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Widersprüchlichkeiten bei Entscheidungen zum Personal?

Beben in der Landespolizei Widersprüchlichkeiten bei Entscheidungen zum Personal?

Misstrauen, Verunsicherung, Unzufriedenheit: Die Gewerkschaften zeichnen ein düsteres Bild von der Stimmung in der Landespolizei. Hinter den Kulissen gärte es wohl schon lange. Die plötzliche Ablösung des Leiters der Eutiner Polizeischule hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

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Ralf Höhs stößt auf Unverständnis: Teile der Belegschaft kritisieren „Widersprüchlichkeiten“ bei Personalentscheidungen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Gründe für das schlechte Klima in der Belegschaft gibt es viele – ein entscheidender ist die Personalpolitik der Behördenleitung und des Innenministeriums. „Es ist häufig nicht nachvollziehbar, was und vor allem warum es passiert“, sagt ein Polizei-Insider. Ein anderer spricht von „Widersprüchlichkeiten“ bei Personalentscheidungen, „die niemand gegenüber der Belegschaft aufklärt“.

Die „Misere“ habe im Frühjahr begonnen, als das Innenministerium die Kieler Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs falscher Abrechnungen einschaltete. Im Fokus: der damalige Dekan der Fachhochschule in Altenholz, Professor Hartmut Brenneisen, und sein Stellvertreter, Prodekan Dirk S.. Das Verfahren läuft bis heute. Die Staatsanwaltschaft hat Strafbefehle gegen beide beantragt, eine Entscheidung des Amtsgerichts in Eckernförde steht aber noch aus, zumal Brenneisens Anwalt Widerspruch eingelegt hat.

Erst Dozent, dann Dekan

 Innerhalb der Landespolizei hat der Fall ein „Erdbeben“ ausgelöst, berichten Führungskräfte. Aus dem Stand hätten neue Top-Leute gefunden werden müssen. Ein Problem für die Landespolizeiführung, kann doch nur jemand Dekan werden, der bereits hauptamtlich als Dozent an der Fachhochschule tätig ist. Ministerium und Behördenleitung trafen im Mai eine Entscheidung: Polizeidirektor Michael Kock wurde nach Altenholz versetzt, „um an der Fachhochschule zu unterrichten“, bestätigt Patrick Tiede vom Innenministerium. „Seit dem 1. August ist Herr Kock neuer Dekan.“

 Jetzt, nach der plötzlichen Ablösung von Jürgen Funk als Leiter der Eutiner Polizeischule, sorgt die Personalie Kock in der Landespolizei für mehr Irritationen als damals im Frühjahr. Kock war nämlich vor seinem Wechsel an die FH der Vize-Chef der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin – „die rechte Hand von Funk“. Es passe nicht zusammen, dass man „den einen loswerden will und den anderen befördert“, wenn doch beide für die Polizeischule verantwortlich waren, die WhatsApp-Affäre und die Fehler bei der Bestenauswahl des Nachwuchses in die Amtszeit beider fallen, heißt es in Polizeikreisen.

Personalie Maren Freyher ist umstritten

 Auch die Personalie Maren Freyher ist nicht unumstritten. Landespolizeidirektor Ralf Höhs hatte die 46-Jährige vergangene Woche als neue stellvertretende Leiterin der Polizeischule vorgestellt. Höhs lobte ausdrücklich ihr Wissen und ihre Fähigkeiten. Freyhers erste Aufgabe soll eine Analyse der Ausbildungskonzepte werden. Sie genieße sein „uneingeschränktes Vertrauen“, so der Landespolizei-Chef. Der Grund für Getuschel hinter den Kulissen ist weniger, dass Freyher die Ehefrau des obersten Kriminalisten im Lande, LKA-Direktor Thorsten Kramer, ist, sondern vielmehr, dass Ministerium und Polizeiführung ihre Entscheidung über Umwege durchsetzen mussten.

 Grundsätzlich gilt auch für Polizei-Führungskräfte, dass bei Neubesetzungen die dienstranghöchsten Bewerber den Zuschlag bekommen. Das ist vergleichbar mit der Bestenauswahl der Nachwuchskräfte. Für den Posten des Vizeschefs der Eutiner Polizeischule hatten sich nach Informationen der Kieler Nachrichten mindestens zwei ranghöhere Bewerber als Frehyer beworben, ein Polizeidirektor und ein Kriminaldirektor. Den Zuschlag bekam mit Maren Freyher dennoch die rangniedrigere Polizeioberrätin.

Auf Nachfrage teilt das Innenministerium mit, dass sich die 46-Jährige als die „am besten geeignete Bewerberin erwiesen“ habe. Freyer sei zudem „bereits Ende Juni auf ihrem bisherigen Dienstposten, vor Abschluss des Stellenbesetzungsverfahrens für die Führungsposition in Eutin und losgelöst von dem nunmehr erfolgten Wechsel“ zur Polizeidirektorin befördert worden – mit Wirkung zum 1. Oktober, so von Ministeriumssprecher Tiede.

Mehr Frauen in Führungspositionen?

 In der Landespolizei zweifeln viele an dieser Darstellung. „Die anderen Bewerber sind weitaus erfahrener und wären definitiv nicht weniger geeignet gewesen“, sagt ein ranghoher Beamter. Er ist überzeugt, dass es den Verantwortlichen um Landespolizeidirektor Ralf Höhs primär darum ging, dem von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) eingeforderten und von der Polizeispitze selbst ausgegebenen Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu installieren, näher zu kommen. Dass die Freyher-Beförderung im Juni und ihre Bewerbung für die seit Mai vakante Vize-Stelle in Eutin in keinem Zusammenhang stehen sollen, halten viele für unglaubwürdig. „Nur beweisen lässt es sich nicht“", sagt ein Beamter.

 Maren Freyher ist übrigens nicht die erste Polizeidirektorin in Schleswig-Holstein, es gibt bereits eine andere: Sie heißt Andrea Funk, ist Abteilungsleiterin der Wasserschutzpolizei – und Ehefrau des abgelösten Leiters der Polizeischule.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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