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Spiel um die besten Plätze ist eröffnet

Landtagswahlkampf Spiel um die besten Plätze ist eröffnet

Bei den Grünen zeichnet sich ein harter Kampf um die Landesliste ab. Im Gespräch mit den Kieler Nachrichten kündigten Parteichefin Ruth Kastner und dem Vorsitzenden der Jung-Grünen, Lasse Petersdotter, gleich zwei Politiker an, dass sie sich um einen aussichtsreichen Listenplatz bewerben wollen.

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Mit Parteichefin Ruth Kastner (links) und dem Vorsitzenden der Jung-Grünen, Lasse Petersdotter, wollen gleich zwei Promis einen aussichtsreichen Listenplatz ergattern. Fraktionschefin Eka von Kalben (re.) hat in Kastner eine starke Konkurrentin um Platz drei bekommen.

Quelle: Montage: Charlayne Querner

Kiel. Weitere Newcomer dürften folgen.  „Es gibt viele Menschen, die auf der Landesliste kandidieren wollen“, bestätigt Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben. Kastner formuliert es freundlich. Die Grünen hätten genügend gute Leute für die Liste. „Es ist ein offenes und spannendes Spiel, wer wo landet.“ Die Spielregeln sind klar: Wer einen der ersten zehn Listenplätze ergattert, sitzt nach heutigem Stand sicher im nächsten Landtag. Ab Platz elf beginnt die Zitterpartie, die nur in den Landtag führt, falls die Grünen ein überdurchschnittlich gutes Wahlergebnis einfahren oder aber Spitzenpolitiker in die Regierung wechseln und ihr Mandat einem Nachrücker überlassen.

 Genau so hat es Monika Heinold gemacht, als sie 2012 Finanzministerin wurde. Diesmal soll sie die Grünen als echte Spitzenkandidatin in den Wahl führen. Um Platz zwei, den Umweltminister Robert Habeck wegen seiner Berlin-Ambitionen freimacht, wird hinter den Kulissen schon heftig gerungen. „Ich will kandidieren“, berichtet Bernd Voß. Der Milchbauer mit 100 Kühen aus der Wilstermarsch sitzt bereits im Landtag und rechnet sich gute Chancen aus, weil er mit der Agrarwende für eines der grünen Top-Themen steht. Hoffnungen macht sich auch Rasmus Andresen: Der Verwaltungswissenschaftler aus Flensburg, der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis macht, will sich „für eine offene Gesellschaft“ einsetzen und auf Platz zwei oder vier antreten. Sein Handicap: Andresen ist von Haus aus wie die Spitzenkandidatin ein Finanzpolitiker.

 Bei den Grünen wird erwartet, dass gerade im Kampf um die ungeraden Frauenplätze die Fetzen fliegen. Von Kalben möchte wie 2012 Listenplatz drei ergattern, muss aber Parteichefin Kastner fürchten. „Ich möchte auch mal Politik mitgestalten“, sagt die frühere Journalistin aus Bargteheide. Sie geht schon heute als Strippenzieherin im Landeshaus ein und aus, kann die Abstimmungen im Landtag bisher aber nur von der Tribüne verfolgen. Konzentrieren will sich Kastner auf die Wirtschafts- und Energiepolitik sowie die Mobilität. Dazu gehören Projekte wie die S-Bahn 4, die für die Metropolregion eine enorme Bedeutung hat.

 Offen ist, ob sich weitere Grüne für die ersten Plätze bewerben. Klar ist, dass es ab Platz vier noch enger wird. Grund: Dann treffen die Grünen, die bei den ersten Kampfabstimmungen nicht zum Zug gekommen sind, auf Parteifreunde, die sich einen aussichtsreichen Listenplatz sichern wollen. Dazu gehören die Fraktionsmanagerin Marret Bohn, die Umweltpolitikerin Marlies Fritzen, der Verkehrspolitiker und Präsident der Nordkirchen-Synode, Andreas Tietze, der Rechtspolitiker Burkhard Peters und jetzt auch die Nachwuchshoffnung Petersdotter. Der Vorsitzende der Grünen Jugend, der im Wahlkreis Kiel-West direkt antreten will, peilt „Listenplatz sechs oder acht“ an und möchte sich im Kampf gegen „die AfD und andere Rechtsaktivisten“ sowie in der Bildungspolitik engagieren. „Der Landtag ist überaltert“, sagt der 26-jährige Student und verweist auf seine Erfahrung. Petersdotter kümmert sich seit Jahren als Mitarbeiter der Fraktion um die Netzpolitik.

 Bei den Grünen wird erwartet, dass sich alle Kandidaten in den nächsten Wochen in der Debatte um das Wahlprogramm profilieren wollen. Aufgestellt wird die Liste Ende Januar in Neumünster von gut 130 Delegierten. Sie sind stets für Überraschungen gut und haben schon einige Polit-Karrieren beendet, so einst die von Fraktionschef Karl-Martin Hentschel und Grünen-Landeschef Björn Pistol. Derart basisdemokratisch geht es sonst nur bei der FDP zu. Bei CDU und SPD sind Kampfkandidaturen um die Top-Plätze selten, weil traditionell die Parteichefs in Absprache mit den Kreishäuptlingen das nächste Landtagsteam festzurren.

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