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Schüler beraten Albigs Kabinett

Flüchtlingspolitik Schüler beraten Albigs Kabinett

Ganz junge „Regierungsberater“ hat sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ins Haus geholt. Zwei Schulstunden lang diskutierten Oberschüler aus Neumünster und Heikendorf am Dienstag mit dem Kabinett darüber, wie Zuwanderer gut in die Gesellschaft integriert werden können.

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Ministerpräsident Torsten Albig hat Schülergruppen der Alexander-von-Humboldt-Schule aus Neumünster und der Heinrich-Heine-Schule aus Heikendorf in die Kabinettssitzung eingeladen. 13 Schülerinnen und Schüler stellten dort ihre Ideen für die Langzeitintegration von Flüchtlingen in SH vor.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das gab es in der Landesgeschichte noch nie: Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat am Dienstag 13 Oberstufenschüler als externe Berater zur Kabinettssitzung begrüßt. In seinem Auftrag hatten die jungen Vertreter der Heinrich-Heine-Schule Heikendorf und der Alexander-von-Humboldt-Schule Neumünster Konzepte zur Integration von Flüchtlingen in Schleswig-Holstein erarbeitet – Lösungsansätze „für Probleme, für die wir keine Blaupausen haben, weil es sie noch nie gab“. Herausgekommen seien „exzellente, sehr praxisorientierte Beiträge“, stellte Albig fest: die Einrichtung von Sprach-Hotspots in Kiel zum Beispiel, die man zusammen mit Cafés und Ehrenamtlern einrichten könnte. Sprachmaterial würde das Land stellen.

Ein einfaches Prinzip

Svenja Sachau (sie will nach dem Abitur Architektur studieren) und Joshua Fechner (er strebt eine duale Ausbildung im Bereich International Business und IT an), Elftklässler aus Neumünster, stellten ein Projekt namens Integree vor – eine Wortschöpfung aus „Integrate Refugees“, zu deutsch „Flüchtlinge integrieren“. Das Prinzip ist bewusst einfach: Dienstleistung wird gegen Dienstleistung getauscht. Ein Flüchtling könnte für jemanden den Rasen mähen oder einkaufen gehen, wofür ihm eine bestimmte Anzahl an Integree-Punkten gutgeschrieben würde. Diese Punkte kann er oder sie zum Beispiel für eine Deutschstunde einlösen, auch bei einem Dritten. Teilnehmer brauchen sich nur im Internet anzumelden, und das System funktioniert nach Vorstellung der Schüler auch mit dem Smartphone, über das fast jeder Flüchtling verfügt.

„Wir denken oft zu hochschwellig. Vielleicht muss man gar nicht studiert haben, um Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten“, überlegte Torsten Albig laut und sprach von einem Vorschlag mit jeder Menge Charme. „Für Integree braucht man einen relativ kleinen Impuls an Technik, um einen noch nicht aktiven Teil unserer Zivilgesellschaft zu erreichen.“ Er wolle das Projekt mit den Ressourcen seiner Staatskanzlei befördern. Besonders freute den Regierungschef, dass in Neumünster bereits Jugendliche aus der Oberstufe jüngeren Schülern die Hintergründe für die aktuelle Fluchtbewegung begreifbar machen. Dieses Prinzip wolle die Regierung auch auf andere Schulen übertragen.

"Ich würde sofort einsteigen"

Nicolas Voß (er will Pilot werden), 19 Jahre und aus Barsbek, berichtete von Patenschaften: Wohngemeinschaften von Deutschen mit Flüchtlingen seien denkbar und Schulpraktika, bei denen jeder Schüler via Internet-Plattform einen Flüchtling an die Hand nimmt, mit ihm Behördenformulare ausfüllen und ihm die deutsche Sprache vermitteln könnte und im Gegenzug „Kontakte zur Welt“ bekommt. Kurz vorm Abi? „Ich würde trotzdem sofort einsteigen. Das macht einfach Spaß.“

Albig hatte die beiden Schülergruppen beim Young Economic Summit in Kiel kennengelernt. Ihm gehe es um die Sichtweisen junger Leute: „Ihr Leben wird durch die aktuellen Vorgänge noch viel mehr verändert, als bei uns Erwachsenen der Fall ist.“ Seine Minister würden die Impulse jetzt weiter bearbeiten.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Christian Hiersemenzel zum Schülerbesuch bei Albig

Ganz beiläufig hat der Ministerpräsident ein heißes Eisen angefasst, und dabei verfolgt Torsten Albig wirklich die allerbesten Absichten: Wenn es beim Umgang mit Flüchtlingen um die Vermittlung von Deutschkenntnissen geht, ist zunächst jeder von uns gefragt, seine natürlichen Kompetenzen als Muttersprachler zur Verfügung zu stellen.

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