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Eltern verlieren die Geduld

Kita-Streik Eltern verlieren die Geduld

Seit dem 8. Mai streiken die Beschäftigten in den kommunalen Kindergärten Schleswig-Holsteins für mehr Lohn. Die Gewerkschaft Verdi droht mit einer Verlängerung bis zu den Sommerferien – doch viele Eltern sind schon jetzt am Limit.

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 Eltern demonstrierten gestern in Hamburg für weitere Verhandlungen im Kita-Streik.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Kiel. Der Streik werde auf dem Rücken von Eltern und Kindern ausgetragen, kritisiert die Landeselternvertretung der Kitas im Norden (LEV). Auch immer mehr Politiker drängen auf ein Streik-Ende. Wer sein Kind nicht wochenlang in einer Notbetreuung oder bei den Großeltern unterbringen kann, opfert seinen Jahresurlaub, arbeitet zu Hause – und bangt im schlimmsten Fall sogar um seinen Arbeitsplatz. „Als Eltern tragen wir die Forderung nach einer längst überfälligen Aufwertung des Erzieherberufes zwar mit“, sagt die LEV-Vorsitzende Judith Wiederhold. „Unter dem aktuellen Streik leiden jedoch allein die Kinder und Eltern, nicht aber die kommunalen Arbeitgeber, an die sich dieser Streik richtet.“ Von der Arbeitgeberseite erwarte die Elternvertretung daher die „uneingeschränkte Einsatzbereitschaft“ für eine tragfähige Lösung.

In der dritten Streikwoche spüren nach Angaben des Unternehmerverbandes Nord (UV) auch die Betriebe die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. „Viele Beschäftigte versuchen, die Betreuungsnot mit Urlaub oder Heimarbeit zu lösen“, bestätigt Ingo Scheuse, Geschäftsführer des UV Kiel. „Dabei kommen die Ferien ja erst noch.“ Juristisch gebe es bislang keine Probleme. „Wenn möglich, reagieren die Unternehmen flexibel und familienfreundlich.“

Doch wie lange noch? Die Gewerkschaften Verdi, Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Beamtenbund (dbb) wollen die Streiks fortsetzen, bis ein „verhandelbares Angebot“ vorliegt. Sie fordern eine höhere Eingruppierung und eine Neuregelung der Tätigkeitsmerkmale für bundesweit rund 240000 Beschäftigte in Sozial- und Erziehungsberufen. Damit würden sich die Gehälter um durchschnittlich zehn Prozent erhöhen.

„Die Erzieher verdienen für ihre wichtige Arbeit Anerkennung und eine leistungsgerechte Bezahlung“, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. „Je länger der aktuelle Streik dauert, desto mehr belastet er jedoch auch die Eltern.“ Ziel müsse jetzt sein, einen fairen Kompromiss zu erarbeiten, damit die Kinder schon bald wieder in ihre Kitas zurückkehren können.“ SPD-Landeschef Ralf Stegner wünscht sich eine „baldige Lösung durch die Tarifpartner, damit die Betreuung sichergestellt ist und nicht die Kinder die Leidtragenden sind“. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki fordert die kommunalen Arbeitgeberverbände auf, sich auf ein Schlichtungsverfahren zu einigen. Katja Rathje-Hoffmann (CDU) spricht von einer schweren Belastung für berufstätige Eltern. Sie fordert die Kommunen auf, streikbedingte Einsparungen bei den Personalkosten an die Eltern zurückzugeben.

Von Carola Jeschke und Patrick Tiede

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Über den Beruf der Erzieher ist inzwischen eigentlich alles gesagt. Ja, Erzieher machen einen großartigen Job. Ja, Erzieher sollten für diese wichtige und anspruchsvolle Arbeit angemessen bezahlt werden. Nicht umsonst waren die Sympathien der Eltern mit ihnen, als sie vor mehr als zwei Wochen die Kitas schlossen und auf die Straße gingen. Doch jetzt befinden wir uns in Woche drei eines unbefristeten Kita-Streiks.

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