15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Drohungen, Diebstahl, Schläge

Landeskriminalamt Drohungen, Diebstahl, Schläge

Das Landeskriminalamt erstellt seit Anfang September gezielte Lagebilder zu Flüchtlingen. Obwohl die Fälle in den internen Papieren als „relevante Ereignisse“ bezeichnet werden, haben die Behörden die wenigsten Fälle öffentlich mitgeteilt. Vorwürfe einer gezielten Zurückhaltung von Meldungen weist das Landespolizeiamt zurück.

Voriger Artikel
Gewaltsamer Streit unter Flüchtlingen bei Essensausgabe
Nächster Artikel
Sozialsenatorin: Gewalttäter in Flüchtlingsheimen bestrafen

Zur Koordination der Polizeieinsätze , um die Sicherheit von Flüchtlingen und Bürgern zu gewährleisten, verfasst das LKA spezielle Lageberichte.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.  Auf Nachfrage betont Behördensprecher Matthias Glamann, dass diese Lagebilder nicht die Wirklichkeit widerspiegelten, weil sie noch keiner „Datenqualitätsprüfung“ unterzogen worden seien.

 Unabhängig davon dienen die täglich verfassten Lagebilder, die als „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichnet sind, der Polizei aber bereits seit September dazu, frühzeitig notwendige „Handlungserfordernisse“ für die Sicherheit von Flüchtlingen und der Bevölkerung zu erkennen, wie das Landeskriminalamt betont. Offenkundig kommt es in den Erstaufnahmeeinrichtungen weitaus häufiger zu Konflikten, als bislang von Polizei und Landespolitik öffentlich eingeräumt worden ist. Unserer Zeitung liegen unter anderem Einsatzberichte über Auseinandersetzungen in Rendsburg und Albersdorf vor. Herausragend ist aber ein Bericht über eine „Gefahrenlage“ in der Unterkunft auf dem Lübecker Volksfestplatz, ausgelöst am 30. September vor dem Bürocontainer des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten. Aufgrund längerer Wartezeiten soll es laut LKA-Papier unter den Flüchtlingen zu „tumultartigen Szenen und lautstarken Streitigkeiten“ wegen Vordränglern gekommen sein. Zeitweise sollen 100 bis 150 Personen beteiligt gewesen sein. Neben dem Sicherheitsdienst und Polizeikräften waren auch acht Soldaten der Bundeswehr im Einsatz. Im Fazit des Einsatzberichtes heißt es: „Abschließend muss darauf hingewiesen werden, dass die Lage vor Ort ohne die Kräfte der Bundeswehr nicht zu bewältigen gewesen wäre.“

 In Neumünster musste Anfang Oktober eine Einsatzgruppe der Bereitschaftspolizei aus Eutin anrücken, nachdem es in einer Röntgenpraxis zu Problemen mit Flüchtlingen gekommen war. „In den Fluren und Warteräumen sowie im Treppenhaus befanden sich beim Eintreffen der Polizei zirka 100 Personen. Eine Abarbeitung der Röntgenmaßnahmen so vieler Personen konnte an diesem Tag nicht mehr erfolgen“, heißt es im Protokoll. Und weiter: „Es entstanden Probleme, da sich immer mehr Personen in der Praxis einfanden und die Personen, die nicht mehr geröntgt werden konnten und sich bereits in der Praxis aufhielten, diese nicht verlassen wollten.“

 Wegen Bedrohung musste die Polizei in einer Kieler Augenarztpraxis anrücken. Ein 31-Jähriger, der seinen zwei Jahre alten Sohn zur Behandlung begleitete, beschimpfte eine Medizinerin als „unrein“. Als die Ärztin die Behandlung abbrach, soll der Mann angekündigt haben, sich zu überlegen, wie er der 53-Jährigen schaden könne. In Timmendorfer Strand wurden drei aus dem Kosovo stammende Männer beim Versuch, aus einem Geschäft eine 600 Euro teure Hose zu stehlen, von der Polizei erwischt. Für große Aufmerksamkeit sorgte eine Körperverletzung in Lübeck: „Ein afghanischer Staatsangehöriger schlug in der Innenstadt seine ihm lediglich nach muslimischen Recht angetraute Frau mehrfach ins Gesicht.“ Passanten schritten ein und alarmierten die Polizei.

 733 Straftaten mit „Flüchtlingsrelevanz“ zählte das LKA im Zeitraum vom 1. September bis 20. Oktober. In die Gesamtzahl flossen Straftaten ein, in denen Flüchtlinge entweder Opfer oder Täter waren. Wie viele Straftaten insgesamt in diesem Zeitraum in Schleswig-Holstein angezeigt wurden, konnte das Landeskriminalamt auf Nachfrage „aus technischen Gründen“ nicht sagen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Flüchtlinge
Foto: Stefan Jung vom Landeskriminalamt.

In Schleswig-Holstein hat es in den vergangenen Wochen sehr viel mehr Einsätze der Polizei im Zusammenhang mit Flüchtlingen gegeben, als bislang öffentlich bekannt geworden ist. Das geht aus internen „Lagebildern Flüchtlingsthematik“ hervor, die den Kieler Nachrichten vorliegen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3