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Unmut über Wechsel an HSH-Spitze

Landesregierung Unmut über Wechsel an HSH-Spitze

Im Landeshaus Kiel reagierte am Donnerstag so mancher verstimmt. Am Nachmittag zuvor hatte das „Manager Magazin“ informiert, dass Constantin von Oesterreich (62), Vorstandsvorsitzender der krisengeschüttelten HSH Nordbank, um Auflösung seines bis Oktober 2017 laufenden Vertrags gebeten hatte.

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Der Vorstandsvorsitzende der HSH-Nordbank, Constantin von Oesterreich (rechts), will das Geldinstitut verlassen. Sein Nachfolger könnte der bisherige Finanzvorstand, Stefan Ermisch (li.), werden.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Kiel. Nachfolger solle sein bisheriger Stellvertreter und Finanzvorstand Stefan Ermisch (50) werden. „Es überrascht mich, dass wir – die Eignerländer Schleswig-Holstein und Hamburg – eine solche Entscheidung aus der Presse erfahren“, ärgerte sich Lars Winter, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. „Das ist nicht das erste Mal bei der HSH Nordbank, und das ist schlechter Stil!“ Von Oesterreich werde seiner Verantwortung nicht gerecht, wenn er vorzeitig aussteigen wolle. Abgesehen davon sei dieser Schritt „kein positives Signal an den Markt“.

Im grün geführten Finanzministerium schlug man moderatere Töne an. Nach dem Abschluss des Beihilfeverfahrens in Brüssel und der endgültigen Genehmigung der Wiedererhöhung der Garantie müsse das Geldhaus nunmehr in einer neuen Struktur erfolgreich durch den Privatisierungsprozess geführt werden, stellte Ministerin Monika Heinold in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher fest: „Hierfür ist es erforderlich, die Besetzung des Vorstands über die gesamte Dauer des Veräußerungsverfahrens vertraglich sicherzustellen.“

Es ging wohl um Zahlungen

Nach Informationen des „Manager Magazins“ sollen sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bis zuletzt sogar geweigert haben, von Oesterreich einen formalen Vertrag als Vorstandsvorsitzenden auszustellen. Darüber hinaus habe sich Senator Tschentscher dagegen gewehrt, das Jahresgehalt des Vorstandschefs von bislang 500000 Euro weiter anzuheben, heißt es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Eine Sprecherin des Kieler Finanzministeriums wollte das nicht bestätigen. Man gebe keine detailliertere Auskunft. Sie verwies aber auf den letzten Satz der gemeinsamen Presseerklärung mit Hamburg: Der Aufsichtsrat werde „die im Interesse der Bank und ihrer Anteilseigner erforderlichen Entscheidungen treffen“, heißt es dort vielsagend.

Auch Nachfolger Ermisch muss sich laut „Manager Magazin“ mit 500000 Euro und „unterdurchschnittlichen Pensionszahlungen“ zufriedengeben. Für den Fall einer erfolgreichen Privatisierung sei ein Bonus im Gespräch. Sie gilt in Branchenkreisen allerdings als schwierig. Die EU-Kommission hatte dem Privatisierungsmodell kurz vor Ostern grünes Licht erteilt – verbunden mit der Auflage, die HSH Nordbank bis Ende 2018 entweder zu verkaufen oder abzuwickeln. Mit rund 15 Milliarden Euro aus faulen Schiffskrediten ist das Haus schwer angeschlagen. Schleswig-Holstein und Hamburg wollen davon fünf Milliarden Euro in eine eigene Gesellschaft auslagern, und die Bank selbst will versuchen, schwierige Wertpapiere im Wert von weiteren 3,2 Milliarden möglichst ohne allzu große Verluste abzustoßen. Ob das somit bereinigte Institut dann angemessen verkäuflich ist? Aufsichtsrat und Regierungen geben sich zweckoptimistisch.

Parteivertreter reagieren unterschiedlich

Im Kieler Landeshaus gilt der neue Mann an der Spitze, Stefan Ermisch, als kompetent. Doch unabhängig davon: „Der Abgang von Oesterreichs ist in der aktuellen Situation der HSH Nordbank ein fatales Signal“, stellte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Heiner Garg, fest. „Gerade bei den anstehenden großen Herausforderungen für die Bank wäre eine personelle Kontinuität das beruhigendere Signal gewesen.“ Ähnlich kritisch sieht es Torge Schmidt, Vorsitzender der Piratenfraktion. Personalprobleme seien „das Letzte, was die HSH Nordbank braucht. Aber wer wie von Oesterreich gerne provokante Forderungen an die Eigentümer stellt, muss sich nicht darüber wundern, wenn dies zu Unmut führt“.

Grüne und SSW, aber auch die CDU äußerten sich dagegen gemäßigter. „Natürlich sorgt ein Wechsel an der Spitze zunächst einmal immer für eine gewisse Unruhe“, sagte Unions-Haushaltsexperte Tobias Koch. „Allerdings wird der neue – und bereits intensiv mit der Bank vertraute – Vorstandsvorsitzende nun den kompletten Privatisierungsprozess gestalten können.“ Der Wechsel sei zum jetzigen Zeitpunkt „besser als zu jedem anderen innerhalb der kommenden zwei Jahre“. Der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing kommentierte die Personalie knapp, aber beredt. Der Rückzug von Oesterreichs sei offenbar seine eigene Entscheidung, so Liebing: „Dann ist das so.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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An der Spitze der HSH Nordbank bahnt sich ein Wechsel an. Vorstandssprecher Constantin von Oesterreich hat den Aufsichtsrat um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten, meldete am Mittwoch das „Manager Magazin“. Nachfolger soll sein Stellvertreter und Finanzvorstand Stefan Ermisch werden.

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