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Konzerne legen Förderpläne zu den Akten

Öl und Erdgas Konzerne legen Förderpläne zu den Akten

In Schleswig-Holstein verfallen immer mehr Förderlizenzen für Erdöl und Erdgas. Nach Angaben des Landes-Umweltministeriums ist von einst 13 Projekten (ohne Wattenmeer) nur noch eines aktuell, und zwar das Bewilligungsfeld Schwedeneck-See.

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Umweltminister Robert Habeck, Vorsitzender der Grünen Landtagsfraktion

Quelle: Ulf Dahl

Kiel.  Der Betreiber, die Deutsche Erdoel AG , prüft die Pläne noch, schließt ein Ende des Vorhabens aber nicht aus.

„Die Lage hat sich völlig verändert“, berichtet Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Vor drei Jahren grassierte landesweit die Angst vor Bohrtürmen und Fracking, weil das zuständige niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) im „echten Norden“ insgesamt 15 Lizenzen für Öl und Gas vergeben hatte. Inzwischen haben Förderfirmen wie die kanadische PRD Energy (etwa Prasdorf, Gettorf, Elmshorn) die Segel gestrichen. Andere haben Finanzprobleme, so die norwegische Ölfirma Central Anglia AS. Eine Lizenz (Sterup bei Flensburg) wurde widerrufen, das allerdings noch nicht rechtskräftig. Damit ist fraglich, ob Central-Anträge für weitere Felder (Eckernförde, Waabs, Leezen) eine Chance auf Genehmigung haben.

 Den Rückwärtsgang hat auch die DEA eingelegt. Vier Lizenzen (Plön-Ost, Preetz, Preetz-Restfläche, Warnau) sind bereits vom Tisch. Geprüft wird das Gebiet Schwedeneck-See. „Wir sind noch in der Bewertungsphase, ob wir in dem Feld wirtschaftlich Öl fördern können“, betont DEA-Sprecher Derek Mösche. Eine Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen. „Dabei hat es für uns schon mal positiver ausgesehen.“

 Zu schaffen macht DEA der Landes-Förderzins für Erdöl und Erdgas. Er wurde von der rot-grün-blauen Regierung 2015 auf den maximal möglichen Höchstwert angehoben. Seitdem müssen Firmen 40 Prozent des Öl-Marktwertes an das Land überweisen.

 Trotz der drastischen Anhebung sind die Einnahmen des Landes aus dem Förderzins deutlich gesunken, und zwar von gut 124 Millionen Euro (2014) auf nur noch 76 Millionen Euro (2015). Im laufenden Jahr dürften noch weniger Öl-Millionen fließen. Diese Entwicklung weist auf das Hauptproblem von Energiekonzernen wie DEA hin. Der Ölpreis schwächelt seit Jahren und liegt derzeit nur bei knapp 50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die Ausbeutung kleinerer Felder ist damit ein Minusgeschäft und selbst in Schwedeneck-See, wo 400000 Tonnen Öl vermutet werden, könnte sich eine Förderung am Ende kaum rechnen.

 Rentabel scheint nach wie vor das Öl-Geschäft vor der Westküste zu sein. Die Plattform Mittelplate (Meldorfer Bucht) beutet seit 1987 das größte Ölfeld in Deutschland aus und wird zunehmend durch landseitige Bohrungen ergänzt. Hierauf beziehen sich zwei weitere DEA-Lizenzen. Ein Ende der Ölförderung an der Westküste ist nicht in Sicht. Die Mittelplate-Lizenz läuft noch bis 2041.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Der Rückzug von immer mehr Unternehmen aus der Öl- und Gasförderung in Schleswig-Holstein ist eine gute Nachricht. Angesichts der laufenden Energiewende macht es politisch und ökologisch keinen Sinn, auch noch den letzten Tropfen Öl aus dem Boden zu holen.

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