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Kondolenzbücher liegen aus

Zum Tod von Helmut Schmidt Kondolenzbücher liegen aus

Der Tod von Helmut Schmidt hat in Deutschland und der Welt Betroffenheit ausgelöst. In Berlin, Hamburg und Kiel liegen Kondolenzbücher aus. Nun soll geklärt werden, wie des Altkanzlers gedacht werden soll — und wo. Sein Leichnam ist am Mittwoch aus seinem Haus in Hamburg-Langenhorn gebracht worden.

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Hamburg trauert um Altkanzler Schmidt

Deutschland trauert um Altkanzler Helmut Schmidt.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Am Tag nach dem Tod von Helmut Schmidt haben sich Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin in ein Kondolenzbuch eingetragen und damit ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. Vor einem Ölbild des Altkanzlers schrieb am Mittwochmorgen auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) einige Zeilen in das im Kanzleramt ausgelegte schwarze Buch. Im Hamburger Rathaus haben sich am Mittwoch zahlreiche Hamburger in ein Kondolenzbuch für den gestorbenen Altkanzler Helmut Schmidt eingetragen. Hunderte standen am Vormittag im Nieselregen noch Schlange. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank verfassten in der Rathausdiele die ersten Einträge.

„Die Freie und Hansestadt Hamburg wird ihrem Lotsen stets ein ehrendes Andenken bereiten“, schrieb Veit in das Buch. Fegebank trug sich mit den Worten „Die Welt verliert eine Stimme der Vernunft, unsere Stadt einen geliebten Sohn“, in das Buch ein. Vor einem schwarz gerahmten Porträt des am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben Altkanzlers hielten beide anschließend kurz inne. Ein großer Strauß aus Gladiolen, Rosen und anderen Blumen stand dort für Helmut Schmidt.

Viele Hamburger hatten zuvor auf dem Arbeitsweg vor dem Rathaus an Schmidt erinnert. Ein Krankenpfleger machte nach der Nachtschicht extra noch einen Umweg und hielt am Rathaus-Eingang kurz inne. „Früher habe ich wegen des Nato-Doppelbeschlusses gegen ihn demonstriert, doch seine Treue zur Stadt habe ich immer bewundert“, sagte der 51-jährige Matthias Krüger. „Er wohnte in einem einfachen Haus in soweit es ging normalen Umständen“, sagte Krüger, der sich noch in das Buch eintragen wollte.

"Nicht ausgesessen, sondern gehandelt"

Alex Traumann hat auf dem Weg zur Arbeit dem Hanseaten Schmidt gedacht. „Als Dankeschön für einen Mann der Tat“ unterschrieb der 41-jährige in dem Buch. Vor den noch am Morgen in der Rathausdiele aufgehängten schwarzen Stoffbahnen sagte der Kameramann: „Ob seine Entscheidung die Bundeswehr bei der Sturmflut 1962 im Innern einzusetzen oder seine Haltung bei der Landshut-Entführung in Mogadischu, er hat die Dinge nicht ausgesessen, sondern gehandelt.“

Der wuselige Rathausmarkt war am Mittwoch vom Gedenken an Helmut Schmidt ebenfalls geprägt — trotz Handwerkern, die Buden für den Weihnachtsmarkt aufbauten. Die große Deutschlandfahne halbmast, auf Plakaten vor dem Rathaus wünschten die Hamburger Schmidt unter anderem: „Mach's gut, Helmut. Und grüß Loki.“ Auch ein Päckchen Mentholzigaretten wurde neben Blumen und Kerzen abgelegt.

Auch persönlich ist der Staatsmann Schmidt und seine 2010 gestorbene Ehefrau Loki vielen Hamburgern noch im Gedächtnis. „Die Menschlichkeit der beiden werde ich vermissen“, sagte die 70-jährige Krankenschwester Renate Faber. „Das Ehepaar prägte die hanseatische Mentalität wie kein anderer. Die beiden waren ein Gottesgeschenk“, sagte Faber. Eine Putzfrau, die am Rathausmarkt arbeitet, sagte: „Man kannte ihn nicht, aber es war, als sei ein Freund gegangen.“ Am Dienstag habe sie nach der Nachricht des Todes erst mal ihre Schwester anrufen müssen.

