwe Keller vom LKA. Schleswig-Holstein sei ein Transitland, so der Behördensprecher. Ein unhaltbarer Zustand, kritisiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther: „Schleswig-Holstein muss im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen mehr tun.“ Neben der Ungewissheit, wo sie sich aufhalten, gebe es einen weiteren entscheidenden Faktor: „Von vielen weiß niemand, ob und wie stark sie traumatisiert sind.“

 Laut Kinderschutzbund hätten alle „schwierige, zum großen Teil traumatische Erfahrungen in ihrem Herkunftsland und auf der Flucht gemacht“, so Landes-Chefin Johns. Zwar würden nicht alle eine therapeutische Unterstützung benötigen, es sei aber eine Intervention durch pädagogische Fachkräfte notwendig. Um den Bedarf zu decken, müssten Fortbildungen für Pädagogen in Einrichtungen und Wohngruppen angeboten werden. „Wir sind auf dem Weg, diese Ansprüche politisch und fachlich durch- und umzusetzen“, sagt Johns. Gestern befasste sich auch der Landtag damit, wie sich Gewalt durch Amokläufer und religiöse Fanatiker abwenden lässt.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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