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Tierschutz-Vertrauensmann weiteres Jahr tätig

Landespolitik Tierschutz-Vertrauensmann weiteres Jahr tätig

Landwirtschaftsminister Robert Habeck hat den Vertrag des Vertrauensmannes für Tierschutz um ein Jahr verlängert: Rund 400 Anrufe und knapp 150 Emails hat der im vergangenen Jahr berufene Ombudsmann Prof. Edgar Schallenberger aus der Landwirtschaft erhalten.

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Ein weiteres Jahr Ansprechpartner für Tierschutzfragen: Edgar Schallenbergers (li.) Vertrag wurde von Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verlängert.

Quelle: dpa/Carsten Rehder

Kiel. Ob Tierbeschlagnahmungen oder Schlachthofskandal: Das Thema Tierwohl hat in den vergangenen Jahren landesweit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Als „Vertrauensmann Tierschutz in der Landwirtschaft“ versucht Veterinär und Agrarexperte Prof. Edgar Schallenberger ehrenamtlich frühzeitig Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufzudecken. Mit Erfolg, findet Landwirtschaftsminister Robert Habeck und freute sich, dass Schallenberger „uns ein weiteres Jahr erhalten bleibt“.

Seit einem Jahr steht der emeritierte Professor für Tierhaltung und Tierhygiene als neutraler Ansprechpartner für Landwirte und Bürger zur Verfügung, die Beratung suchen oder konkret Missstände in der Nutztierhaltung melden wollen. Unbehandelte Krankheiten, sterbende Tiere, zu enge Ställe, unsachgemäße Transporte: Edgar Schallenberger hört zu. „Dabei sehe ich mich nicht als Besserwisser, Paragraphenreiter oder Obertierschützer, sondern als jemanden, der seine Fachkenntnisse und seine engen Kontakte zur Landwirtschaft dafür einsetzt, Konflikte zu lösen.“

Rund 400 Anrufe und knapp 150 Mails, etwa 80 Prozent davon aus Schleswig-Holstein, hätten ihn im vergangenen Jahr erreicht, berichtet Schallenberger. „Ich werde aber auch ohne Bedenken direkt auf der Straße angesprochen.“ Bei jedem zweiten Anruf ging es allein um Beratung und Information zu Tierschutz-, Tierwohl- und Verbraucherschutzthemen. „Viele Menschen beschäftigt die Art, wie wir unsere Nutztiere halten. Sie fragen nach Weidegang versus Stallhaltung bei Rindern, nach Schwanzkupieren und der Kastration bei Ferkeln, nach Tiertransporten und Schlachtverfahren.“ Oft seien sie verunsichert und man spüre, dass der Wunsch nach einer landwirtschaftlichen Idylle und die Wirklichkeit nicht zusammenpassen, so der pensionierte Hochschullehrer.

Neben allgemeinen Anfragen kamen aber auch immer wieder Hinweise auf angebliche oder echte Missstände – teils von Bürgern, in den seltensten Fällen von Mitarbeitern. „Ich habe die betroffenen Bauern dann angerufen oder ganz altmodisch Briefe geschrieben“, sagt Schallenberger. Die meisten Landwirte habe er im Anschluss auch besuchen dürfen. „Das wurde mir nahezu überall erlaubt.“ Oft seien die Beschuldigungen jedoch falsch oder überzogen gewesen und hätten „gezeigt, wie vergiftet das Klima teilweise in der Nachbarschaft ist“. Lediglich bei beratungsresistenten Landwirten habe er die Amtsveterinäre informieren müssen.

„Verrottete Stallungen oder zu viele Tiere auf zu wenig Platz sind oft die Spitze eines Tragödienbergs, der sich durch familiäre und finanzielle Probleme oder Überforderung aufgetürmt hat.“ Zerrüttung, ungeklärte Nachfolgeregelungen, Vereinsamung, oft gepaart mit Überschuldung: „Die Tiere mussten leiden, weil die Bauern litten. In solchen Fällen ist eine psychosoziale Beratung gefragt“, sagt Schallenberger und fordert zukünftig „ein mobiles Krisenteam“ aus Freiwilligen. Auch der Minister sieht Handlungsbedarf. „Die Belastung für Landwirte ist teils enorm. Wir wollen sehen, ob Beratungsangebote gestärkt werden müssen, und wenn ja wie. Ziel sollte – wie in jedem Berufsfeld – sein, dass Druck und Überforderung früh erkannt werden“, so Habeck.

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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