18 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Rund 140 Menschen suchten Rat

Antidiskriminierungsstelle Rund 140 Menschen suchten Rat

Die Antidiskriminierungsstelle hat Zulauf: 139 Menschen haben sich seit 2013 an sie gewandt. Sie fühlten sich wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder einer Behinderung benachteiligt.

Voriger Artikel
Karlsruhe: Vorerst keine Entscheidung
Nächster Artikel
Personen, Inhalte und Personalien bei Grünen-Parteitag in Lübeck

Samiah El Samadon vermutet, dass es eine wesentlich höher Dunkelziffer an Diskriminierungen im Land gibt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ein dunkelhäutiges Mädchen erhält im Bus kein Schülerticket. Die Begründung des Busfahrers: „Neger müssen eben mehr zahlen.“ Einem deutschen Staatsbürger irakischer Herkunft wird zweimal wegen seines ausländischen Aussehens der Eintritt in eine Großraumdisco verwehrt. Einer Schwangeren ist die Teilnahme an einer Fortbildung nach Bekanntgabe der Schwangerschaft nachträglich gestrichen worden. Diese Beispiele sind drei von insgesamt 139 Fällen, mit denen sich die Antidiskriminierungsstelle des Landes Schleswig-Holstein seit Aufnahme ihrer Tätigkeit Anfang 2013 beschäftigen musste.

Die Leiterin der Stelle, Samiah El Samadoni, geht davon aus, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer von Diskriminierungen am Arbeitsplatz und im Alltag gibt. Vielen Bürgern seien ihre Rechte nicht bekannt, um sich gegen Benachteiligungen wehren zu können, sagte sie am Donnerstag bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2013/14.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das die Grundlage für die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle bildet, ist laut El Samadoni noch weitgehend unbekannt. In vielen Unternehmen sei das AGG kein Thema, schon Stellenanzeigen seien oft nicht diskriminierungsfrei formuliert, die Arbeitnehmer von ihren Chefs nicht ausreichend über ihre Rechte informiert worden.

Und auch außerhalb des Arbeitslebens gebe es immer noch viel Unwissenheit. So argumentierten Diskothekenbesitzer gerne mit dem Hausrecht, „aber das Hausrecht muss sich den Gesetzen unterordnen“, machte die Juristin El Samadoni deutlich. Das bedeutet: Man darf Betrunkenen den Eintritt verwehren oder einen Anzug als Dresscode vorschreiben. Jemanden wegen seiner Hautfarbe abzulehnen, gehe nicht.

El Samodoni setzt unter anderem auf Informationsveranstaltungen und Vorträge, um noch mehr Bürger zu erreichen und die Gesellschaft insgesamt zu sensibilisieren. Etwa bekannter geworden ist die Arbeit der Stelle in den zwei Jahren ihres Bestehens bereits, wenn man das an der Zahl der Eingaben messen kann: 2013 wandten sich 44 Menschen an die Stelle, 2014 waren es 95. Nicht bei allen sei allerdings das seit 2006 geltende AGG anwendbar gewesen, da nur subjektiv ein Gefühl des Diskriminierung vorlag, sagte El Samadoni. Diese Menschen seien auf andere Möglichkeiten und Hilfsangebote hingewiesen worden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel