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Ingbert Liebing tritt zurück

Landtagswahl 2017 Ingbert Liebing tritt zurück

Ein halbes Jahr vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein hat der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing überraschend den Verzicht auf die Spitzenkandidatur verkündet. Der 53-Jährige zog damit am Freitag die Konsequenz aus schlechten Umfragewerten.

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Nach schlechten Umfrage-Ergebnisse war er unter Druck geraten: Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2017, Ingbert Liebing, hat am Freitag seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Liebing verkündete seine Entscheidung nach einer Sitzung des Landesvorstandes. Als Nachfolger schlug der geschäftsführende Landesvorstand den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Landtag, Daniel Günther (43) vor.

Johann Wadephul stellt sich der Presse.

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Nach der jüngsten Umfrage steht die CDU derzeit nur bei 26 Prozent. Lediglich 9 Prozent sprachen sich für Liebing als künftigen Ministerpräsidenten aus. Der 53-Jährige war erst im Juni mit 92 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt worden. Günther (43) könnte am 19. November auf dem Landesparteitag in Neumünster gewählt werden. Der Landtag wird am 7. Mai nächsten Jahres neu gewählt.

 Eine Viertelstunde ließ Ingbert Liebing am Freitag die Kollegen des geschäftsführenden CDU-Landesvorstands schmoren, bis sich die Glastür im fünften Stock zur Kieler Parteizentrale öffnete und der 53-Jährige lächelnd durch das Spalier aus Mikrofonen und Kameras schritt. Ob er nach der Sitzung noch Spitzenkandidat sein werde? „Lassen Sie mich erst einmal in die Sitzung gehen“, sagte er, bevor sich die Tür hinter ihm schloss. Da waren auch dort drinnen die meisten noch ahnungslos.

Rund zehn Minuten, so war später zu hören, habe der Landesvorsitzende von einem Blatt seine Einschätzung zur ernsten Lage der Nord-CDU vorgetragen. Um dann vollkommen unvermittelt seinen Rückzug von Spitzenkandidatur und Landesvorsitz bekanntzugeben. Irgendwann, als mancher sein Bedauern zum Ausdruck brachte, habe kurz seine Unterlippe gezittert. Ansonsten aber ließ sich Liebing keine Gefühlsregung anmerken.

Kurz vor Beginn der Pressekonferenz am frühen Abend räumten Liebings gerade erst neu eingestellter Pressesprecher Holger Hartwig und eine Mitarbeiterin überraschend die Stühle vor der blauen Plakatwand weg. Die Statements wurden im Stehen abgegeben, Fragen waren nicht zugelassen. Was folgte, war die Ankündigung einer erneuten Pressekonferenz am heutigen Sonnabend in Neumünster und die Mitteilung, dass ab sofort alles besser werden soll: Liebing tritt zurück, Fraktionschef Daniel Günther wird neuer erster Mann – warme Worte des Respekts und des Dankes für die aufreibende Arbeit der vergangenen Monate. Guten Abend allerseits.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki nannte später die Entscheidung vor dem Hintergrund der miserablen Umfrageergebnisse konsequent. „Ich wünsche Daniel Günther für die Bewältigung der ihm nun übertragenen Aufgaben viel Erfolg – auch deshalb, weil es mit ihm an der Spitze der Union gelingen kann, die schwer erträgliche Selbstzufriedenheit des Ministerpräsidenten zu erschüttern.“

Für den SPD-Parteivorsitzenden Ralf Stegner zeigt die Personalie dagegen, „in welch schlechtem Zustand die Union im Norden ist“. Der SPD sei es am Ende egal, ob nun Liebing oder Günther CDU-Spitzenkandidat ist. „Wir wollen die Küstenkoalition mit Grünen und SSW fortsetzen und konzentrieren uns auf unsere eigenen politischen Ziele.“

Empört reagierte dagegen Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben. „Ich hätte nicht gedacht, dass die CDU so schändlich mit ihren Leuten umgeht. Dass Liebing im Land unbedeutend ist, wusste man doch schon bei seiner Nominierung.“ Liebing war erst im Juni auf einem Landesparteitag mit 92 Prozent zum Spitzenmann gekürt worden.

Personalquerelen kennt der frühere Unions-Landesvorsitzende Jost de Jager aus eigener Erfahrung. Er twitterte:


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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Foto: Er gibt sich nach außen gelassen: CDU-Spitzenkandidat Ingbert Liebing.

Knapp sieben Monate vor der Landtagswahl am 7. Mai 2017 brodelt es in der Nord-CDU. Nach den miserablen Umfrageergebnissen für die Partei und den noch schlechteren Werten für Spitzenkandidat Ingbert Liebing befürchten viele Christdemokraten einen Verlust an Einfluss und Mandaten.

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