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Alheit: Kita-Ausbau kommt voran

60 Millionen extra Alheit: Kita-Ausbau kommt voran

Schleswig-Holstein stellt in den kommenden drei Jahren jeweils 20,5 Millionen Euro zusätzlich für die Integration und Betreuung von Flüchtlingskindern zur Verfügung. Das kündigte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) auf Anfrage der Kieler Nachrichten an.

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Kinder ab einem Jahr haben Anspruch auf einen Kita-Platz oder Tagespflege.

Quelle: Uli Deck/dpa

Kiel. Die Mittel stammen aus einem knapp eine Milliarde Euro umfassenden Topf des vom Bundesverfassungsgericht gekippten Betreuungsgeldes. Im September hatten sich Bund und Länder auf einem Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt darauf geeinigt, dieses Geld für den Ausbau von Kindergärten sowie Bildungsangebote für Kinder auszugeben.

 „Wir stellen die frei werdenden Mittel – in den kommenden drei Jahren sind es 61,5 Millionen Euro – für den Kita-Ausbau, Sprachförderung und zusätzliches Fachpersonal in den Kommunen bereit“, sagte Alheit. Angesichts des ungebremsten Zustroms von Flüchtlingen gehe es um eine gesellschaftliche Herausforderung, die zu meistern sei. Die Landesregierung habe deshalb kurzfristig reagiert. „Ziel muss es sein, die Kita-Kapazitäten so auszubauen, dass Kinder von Flüchtlingen im Sinne einer erfolgreichen Integration und Sprachförderung betreut werden können. Dabei werden wir die Qualität nicht aus den Augen verlieren.“

 Nach Angaben eines Sprechers stellt das Ministerium bisher für die Sprachbildung in den Betreuungseinrichtungen jedes Jahr vier Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen weitere zwei Millionen Euro für das Programm Sprache und Integration (Sprint) sowie Sprachheilförderung.

Große Anfrage zu Kindertagesstätten und Tagepflege

 Alheit hat in diesen Tagen eine Große Anfrage der CDU-Landtagsfraktion zu Kindertagsstätten und Tagespflege beantwortet. Nach ihren Worten handelt es sich bei dem 109-seitigen Werk um eine der umfangreichsten Bestandsaufnahmen der Vergangenheit. Die Kommunen allerdings, die in der Kindertagesbetreuung eine zentrale Rolle spielen, hatten sich daran nicht beteiligt. Sie ließen das Ministerium im Februar über ihren Landesverband wissen, dass sie dazu weder in der Lage noch rechtlich verpflichtet seien. Das Ministerium beauftragte zur Datenerhebung daraufhin unter anderem die Fachhochschule Kiel, die Uni Bielefeld und die TU Dortmund.

 Die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katja Rathje-Hoffmann (CDU), äußerte sich enttäuscht. „Die mangelhafte Bereitschaft zur Zuarbeit ist aus meiner Sicht auf das zerrüttete Verhältnis zwischen den kommunalen Landesverbänden und der Landesregierung zurückzuführen.“ Auch seien im Bericht die aktuellen Auswirkungen der Flüchtlingskrise nicht enthalten. Gleichwohl lobte die Unions-Abgeordnete die Ankündigung der Ministerin, an die Kitas weiteres Geld auszuschütten. „Es gibt keine SPD- oder CDU-Betreuung“, sagte sie. „Eine bessere Qualität in der Kinderbetreuung ist genau das, was auch wir wollen.“

CDU fragte nach Öffnungszeiten

1723 Kindergärten gab es Anfang März 2014 im Land – 373 in öffentlicher Hand, 1350 in freier Trägerschaft. Sechs Prozent der Einrichtungen haben regelmäßig vor 7 Uhr geöffnet, 88 Prozent bis 14 Uhr, sieben Prozent regelmäßig bis 18 Uhr und 1,5 Prozent noch später. Das Ministerium stützt sich auf eine Zuarbeit der FH Kiel.

 „Wir sind in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Kita-Plätze trotz der angespannten Finanzlage ein riesiges Stück vorangekommen und haben auch in der Betreuungsqualität stark zugelegt“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

 Anfang März besuchten gut 31 Prozent aller Kinder unter drei Jahren eine Einrichtung oder wurden von Tageseltern betreut. Damit erhöhte sich die Betreuungsquote um einen Prozentpunkt. Insgesamt befanden sich fast 21600 Kleinkinder in Kindertagesbetreuung – gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Kinder ab einem Jahr haben Anspruch auf Förderung in Kita oder Tagespflege. Etwaige Gerichtsverfahren sind nach Angaben des Ministeriums nicht anhängig.

Kein Fachkräftemangel bei Erziehern

 Derzeit ist ein Erzieher durchschnittlich 41,5 Jahre alt. Die Sorge, dass in Schleswig-Holsteins Kindergärten ein Fachkräftemangel droht, hat sich nach Berechnungen der Uni Dortmund nicht bestätigt. Zumindest rechnerisch könne man den Bedarf bis 2020 decken, zumal man in den kommenden Jahren weiterhin von hohen Absolventenzahlen ausgehe. Allerdings sei die Lage im Süden des Landes schwieriger.

 Die Norderstedter CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann wies darauf hin, dass pädagogische Fachkräfte vor allem in den Ballungsgebieten „händeringend gesucht“ würden. Das Land solle verstärkt über Kooperationen zwischen Kindergärten und privaten Anbietern nachdenken: Auf diese Weise ließen sich die Betreuungszeiten gerade im ländlichen Raum verbessern. 8,1 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden von Tagesmüttern und -vätern betreut.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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