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"Meine Beliebtheit hat sehr zugenommen"

Wolfgang Kubicki "Meine Beliebtheit hat sehr zugenommen"

Wolfgang Kubicki war lange einer der wenigen Landespolitiker, die auch bundesweit etwas zu sagen hatten. Nun wechselt der 65-Jährige nach 25 Jahren im Kieler Landtag in den Bundestag – und zeigt sich im Interview plötzlich ausgesprochen milde.

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Verlässt Kiel in Richtung Berlin: Wolfgang Kubicki (FDP)

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Herr Kubicki, nervt es Sie, überall erkannt zu werden?

Nein, weil die Menschen mir zu 99,5 Prozent sehr freundlich begegnen. Das war ja nicht immer so. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Aber meine Beliebtheit hat erheblich zugenommen.

Wie unterhaltsam muss ein guter Politiker sein?

Politiker, die glauben, sie müssten mit Menschen nicht kommunizieren, sie müssten also auch nicht auf sich aufmerksam machen und damit die Ebene liefern, auf der man Botschaften transportieren kann, die liegen falsch.

Die FDP hat in den jüngsten Wochen signifikant an Zustimmung verloren.

Das bestreite ich. Ich finde es schön, dass man 10,7 Prozent schon als Normalzustand der Partei erklärt. Ich freue mich, dass man sich daran gewöhnt, dass die FDP im zweistelligen Bereich als normal angesehen wird. Da sind wir spätestens im März auch wieder.

Warum sollte man denn heute noch FDP wählen?

Weil sie zunächst herausragende Persönlichkeiten hat, mit Christian Lindner, mir, Katja Suding und anderen. Außerdem hat die FDP Inhalte, die die Menschen betreffen. Und es ist nach wie vor in Deutschland wichtig zu dokumentieren, dass man erst der Wirtschaft bewusst macht, was man verteilen will.

Gerade die Wirtschaft und Freiberufler sind von der FDP massiv enttäuscht.

Das ist ein Klischee. Es gibt ja nicht die Wirtschaft, genau so wenig, wie es die Politik gibt, sondern es gibt unterschiedliche Auffassungen. Dass sich Vertreter von großen industriellen Einrichtungen enttäuscht zeigen, mag sein. Aber auf dem Unternehmertag hier in Schleswig-Holstein haben uns die Leute auf die Schulter geklopft. Die Kanzlerin wollte Jamaika nicht. Sie war am Wahlabend überrascht, dass die SPD Nein gesagt hat. Jetzt ist sie genau da, wo sie hinwollte: bei einer Großen Koalition.

Woraus schließen Sie das?

Aus ihrer Unbeteiligtheit in den ersten 14 Tagen. Da war ihr alles egal, was da passierte. Und an den letzten beiden langen Tagen hat sie zum Schluss in einer Art und Weise provoziert, die auch einfach nicht mehr hinnehmbar war. Also, das war zum Schluss wirklich die Fortsetzung von Schwarz-Rot mit einigen kleinen Geschenken an die Grünen, aber ansonsten war es keine Veränderung der Politik.

Ist Jamaika in einem Jahr immer noch stabil?

Ja, das wird von Tag zu Tag fester. Es wird immer Rumpeleien geben, auch weil es in Berlin nicht geklappt hat. Da wird häufig die beliebte Frage gestellt: Wer ist schuld? Ich will hoffen, dass Robert Habeck wirklich gewählt wird und nach Berlin kommt, weil wir beide der gleichen Auffassung sind: Wir müssen die Distanzen zwischen unseren Parteien reduzieren. Weil wir ansonsten dauerhaft in der Opposition bleiben, auf Bundesebene jedenfalls. Aber Jamaika in Kiel wird funktionieren.

Wird Monika Heinold noch stärker im Kabinett sein?

Noch stärker, als sie jetzt schon ist? Geht kaum.

Muss Ministerpräsident Günther da aufpassen?

Nein. Der erlebt momentan einen kometenhaften Aufstieg in Berlin. Günther sagt auch mal was gegen Angela Merkel. Kann er auch, denn Angela Merkel ist maximal vier Jahre im Amt, er fünf. Also muss er auf sie keine Rücksicht nehmen. Ich glaube wirklich, dass er zur ersten Personalreserve der CDU gehört in der Nachfolge von Merkel.

Das vollständige Interview lesen Sie in heutigen Print-Ausgabe der Kieler Nachrichten

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Ein Artikel von
Oliver Hamel
Wirtschaftsredaktion

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