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Schulen bekommen wieder "Zeugnisse"

Bildungsministerin Schulen bekommen wieder "Zeugnisse"

Schleswig-Holstein führt zum Februar die vor einigen Jahren abgeschaffte externe Bewertung von Schulen wieder ein — auf freiwilliger Basis. Bisher 7 der gut 800 Schulen hätten Interesse an einer Teilnahme am sogenannten Schulfeedback bekundet, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Montag in Kiel.

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Bildungsministerin Britta Ernst will die Qualität des Unterrichts an Schulen verbessern.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die rot-grüne-blaue Landesregierung führt ab Februar wieder einen Schul-Tüv ein, von dem sich Schwarz-Gelb vor ein paar Jahren verabschiedet hatte. „Natürlich könnten wir beschließen, dass ab heute nur noch guter Unterricht erteilt wird“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Montag. Aber ein solcher Ansatz würde ins Leere führen. Man habe es mit Menschen zu tun, deren Ausbildung mehr oder weniger längere Zeit zurückliegt. Und die Frage, wie kollegial Pädagogen miteinander umgehen, werde auch sehr unterschiedlich gehandhabt. „Wie in anderen Lebensbereichen und Organisationen ist es an Schulen sinnvoll, hin und wieder einen kritischen Blick von außen zu werfen“ und Veränderungsprozesse „mit dem nötigen Schwung zu versehen“.

Zunächst soll das Schul-Feedback rein freiwillig sein. Gemeldet haben sich sieben von 800 Schulen, wobei eine Gesamtschule und ein Gymnasium den Anfang machen. Beide Schulen wollen nicht genannt werden. Ernst lobte ihre Teilnahme als „mutige Pionierleistung“. Das Verfahren mit seinen Interviews, Schulbesuchen und Online-Befragungen werde von zwei in Hamburg ausgebildeten Fachleuten durchgeführt und von jeweils einem „kritischen Freund“ – der Leitung einer anderen Schule –begleitet.

100 Schulen haben zugesagt

Ein weiterer Baustein zur besseren Unterrichtsqualität soll die bundesweite Kompetenzmessung Vera sein, an der sich hiesige Schulen bislang in den Klassenstufen 3 und 8 beteiligen. Diesen Abstand hält die Ministerin für zu groß und bietet den Einrichtungen eine Teilnahme für den sechsten Jahrgang an. 100 Schulen hätten bereits zugesagt. Ernst sagt dazu: „Gerade Vera-Testergebnisse sind für Schulleitungen eine gute Möglichkeit nachzufassen.“

Die Resultate würden auf Wunsch vertraulich behandelt und nicht weitergeleitet, weil viele Schulen Angst vor Rankings hätten. Es gehe um Akzeptanz und den Kampf um Schülerzahlen. Durchschnittsabiturnoten als Gradmesser für guten Unterricht? Schulen, die mit solchen Ergebnissen prahlen, lägen „zufällig immer dort, wo Leute unheimlich viel Geld verdienen“, sagte die Ministerin ironisch. Qualität lasse sich daran nicht unbedingt ablesen. Zum Herbst 2016 wolle Schleswig-Holstein darüber hinaus wieder einen Bildungsbericht einführen. Das Land brauche spezifische Zahlen, Daten und Fakten im Zweijahresrhythmus. „Seriöse Bildungspolitik muss sich auf gefestigte Erkenntnisse und objektive Informationen stützen können“, sagte die Ministerin. Zuletzt gab es einen veröffentlichten Landesbericht 2008.

Opposition nicht überzeugt

Die Opposition warf der Ministerin vor, bewusst den Unterrichtsausfall auszublenden. Schul-Feedback ist nach Ansicht von Heike Franzen (CDU) ein Placebo, weil Lehrermangel, Flüchtlingsintegration und die Folgen der letzten Bildungsreform ausgeblendet würden. Anita Klahn (FDP) warf der Ministerin vor, an den falschen Stellschrauben zu drehen. „Wir brauchen höhere Bildungsstandards, mehr Leistungsförderung und eine bessere personelle Ausstattung.“ Lob kam dagegen von den Regierungsfraktionen. Anke Erdmann (Grüne): „Schulen sind lernende Systeme und in permanenter Weiterentwicklung.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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