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Statistik gegen Statistik

Kriminalität im Land Statistik gegen Statistik

Neues politisches Wirrwarr um die Einbruchsstatistik der Polizei: Nach der KN-Veröffentlichung einer offiziellen Halbjahrestatistik ging das Landeskriminalamt am Freitag in die Offensive. Obwohl die Zahlen auf eine Zunahme der Kriminalität schließen lassen, sprach das LKA von „erfreulichen Tendenzen“ und „guten Erfolgen“.

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Ekkehard Klug (FDP): „Weshalb gibt das Innenministerium Zahlen heraus, von denen es hinterher meint, sie seien nicht aussagekräftig?“

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Opposition im Landtag überzeugte das nicht: Die FDP will Innenminister Stefan Studt im Innen- und Rechtsausschuss befragen. Wie berichtet hatten die Liberalen in einer Kleinen Anfrage nach der Entwicklung der Kriminalität im ersten Halbjahr 2016 und gezielt nach der Anzahl der Wohnungseinbrüche gefragt. Schriftlich hatte das Innenministerium in der Antwort von 5037 registrierten Fällen in diesem Deliktsfeld berichtet und darauf hingewiesen, dass es sich um Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS)handelt. Im Vergleich mit der Kriminalitätsstatistik vor einem Jahr, die in den ersten sechs Monaten 4400 Einbrüche auswies, ergab sich eine Steigerung von rund 600 Fällen.

Landespolizeidirektor Ralf Höhs hatte erst Anfang Juli erklärt, dass sich für 2016 ein Rückgang der Einbruchskriminalität abzeichne. An dieser Lesart hielt das Landeskriminalamt auch am Freitag fest. Die PKS-Statistiken könnten „ausschließlich zur Analyse vollständiger Berichtszeiträume (Kalenderjahr) herangezogen werden“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. „Eine unterjährige Interpretation der PKS hat keinerlei Aussagekraft, daher wird die Berichterstattung darüber seitens des LKA auch nicht kommentiert“, erklärte Sprecher Uwe Keller. Grundsätzlich würde sich die Arbeit der Polizei in Schleswig-Holstein auf „aktuelle Lagezahlen“ konzentrieren: Diese sogenannte Eingangsstatistik (siehe Infotext) gewinne zunehmend an Bedeutung, habe aber „keine PKS-vergleichbare Qualität“, so Keller. Nach dieser Statistik sei die Anzahl der Einbrüche und Einbruchsversuche in den ersten sieben Monaten von 4371 im Jahr 2015 auf nunmehr 3985 in 2016 gesunken. Im Juli diesen Jahren wurden mit 347 Einbrüchen 190 Fälle weniger registriert als im Juli 2015. Warum für die Anfrage der FDP-Fraktion trotzdem Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik herangezogen wurden, blieb offen.

Ekkehard Klug ist mehr als irritiert

FDP-Innenpolitiker Ekkehard Klug sparte nicht mit Kritik: „Die Vielfalt der im Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums geführten Statistiken und deren Interpretationsmöglichkeiten sind absolut rekordverdächtig.“ Er fragte: „Weshalb gibt das Innenministerium eigentlich auf eine einfache Frage aus dem Landesparlament Zahlen heraus, von denen es hinterher meint, sie seien nicht aussagekräftig?“ Und weshalb beziehe sich das Ministerium nicht von Anfang an auf die Statistik, die nach seiner Ansicht ein zutreffendes Bild der Entwicklung beschreibt? Auch CDU-Polizeipolitiker Axel Bernstein verlangt Klarheit: „Innenminister Studt muss seinen Zahlendschungel lichten – und am Ende wird bleiben: Der beste Schutz vor professionellen Einbrechern ist eine hohe Aufklärungsquote und die ist nach wie vor erbärmlich.“

Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg bewerten die Aussagekraft der PKS-Halbjahreszahlen übrigens komplett anders als das Innenministerium und das LKA in Schleswig-Holstein. Zuletzt hatte die Landespolizei in Nordrhein-Westfalen ihre Kriminalstatistik des ersten halben Jahres öffentlich vorgestellt, um aktuelle Entwicklungen unter anderem im Bereich der Einbrüche aufzuzeigen. Das Landeskriminalamt in Kiel wollte sich dazu nicht äußern. Die schriftliche Nachfrage, wie sich die PKS-Zahlen im Monat Juli in Schleswig-Holstein entwickelt hätten, blieb unbeantwortet.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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