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Ernst kämpft weiter für die notenfreie Grundschule

Bildung in Schleswig-Holstein Ernst kämpft weiter für die notenfreie Grundschule

Im Kampf für eine notenfreie Grundschule hat Schulministerin Britta Ernst die nächste Stufe gezündet. Die SPD-Politikerin stellte erstmals Standard-Zeugnisse ohne Ziffernnoten für alle Grundschulklassen in Schleswig-Holstein vor. Ziel ist, ab nächstem Schuljahr deutlich mehr Grundschulen zum Verzicht auf Ziffernnoten zu bewegen.

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Bildungsministerin Britta Ernst kämpft weiter für die notenfreie Grundschule.

Quelle: Dirk Schneider

Kiel. Bei der Premiere in diesem Schuljahr sind nur 64 der 478 Grundschulen komplett notenfrei (rund 13 Prozent). SPD, Grüne und SSW lobten den Vorstoß. CDU und FDP kritisierten, dass die neuen Muster-Kreuzchen-Zeugnisse für Schüler und Eltern unverständlich seien. Die Liberalen kündigten an, ihre Volksinitiative für Noten in der Grundschule fortzusetzen.

„Wir werben dafür, dass sich die Schulen von Notenzeugnissen lösen“, sagte Ernst. Sie stellte zugleich klar, dass die neuen Standard-Zeugnisse nach einer Übergangsfrist von drei Jahren verbindlich werden sollen. Das allerdings nur für Grundschulen, die auf eine Benotung der Schüler verzichten möchten. „Es bleibt bei der Wahlfreiheit“, versprach Ernst. Damit kann die große Mehrheit der Grundschulen auch künftig in den Klassen drei und vier Noten geben oder Schüler sowohl mit einem Noten- als auch mit einem Kompetenz-Zeugnis bewerten. Ein solche Doppel-Bewertung ist nun leichter möglich, weil das neue Standard-Zeugnis mit fünf Spalten (bisher vier) an die klassische Notengebung in Grundschulen (eins bis fünf) angeglichen wurde.

Auch auf Nachfrage wollte Ernst keine Prognose dazu abgeben, wie viele weitere Grundschulen dank der Standard-Zeugnisse künftig auf Noten verzichten. Die Ministerin stellte zugleich eine neue Fassung des Entwicklungsberichts vor. Er ersetzt seit diesem Jahr die Schulart-Empfehlung für alle Viertklässler, wird nach dem ersten Halbjahr erteilt und wurde nach Kritik von Eltern und Lehrkräften vom Kieler Uni-Professor Jens Möller überarbeitet. „Der Bericht war im Großen und Ganzen gut, aber für Nicht-Mathematiker schwer zu verstehen“, sagte Ernst. Unverständliche Begriffe wie „Modellieren“ wurden ersetzt, wobei Möller einräumte, dass zumindest Schüler auch mit neuen Mathe-Kompetenzbegriffen wie etwa „Muster und Strukturen“ wenig anfangen könnten.

Beifall bekam Ernst aus den Regierungsfraktionen. „Die Kompetenz-Zeugnisse geben vor allem den Grundschulen Planungssicherheit, die sich neu auf den Weg zur notenfreien Grundschule machen wollen“, sagte Anke Erdmann (Grüne). Die Opposition hielt dagegen. „Zeugnisse müssen von Kindern und Eltern verstanden werden“, mahnte Heike Franzen (CDU). Auch Lehrer würden „mit dem Verstehen der Zeugnisse Probleme haben“, ergänzte Anita Klahn (FDP). Beide befürchten, dass Ernst die Standard-Zeugnisse letztlich verbindlich vorschreiben werde. Umso wichtiger sei die Volksinitiative für Grundschulnoten, betonten die beiden Politikerinnen. Die Volksinitiative läuft bisher allerdings schlechter als von den Initiatoren erwartet.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Schulministerin Britta Ernst ist eine Frau der vorsichtigen Schritte und leisen Töne. Das muss kein Nachteil sein, wie das Scheitern der lauthalsen Amtsvorgängerin Wende gezeigt hat. Denn: Der politische Erfolg beruht nicht nur auf fachlicher Initiative, sondern auch auf größtmöglicher Akzeptanz bei Betroffenen und Beteiligten. Und niemand wird in dieser Hinsicht Eltern und Lehrer unterschätzen.

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