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Keine Zeit für Streit in der Krise

Landwirtschaft Keine Zeit für Streit in der Krise

Die Zeit der öffentlich ausgetragenen Scharmützel zwischen Bauern und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) könnte der Vergangenheit angehören: Die Krise und das daraus resultierende Höfesterben bestimmten den 9. Landwirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Neumünster.

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Will enger mit den Bauern zusammenarbeiten: Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck.

Quelle: Ulf Dahl

Neumünster. Vor 1200 Gästen in den Holstenhallen warb Habeck am Montag erneut für sein Modell von Landwirten, die nicht nur „Kalorienerzeuger“ sein dürften: „Wir müssen Mehrleistungen zum Beispiel im Umwelt- oder Tierschutz bezahlen und dafür sorgen, dass sich Landwirte auch anderen Marktsegmenten öffnen können.“ Wenn jetzt nicht umgesteuert werde, sei die Konsequenz aus der „existenzbedrohenden Krise“ für Milchviehbetriebe und Schweinemäster dramatisch: „Es ist keine Ende des Preistunnels in Sicht, jeder dritte Milchviehbetrieb ist in den kommenden zwei Jahren weg, wenn wir nicht gemeinsam neue Wege finden“, betonte Habeck.

Bauernverbands-Vizepräsident Peter Lüschow wies auf die Notwendigkeit hin, im Milchbereich stärker auf die Preisgestaltung der zumeist genossenschaftlich organisierten Molkereien einzuwirken. „Da müssen wir Druck machen, um bessere Preise zu bekommen“, sagte Lüschow. Kontraproduktiv seien jedoch immer weitere Vorschriften: „Seit Jahrzehnten nehmen Landwirte ihre Eigenverantwortung wahr, auch in Sachen Tierwohl oder Klimaschutz. Und damit sind sie richtig erfolgreich.“ Dies bedeute aber auch, dass sich Landwirte dem Markt anpassen müssten – „sie können nicht auf einmal wieder auf kleinere Ställe setzen“, sagte Lüschow: „Wir müssen daran arbeiten, dass so viele wie möglich der derzeit 13300 Betriebe im Norden den Weg in die Zukunft gehen können. Die Lage der Bauern in Schleswig-Holstein ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“

Hoffen auf steigende Milchpreise

Das unterstrich auch Martina Poppinga, Betriebsleiterin eines Hofes in Rethwisch (Kreis Steinburg): „Wir haben unseren Masterplan. Und wir schaffen das“, rief die Landwirtin ihren Berufskollegen Mut zu. Voraussetzung seien allerdings eine verlässliche Politik und bessere Preise, sowohl bei den Ackerbauprodukten als auch bei der Schweinemast.

Auch Milchbauer Martin de la Motte ist von einem Ende der Krise überzeugt: „Aufhören oder Gas geben waren die Alternativen – da habe ich den Schritt nach vorne gewagt“, sagte der Landwirt aus Krummbek (Kreis Plön). 550 Milchkühe hat er jetzt, einen modernen Stall und ganz viel Optimismus: „Ich hoffe auf steigende Milchpreise ab Mai.“ Um im Dorf akzeptiert zu werden, setzt de la Motte auf Hofbegehungen, das große Maiserntefest und ganz aktuell auf eine Milchtankstelle. „Wir müssen offensiv auf die Menschen zugehen und zeigen, was wir können und wie wir arbeiten“, warb er vor seinen Berufskollegen.

"Keine Zeit für Klimbim"

Dass es vorläufig nicht ohne eine Förderung durch Direktzahlungen geht, unterstrich Verbands-Vize Lüschow: „Wir müssen nur sehen, dass die Prämienzahlungen kalkulierbar bleiben.“ Die Zusammenarbeit insbesondere mit Minister Habeck lobte er: „Habeck darf bleiben, weil er sachlich und sehr vernünftig diskutiert – das ist nicht überall so.“ Allerdings müsse der Minister auch noch „ein bisschen lernen und uns als Bauern das Gefühl geben, uns zur Seite zu stehen“.

Habeck gab das Kompliment trotz jüngster über Facebook ausgetragener Attacken gegen ihn („Der grüne Deal“) zurück: „Der Verband und seine klugen Vertreter führen eine Debatte auf hohem politischem Niveau.“ Nun müsse gemeinsam umgesteuert werden: „Es ist keine Zeit für Klimbim. Sonst werden wir im Norden Dörfer ohne Bauern haben.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Studie
Foto: Bundesweit kommen nur zwei von fünf Kühen auf die Weide, im Norden fast doppelt so viele, sagt eine Studie.

Die Milchbauern im Norden handeln verantwortungsvoll: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Nachhaltigkeit der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein, die der Genossenschaftsverband zusammen mit der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein in Rendsburg vorstellte. Während bundesweit nur zwei von fünf Kühen auf Weiden grasen, sind es in Schleswig-Holstein fast doppelt so viele.

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