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Reisende Einbrecher im Visier

Mit Grafik Reisende Einbrecher im Visier

Die Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität ist ein Schwerpunkt der Landespolizei. Die Entwicklung einer speziellen Software soll künftig dabei helfen. Mit Hilfe der neuen Technik will das Landeskriminalamt Banden auf die Spur kommen, noch bevor sie ein ums andere Mal Beute machen können.

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Das Landeskriminalamt nimmt auf der Jagd nach Einbrechern jetzt verstärkt Banden ins Visier.

Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Kiel. Die Einschätzung von Experten, dass es sich häufig um professionelle Einbrecher handelt, die überregional auf Diebestour gehen, wird durch eine aktuelle Bewertung des Innenministeriums bestätigt.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion zu den Täterstrukturen bei Einbrüchen räumt das Ministerium zwar ein, noch keine „abschließend gesicherte Erkenntnislage“ zu haben. Ein Grund dafür sei die hohe Anzahl unaufgeklärter Taten. Allerdings hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass der überwiegende Teil ermittelter und verurteilter Straftäter bereits „vorgeahndet war und nahezu die Hälfte der verurteilten Personen die Tat mit mindestens einer weiteren hierfür verurteilten Person gemeinschaftlich begangen hat“, erklärte das Ministerium. Die Schlussfolgerung: Forschung und Landespolizei gehen aufgrund ihrer Ermittlungen davon aus, dass ein „Großteil der nicht aufgeklärten Wohnungseinbrüche durch organisierte Banden aus dem Ausland begangen wird“. Ein Indiz dafür ist, dass in von Einbrüchen besonders betroffenen Landesteilen die Anzahl der Straftaten immer dann stark rückläufig war, wenn die Polizei Einbrecher festnehmen konnte.

2015 konnte die Landespolizei 730 Verdächtige festnehmen – 247 stammten nicht aus Deutschland. Das Innenministerium hat die Herkunftsländer genau aufgeschlüsselt. Demnach stammen die im Rahmen des Wohnungseinbruchsdiebstahl-Konzeptes bei der zentralen Auswertung im Landeskriminalamt festgestellten Personen fast zu zwei Dritteln vom Westbalkan und etwa zu einem Sechstel aus Osteuropa, heißt es in dem Papier. Der Fokus der Landespolizei richte sich daher „insbesondere auf überregionale und reisende, international agierende Täter“, erklärt das Innenministerium. Priorität habe das frühzeitige Erkennen dieser Tätergruppen und die Identifizierung eines Einbruchs als Serien- beziehungsweise Bandendelikt.

Nach Ansicht der FDP-Fraktion muss vor diesem Hintergrund „der Strafverfolgungsdruck im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstahl dringend erhöht werden“, so der Abgeordnete Ekkehard Klug. Die Kriminalität wird seiner Einschätzung nach nur noch verwaltet und nicht mehr bekämpft. Davon würden vor allem professionelle reisende Banden profitieren, die auch aus dem Ausland kommen. Klug mahnt allerdings zu einer differenzierten Betrachtung: „Weder dürfen hieraus Stigmatisierungen abgeleitet werden, noch sollten Probleme im Bereich der Ausländerkriminalität aus falsch verstandener Toleranz verschwiegen werden.“ Klug drängt stattdessen auf „spezifische Fahndungskonzepte, um reisende Täter frühzeitig zu identifizieren“.


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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Das neue Projekt soll auch die Prävention bei Einbrüchen verbessern.

Im Kampf gegen professionelle Einbrecherbanden will das Landeskriminalamt neue Wege gehen: Vorzugsweise mit der FH Kiel soll ein Pilotprojekt gestartet werden. Ziel ist es, mit einer Computersoftware die Wahrscheinlichkeit für Straftaten zu berechnen und eine Prognose für regionale Risikobereiche zu erstellen.

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