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Mobilität auf dem Land Der Verkehrsminister steuert um

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) will die Mobilität der Menschen im ländlichen Raum stärken und kündigt einen Schulterschluss von Land, Kreisen und Gemeinden an.

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Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) will die Mobilität der Menschen im ländlichen Raum stärken.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Das Umsteuern im Bereich Mobilität ist zweifellos ein sehr dickes Brett“, räumte er ein. „Da tun wir alle noch nicht genug. Aber wenn jeder weiterhin sein eigenes Süppchen kocht, wird es nicht funktionieren.“ Meyer stützt sich auf ein 80000 Euro teures Gutachten, das erstmals in der Landesgeschichte die Entwicklung der Mobilität in Schleswig-Holstein untersucht und einen Zeitraum bis zum Jahr 2030 analysiert. Die Ergebnisse der Firma Ramboll liegen jetzt vor.

 Es reiche nicht aus, auf die wachsenden Verkehrsmengen nur mit einem Ausbau von Verkehrsinfrastruktur zu reagieren, stellte Meyer fest. „Vielmehr wird deutlich, dass der öffentliche Nahverkehr weiterentwickelt und flexibler werden muss.“ Künftig sollten die Kreise finanziell besonders belohnt werden, die sich beim öffentlichen Nahverkehr über das Mindestmaß hinaus engagieren. Klar sei jedoch eines: Jenseits der Städte gehe ohne das Auto gar nichts. Laut Studie nutzen auch künftig zwei Drittel aller Schleswig-Holsteiner das eigene Fahrzeug für den Weg zur Arbeit.

 „Man sollte nicht ideologiefixiert vorgehen“, warnte Meyer. Es komme darauf an, das Auto mit intelligenten wie zugleich individuellen Angeboten zu ergänzen. Als Beispiele nannte er Anruftaxis und Bürgerbusse. Von festen Buslinien dagegen, geschweige denn neuen Bahnstrecken, müsse man sich verabschieden. Da der ländliche Raum immer dünner besiedelt sein wird, lasse sich das kaum noch finanzieren. Der Minister wies auf die inzwischen verworfene Planung einer Stadtregionalbahn im Raum Kiel hin. Diese Art des Schienenverkehrs rechne sich nicht. Wo solche festen Verbindungen jedoch bestehen, müssten die Kommunen an einer besseren Verzahnung mit dem Busverkehr, mit Radstationen und Car-Sharing-Modellen arbeiten.

 Kiel sei hier vorbildlich. Die Landeshauptstadt will ein Pilotprojekt mit 24 Fahrzeugen auf den Weg bringen und hat dazu im Verkehrsministerium einen Genehmigungsantrag gestellt. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte Meyer. Der Clou: Im Gegensatz zum bisherigen Modell können die Nutzer das geliehene Fahrzeug künftig am Zielort abstellen, wo es ein anderer Nutzer per App ausfindig macht. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) verwies darauf, dass man mit dieser erweiterten Flexibilität neue Nutzergruppen erschließen wolle. „Es geht nicht um weniger Mobilität, aber um weniger Autos. Das nützt der Umwelt, schont aber den Geldbeutel.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Foto: Auf dem Land sind viele Bewohner auf ein eigenes Auto oder Taxen angewiesen, weil das öffentliche Verkehrsnetz nicht gut ausgebaut ist. In Ladelund (Kreis Nordfriesland) sorgt seit 2014 ein Bürgerbus für eine bessere Anbindung an die Nachbarortschaften. Gesteuert werden die Minibusse von ehrenamtlichen Fahrern.

Die Opposition ließ an Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) am Montag kein gutes Haar. „Meyers Problem ist, dass er keinen Plan hat“, sagte der Parlamentarische CDU-Geschäftsführer Hans-Jörn Arp.

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