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„Ich durchpflüge das ganze Land“

Liebing im Interview „Ich durchpflüge das ganze Land“

Der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing will seine Partei trotz schlechter Umfragewerte und Kritik aus den eigenen Reihen in die Landtagswahl 2017 führen. Laut KN/LN-Wahlumfrage ist Fraktionschef Daniel Günther populärer als der designierte Spitzenkandidat. Der nimmt im Interview Stellung.

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Einen Platz im nächsten Landtag hat CDU-Landeschef Ingbert Liebing, 52, als Direktkandidat in einem „sicheren“ Wahlkreis in Nordfriesland so gut wie sicher. In der Nord-CDU wachsen allerdings die Zweifel, ob der Literaturwissenschaftler auch der geeignete Spitzenkandidat ist. Die CDU stellt ihre Landesliste im Juni auf.

Quelle: Axel Heimken

Kiel. Frage: Herr Liebing, warum räumen Sie den Platz des Spitzenkandidaten nicht für Daniel Günther?

 Ingbert Liebing: Wir haben eine Aufgabenteilung. Daniel Günther macht einen guten Job als Fraktionsvorsitzender im Landtag und zeigt die Schwächen der Landesregierung auf. Mein Job als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat ist es, das Profil der CDU zu schärfen. Ich freue mich auf diese Aufgabe und spüre auch den nötigen Rückhalt in der Union. Und offensichtlich vertraut mir die Partei, da sie mich im September als Spitzenkandidat vorgeschlagen hat. Ich warne meine Partei deshalb davor, sich in eine Führungsdiskussion drängen zu lassen.

 Der frühere CDU-Ministerpräsident und ehemalige Landesvorsitzende Peter Harry Carstensen soll Ihnen zum Rückzug geraten haben.

 Das ist so nicht richtig. Natürlich gibt es immer wieder Gespräche, auch mit Peter Harry Carstensen. Er steht hinter mir.

 Was denken Sie, wie viel Prozent der Schleswig-Holsteiner kennen Sie?

 Ich beteilige mich nicht an Spekulationen. Aber es ist ja klar, dass die, die schon seit Jahren durch Talkshows tingeln, bekannter sind. Das ist aber nicht der Maßstab, jetzt, ein Jahr vor der Wahl. Ich habe einen anderen Anspruch. Einen Gestaltungsanspruch. Ich bin im Land unterwegs, nehme die Themen auf, die Probleme, bin im Gespräch mit den Menschen.

 Das scheint ja aber alles nicht zu reichen. Nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ist Herr Günther doppelt so populär wie Sie.

 Es ist gar keine Frage, dass er im Moment durch den Alltag im Landtag und die Bühne, die er da hat und ich nicht habe, einen anderen Bekanntheitsgrad hat. Aber offenkundig hat die Partei nicht Daniel Günther, sondern mich wegen meiner politischen Erfahrung nominiert.

 Herr Liebing, wo liegen Ihre Stärken?

 Meine Stärke ist, dass ich das Land kenne. Aus langjähriger Tätigkeit in der Kommunalpolitik, im Ehrenamt, als Bürgermeister auf der Insel Sylt und jetzt seit mehr als zehn Jahren im Bundestag. Als Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU kenne ich die Sorgen und Nöte in den Dörfern und Städten. Die Themen und Probleme anzupacken und zu lösen ist mein Anspruch, seit ich Politik mache.

 Ihre Schwäche ist, diese Themen auch zu verkaufen?

 Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, diese Themen jetzt hinauszutragen ins Land und für unsere Politik zu werben. Über die Hälfte der Menschen ist laut Umfrage in zentralen Feldern unzufrieden mit der Politik der Landesregierung, wenn es um Schule geht, um die Verkehrspolitik oder die Innere Sicherheit. Ich möchte eine Unterrichtsgarantie geben. Und ich werde in den nächsten Monaten weitere Vorschläge machen.

 Die bisher größten Schlagzeilen haben Sie im Herbst 2015 mit der Forderung nach einem Abschiebe-TV gemacht.

 Das ist hochgezogen worden mit diesem Schlagwort. Ich stelle aber fest, dass das, worum es mir damals ging, nämlich rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber wieder nach Hause zu bringen, heute Allgemeingut ist. Es ist gut, dass wir in der Flüchtlingsfrage eine deutliche Entspannung haben.

  In Ihrer CDU werden Stimmen laut, die Mitglieder in einer Art Urwahl entscheiden zu lassen, wer Spitzenkandidat werden soll.

 Natürlich hätte ich keine Angst davor, mich einer Mitgliederbefragung zu stellen. Ich halte es nur nicht für klug. Dann würden wir uns über eine längere Zeit hinweg nur mit uns selbst beschäftigen, und es würde bedeuten, dass wir eine Spaltung in der Partei bekommen. Das wäre eine Belastung und eine Hypothek für den Wahlkampf. Mal abgesehen davon: Eine Mitgliederbefragung gibt es nur, wenn wir zwei Kandidaten haben. Und das haben wir nicht.

 Wie wollen Sie die Debatte um Ihre Spitzenkandidatur für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein beenden?

 Die CDU hat nur eine Chance bei der Wahl, wenn sie geschlossen hinter dem Spitzenkandidaten steht. Dafür werde ich kämpfen.

 Wo kämpfen Sie heute?

 Heute bin ich den ganzen Tag in Schleswig-Holstein unterwegs, zuerst in der Fachhochschule Flensburg. Am Wochenende bin ich beim Landesfeuerwehrverband und etwa bei einem Parteijubiläum im Kreis Pinneberg. Ich durchpflüge das ganze Land, um für unsere Politik zu werben.

 Sehen Sie sich auf Augenhöhe mit dem Chef der rot-grün-blauen Koalition, Ministerpräsident Torsten Albig?

 Ich nehme Torsten Albig in diesem Amt kaum wahr. Er hält nette Grußworte, pathetische Reden, aber ich erlebe nicht, dass er sich um die Themen und Probleme des Landes kümmert. Aber der eigentliche Wahlkampf, in dem wir uns miteinander messen, findet 2017 statt.

 Wie groß ist Ihre Chance, am 7. Mai 2017 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein zu werden?

 Die Koalition aus SPD, Grünen und SSW hat in der Forsa-Umfrage nur einen knappen Vorsprung. Wenn diese Dreier-Koalition ihre Mehrheit verliert, dann ist für die CDU und mich alles möglich, in welcher Koalition auch immer.

 Interview: Ulf B. Christen, Wolfram Hammer

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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48 Prozent Zustimmung für die rot-grün-blaue Koalition von Torsten Albig: Ruhig schlafen kann Schleswig-Holsteins SPD-Ministerpräsident bis zum Landtagswahltermin am 7. Mai 2017 deswegen aber längst noch nicht, sagt Meinungsforscher Prof. Manfred Güllner.

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