15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Alheit rechnet mit 2500 minderjährigen Flüchtlingen

Unbegleitete Einreise Alheit rechnet mit 2500 minderjährigen Flüchtlingen

Als Folge des Berliner Flüchtlingsgipfels werden unbegleitete Minderjährige anteilig auf die Länder verteilt. Schleswig-Holstein erwartet in diesem Jahr rund 2500 minderjährige Flüchtlinge. Sozialministerin Kristin Alheit schmiedet ein Unterbringungskonzept.

Voriger Artikel
Balkan-Banden missbrauchen Asylrecht
Nächster Artikel
AfD-Demonstration gegen Flüchtlingspolitik

„Es wird für alle sehr anspruchsvoll, eine angemessene Betreuung zu organisieren, aber wir haben von Seiten des Landes ein Übergangskonzept entwickelt“, sagt Kristin Alheit.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Kiel. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) rechnet dieses Jahr mit insgesamt 2500 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Schleswig-Holstein. „Der Zustrom von unbegleiteten Jugendlichen stellt uns vor eine enorme Herausforderung — nicht nur in Bezug auf die Unterbringung, sondern auch mit Blick auf die Betreuung“, sagte Alheit der Deutschen Presse-Agentur.

Ab 1. November werden nach der auf dem Berliner Flüchtlingsgipfel beschlossenen Gesetzesänderung unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vom Bund auf die Länder verteilt. „Wir müssen uns auf eine weitere Erhöhung der Zahl einstellen“, sagte die Ministerin. Bisher hätten Bayern und die Stadtstaaten überproportionale Lasten getragen.

Im vergangenen Jahr kamen etwa 740 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in den Norden, von denen viele aber auf der Durchreise nach Skandinavien zu Angehörigen waren.

„Es wird für alle sehr anspruchsvoll, eine angemessene Betreuung zu organisieren, aber wir haben von Seiten des Landes ein Übergangskonzept entwickelt“, sagte Alheit. Am Montag startet in Neumünster in einer ehemaligen Polizeistation eine Modell-Einrichtung, die Alheit besucht.

„Die Inobhutnahme für knapp 60 Jugendliche in Neumünster ist eine Premiere“, sagte Alheit. Das Land habe die Liegenschaft gestellt und die Sanierung übernommen, das Haus werde aber unter der Regie der Kommune von einem Träger betrieben. Zuständig bleiben die Kreise. „Die Inobhutnahme gibt uns die Möglichkeit, die Minderjährigen für einige Wochen in getrennten Liegenschaften zu betreuen und die nächsten Schritte zu planen. Dann werden Jugendhilfeeinrichtungen oder Aufnahme-Familien gesucht.“

Weitere Einrichtungen geplant

Es gebe zurzeit Überlegungen gemeinsam mit den Kreisen, weitere solcher Einrichtungen zu eröffnen, zum Beispiel in Lübeck und Kiel, aber auch im Kreis Segeberg, sagte die Ministerin. „Die Gespräche laufen.“ Später könnten die Inobhutnahmestellen in Clearingstellen umgewandelt werden, in denen die Jugendlichen eine bessere Betreuung bekommen und dann weitergeleitet werden.

In den Betreuungseinrichtungen sei „für eine gewisse Übergangszeit“ mit Abweichungen von geltenden Standards zu rechnen, sagte Alheit. Sie meine damit größere Gruppen und mehr Jugendliche pro Betreuer. „Wir entwickeln dazu gerade ein Rahmenkonzept. Ziel muss es aber sein, so schnell wie möglich zu den regulären Standards zurückzukehren.“ Aber anders seien die aktuellen Probleme in den Kommunen angesichts begrenzter Kapazitäten vor Ort und knappen Personals in der regulären Jugendhilfe nicht zu meistern.

Auf die Frage nach der besten Perspektive für minderjährige Flüchtlinge — eine Aufnahmefamilie, Weiterreisen zu Verwandten oder spätere Rückkehr in ihre Heimat? — sagte Alheit: „Das kann für jeden Fall sehr unterschiedlich sein. Eine Familie wäre sicher häufig das Beste.“ Dies werde aber nicht in jedem Fall gelingen. „Wenn es gelingt, die Jugendlichen hier zu integrieren und ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen, profitieren unter dem Strich alle.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3