Kondolenzbuch liegt in Kiel aus

Auch Schleswig-Holstein trauert um Helmut Schmidt: Nach dem Tod des Altbundeskanzlers liegt ab Mittwochnachmittag im Landeshaus in Kiel, Düsternbrooker Weg 70, ein Kondolenzbuch aus. Die Landesregierung möchte damit den Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit geben, ihrer Trauer zum Tod des ersten Ehrenbürgers Schleswig-Holsteins Ausdruck zu verleihen. Ministerpräsident Torsten Albig und Landtagspräsident Klaus Schlie werden sich dort um 13.15 Uhr eintragen. Zusätzlich hat die Landesregierung im Internet ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet, in dem sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können. Es ist ab 13.00 Uhr freigeschaltet unter www.schleswig-holstein.de/Kondolenzbuch

Innenminister Stefan Studt hat Halbmastbeflaggung der Dienstgebäude aller Behörden und Dienststellen des Landes angeordnet. Den Kreisen, Gemeinden und Ämtern und den Körperschaften ohne Gebietshoheit, rechtsfähigen Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Landes unterstehen, wird empfohlen, sich der Trauerbeflaggung anzuschließen.

Hier sehen Sie Bilder aus dem Leben Helmut Schmidts.

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Einen Tag nach dem Tod von Altkanzler Helmut Schmidt beginnen am Mittwoch die Planungen für die Trauerfeierlichkeiten. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ soll der SPD-Politiker in zwei bis drei Wochen bei einem Staatsakt in Hamburg gewürdigt werden.

Die „Welt“ schrieb in ihrer Online-Ausgabe, neben einer Trauerfeier in der Kirche St. Michaelis sei ein Empfang für geladene Gäste im Hamburger Rathaus geplant. Das Blatt berief sich auf nicht genannte Quellen im Rathaus. Das habe sich Schmidt so gewünscht. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. „Heute ist nicht die Zeit, sich zu den konkreten Planungen für die Trauerfeierlichkeiten zu äußern“, sagte ein Senatssprecher am Dienstagabend.

Schmidt starb am Dienstag zu Hause in Hamburg mit 96 Jahren im Kreis seiner Familie. Führende deutsche und europäische Politiker würdigten den Sozialdemokraten als eine der prägendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte. „In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundeskanzler, hat Helmut Schmidt Großes geleistet“, schrieb Gauck an Schmidts Tochter Susanne Kennedy-Schmidt. Merkel nannte Schmidt, der zwischen 1974 und 1982 regiert hatte, eine „politische Institution der Bundesrepublik“.

„Er ist sehr, sehr friedlich gestorben“, sagte Schmidts Leibarzt Prof. Heiner Greten. Der Altkanzler war Anfang September in Hamburg wegen eines Blutgerinnsels am Bein operiert worden. Nach gut zwei Wochen verließ er auf eigenen Wunsch das Krankenhaus und kehrte in sein Haus in Hamburg-Langenhorn zurück, wo er rund um die Uhr betreut wurde. In den vergangenen Tagen hatte sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert.

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Helmut Schmidt
Foto: Helmut Schmidt stellte am 11.08.1978 sein neues kleines Segelboot vor, das ihm der kanadische Ministerpräsident Pierre Trudeau geschenkt hatte.

Helmut Schmidt und Schleswig-Holstein, das war immer eine enge Beziehung. Der Einsatz des früheren Hamburger Innensenators bei der großen Sturmflut 1962 ist vielen Älteren in lebhafter Erinnerung. Noch mehr aber hat sich der Brahmsee als Sinnbild für diese Verbindung im Bewusstsein der Menschen eingeprägt.

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